Newsletter  |  Sonntag, 21. Januar 2018, 19:48 Uhr
Startseite

Diabetes-News

Über Diabetes
Fachthemen
Ernährung
Patientenfragen

Praktische Hilfe
Diabetes und Vorsorge
Klinische Studien
Diabetes-Kalender

Selbsthilfe-Suche
Arzt-/Klinik-Suche

 
 
 
gefördert durch:
 
Wie kann der Blutzuckerwert beim Arzt ungefähr doppelt so hoch sein wie ca. eine halbe Stunde vorher mit dem eigenen Messgerät gemessen? Woran liegt das, am Gerät?

Antwort von Karsten Jungheim, Deutsches Diabetes-Forschungsinstitut Düsseldorf, März 2003:

Hierfür kann es unterschiedliche Erklärungen geben:

  1. Es ist durchaus möglich, dass Ihr Blutzuckerwert nach 1/2 Stunde in diesem Maße angestiegen ist, dass also das Gerät richtig gemessen hat. Nach heutigen Erkenntnissen kann sich der Blutzucker bei Menschen mit Diabetes innerhalb einer halben Stunde bis zu 100-150 mg/dl ändern.

  2. Es liegt tatsächlich am Messsystem. Hier sollte man jedoch zwischen Messgerät selbst und den Messstreifen unterscheiden.

    Will man untersuchen, ob und wie stark ein Gerät abweicht, so muss man aber im Zweifelsfall Gerätemessungen mit Labormessungen direkt vergleichen. Hierbei ist folgendes zu beachten:
    a. Nur Vergleiche zwischen Gerätmessung und Labormessung, die an Blut vorgenommen werden, das zum selben Zeitpunkt abgenommen wurde, können einen Gerätefehler anzeigen. Im Prinzip sollte die Geräte- und Labormessung sogar aus demselben Bluttropfen erfolgen.
    b. Vergleichsmethode kann nur eine qualitätskontrollierte Labormethode sein. Vergleiche mit anderen Patientenmessgeräten sind in der Regel nicht verwertbar.
    c. Es sollten mehrere Vergleichsmessungen aus unterschiedlichen Messbereichen vorliegen. Im Idealfall sind dies mehr als 30 Messpaare für jeweils mehrere Messstreifenproduktionsserien (Chargen)! Einzelne Messungen sind in keinem Fall verwertbar.
    d. Bedienfehler und Blutabnahmefehler (häufiger als erwartet) müssen vorher ausgeschlossen werden.

  3. Würden viele Messungen sich von Labormessungen unterscheiden, und nicht nur eine, so gäbe es folgende mögliche Erklärung:

Es ist bekannt, dass Blutzuckermessgeräte, mit denen man zu Hause misst, in beträchtlichem Umfang (ca. 20-30%) von den in der Regel exakteren Labormessungen abweichen können. Auch Abweichungen darüber hinaus kommen gelegentlich vor. Hierbei handelt es sich aber in der Regel nicht um Fehler des Gerätes, sondern um eine Variabilität der Messstreifen. Diese äußert sich in der Regel durch eine so genannte zufällige Abweichung, d.h. die Abweichung geht überwiegend nicht nur eine Richtung geht, sondern je nachdem nach unten oder nach oben. Die Größe des Messfehlers ist somit im wesentlichen abhängig von der jeweiligen Produktionsserie (sogenannte Charge). Somit ist es durchaus üblich, dass man abhängig von der jeweils verwendeten Charge mit ein und demselben Gerät einmal nahezu perfekte Messwerte erlangt und ein anderes Mal (mit einer "schlechteren" Charge) größere Abweichungen beobachten muss. Von diesem Problem der Chargenvariabilität sind im Übrigen alle Hersteller betroffen!

In selteneren Fällen sind auch einzelne Geräte für Abweichungen verantwortlich.
Dann findet man häufiger eine so genannte systematische Abweichung, das heißt eine Abweichung überwiegend in dieselbe Richtung (z.B. nach unten). Es sind aber viele Messungen (auch mit unterschiedlichen Teststreifen-Chargen und nicht nur eine einmalige Messung) notwendig, um einen Fehler des Geräts oder eine abweichende Teststreifencharge sicher nachzuweisen. Eine einmalige Messung ist hier nicht ausreichend. Auch sollte man die Geräte im Vergleich zu Labormessungen testen. Die Firmen tauschen, wenn wirklich einmal ein Gerätefehler vorliegen sollte (wie gesagt, meist liegt es an den Teststreifen), die Geräte in der Regel kostenlos aus.

Abschließend muss jedoch betont werden, dass trotz der Tatsache, dass einzelne Messungen (teilweise sogar stärker) abweichen, langfristig die Vorteile der Anwendung der Blutzuckerselbstmessungen unbestritten sind.

Darstellung zum Ausdrucken
Weitere Patientenfragen zu diesem Thema: