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Epidemiologie des Diabetes in Deutschland und weltweit

Kürzlich wurde die 6. Ausgabe des Diabetes-Atlas derInternational Diabetes Federation veröffentlicht. Die dargelegten Schätzungen zeigen, dass Diabetes mellitus nach wie vor zu den drängendsten Gesundheitsproblemen weltweit gehört.

Laut Schätzungen der nun veröffentlichten sechsten Ausgabe des Diabetes-Atlas der International Diabetes Federation (IDF), sind derzeit rund 382 Millionen Menschen im Alter zwischen 20 und 79 Jahren weltweit und davon 56 Millionen Europäer an Diabetes erkrankt. In Deutschland betrifft die Erkrankung einschließlich der geschätzten hohen Dunkelziffer zwölf Prozent bzw. rund 7,5 Millionen Menschen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes. Von diesen Menschen wissen nach Schätzungen der IDF etwa ein Drittel bzw. rund 2,7 Millionen Menschen nicht, dass sie an Diabetes erkrankt sind. Da sich diese Hochrechnungen auf die Altersgruppen zwischen 20 und 79 beziehen, bleiben schätzungsweise etwas mehr als eine Million Menschen mit Diabetes ab 80 Jahren unberücksichtigt.

Als Erkrankung des höheren Lebensalters hängen die Diabeteszahlen von der Altersstruktur der Gesellschaft ab. Für den internationalen Vergleich publiziert die IDF daher neben nationalen Diabeteszahlen eine „Vergleichshäufigkeit“, die an die Weltbevölkerung angepasst ist. Hiernach wären in Deutschland 8,3 Prozent der Menschen zwischen 20 und 79 Jahren an Diabetes erkrankt, wenn die deutsche Altersstruktur der jüngeren Weltbevölkerung entspräche.

„Der IDF Atlas hat das primäre Ziel, international vergleichbare Schätzungen für einzelne Länder mit hoher Repräsentativität zu generieren, bei der Beurteilung der Zahlen für Deutschlandlohnt sich ein Blick auf die zugrundeliegenden Studien und Methoden“, betont PD Dr. Wolfgang Rathmann vom Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ), der mit weiteren Mitarbeitern des DDZ an der aktuellen Version des IDF-Atlas mitgewirkt hat.




Anstieg der Diabeteserkrankungen betrifft alle Länder
Foto: IDF

Was steckt hinter den Zahlen des IDF-Atlas für Deutschland?

Als Datenbasis für den bekannten Diabetes in Deutschland im aktuellen Atlas diente in erster Linie die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) des Robert Koch Instituts (RKI) aus den Jahren 2008 bis 2011. In dieser deutschlandweiten Studie wurde die Häufigkeit des bekannten, selbst-berichteten Diabetes auf 7,2 Prozent geschätzt (Alter 20-79 Jahre).

Zur Beurteilung des unentdeckten Diabetes wurden nationale und internationale Studien herangezogen. Orale Glukosetoleranztests (oGTT), der Goldstandard für epidemiologische Studien zur Schätzung des unbekannten Diabetes, wurden jedoch nur in vier Ländern Europas auf nationaler Ebene durchgeführt. Bei der Erstellung des Atlas wählte die IDF daher einen Kompromiss und berechnete den mittleren Anteil des nicht-diagnostizierten Diabetes in großräumigeren Regionen mithilfe verschiedener Untersuchungsmethoden wie oGTT, Bestimmung des HbA1c- Werts (Langzeitzuckerwert) oder die Bestimmung der Nüchternglukose im Blut.

Für Deutschland bedeutete dies, dass nicht etwa die oGTT-basierte KORA (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg) Studie aus der Region Augsburg berücksichtigt wurde (knapp 50 Prozent Anteil des unentdeckten Diabetes an der Gesamtprävalenz), sondern ein mittlerer Schätzwert aus französischen, spanischen und finnischen Studien, der sich aus unterschiedlichen Diabetesdefinitionen zusammensetzte, ermittelt wurde (Anteil 36,6 Prozent an der Gesamtprävalenz). Die Dunkelziffer von ca. 4,3 Prozent unterschätzt somit vermutlich die tatsächliche Häufigkeit des nicht diagnostizierten Diabetes in Deutschland.

Deutschland im europäischen und weltweiten Vergleich

Mit rund 7,5 Millionen Betroffenen gehört Deutschland anhand des IDF Atlas in Europa zu den Ländern mit der höchsten Anzahl an Menschen, die an Diabetes erkrankt sind. Dieser Spitzenplatz ist zum Teil der Altersstruktur der deutschen Gesellschaft geschuldet. Doch auch nach Standardisierung auf die deutlich jüngere Weltbevölkerung findet sich in Deutschland mit 8,3 Prozent eine höhere Diabeteshäufigkeit (Prävalenz) als in den direkten europäischen Nachbarländern, in welchen diese „Vergleichshäufigkeit“ zwischen 5,1 und 5,4 Prozent liegt (Frankreich, Niederlande, Italien, Polen). Höhere „Vergleichshäufigkeiten“ wurden insbesondere für die südlicheren Länder wie Spanien (8,1%), Portugal (9,6%) und die Türkei (14,9%) geschätzt.

Die genauen Ursachen für die länderspezifischen Unterschiede sind noch unklar, es ist jedoch anzunehmen, dass der Anteil stark übergewichtiger Menschen sowie das Sport- oder Ernährungsverhalten sich in den einzelnen Ländern ebenfalls unterscheiden.

Fazit
Der IDF-Atlas stellt einen wertvollen Beitrag zum Monitoring der Diabeteshäufigkeit im weltweiten Vergleich dar. Die Datenlage hat sich für einige Länder Europas verbessert, ist jedoch in vielen kleineren und mehreren osteuropäischen Ländern immer noch unzureichend. Für Deutschland fehlt insbesondere eine nationale Studie, die auf der Basis von oralen Glukosetoleranztests die Dunkelziffer verlässlich und überregional abschätzt.


Dr. med. Teresa Tamayo, M.A., Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ), Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Quellen:

  1. IDF Diabetes Atlas, 6th ed., Brussels, Belgium: International Diabetes Federation; 2013.
  2. Tamayo T, Rosenbauer J, Wild SH, Spijkerman AM, Baan C, Forouhi NG, Herder C, Rathmann W. Diabetes in Europe: An update for 2013 for the IDF Diabetes Atlas. Diabetes Res Clin Pract. 2013 Nov 27. [Epub ahead of print]
Darstellung zum Ausdrucken
 


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