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Helfen neue Biomarker bei der Risikoabschätzung von Typ 2 Diabetes?

Biomarker spielen zunehmend eine Rolle in der modernen Medizin: Bei vielen Krankheiten liefern sie wertvolle Informationen für die Diagnose und Therapie. Auch beim Typ 2 Diabetes werden Biomarker bestimmt – das bekannteste Bespiel sind der HbA1c- und der Blutzuckerwert.




Um die Genauigkeit der Diabetesrisiko-Vorhersage zu erhöhen, ist man intensiv auf der Suche nach neuen Biomarkern.
Foto: DZD / Michael Haggenmueller

Am besten wäre es natürlich, eine Diabetes-Gefährdung bereits vor dem Ausbruch der Erkrankung zu erkennen. Wissenschaftler sind daher intensiv auf der Suche nach neuen Biomarkern, mit denen sich das Risiko für einen drohenden Typ 2 Diabetes besser einschätzen lässt: Je früher das Risiko identifiziert wird, umso gezielter lässt sich gegensteuern – zum Beispiel mit einer Umstellung des Lebensstils.

Als Biomarker werden Moleküle bezeichnet, die sich im menschlichen Körper nachweisen lassen. Sie sagen etwas über den Gesundheitszustand bzw. über die gesundheitliche Gefährdung einer Person aus. Heutzutage werden Biomarker für diagnostische Zwecke eingesetzt, sie helfen bei der Überwachung des Therapieverlaufs, erlauben Aussagen über das Therapieansprechen oder zeigen die Gefährdung für eine zukünftige Krankheit an.

In der Praxis haben sich neben den Informationen zu Alter, Übergewicht, Bluthochdruck, Bewegung und Diabetes in der Familie verschiedene Blutmarker für das Screening auf eine Diabetes-Gefährdung etabliert. Dazu gehören unter anderem Glukose, HbA1c und Lipide wie Triglyzeride und HDL-Cholesterin. Daneben sind weitere neue Biomarker für die Risikobestimmung in der Diskussion: Genetische Marker (Erbgutvarianten, die Anzahl an bestimmten Erbgutfragmenten), mRNA-Moleküle, zusätzliche Stoffwechselmarker (Aminosäuren, fettlösliche und andere niedermolekulare Stoffe) oder bestimmte Botenstoffe (Adiponektin, Fetuin A).

Der Ferdinand-Bertram-Preisträger Priv.-Doz. Dr. Christian Herder vom Institut für Klinische Diabetologie am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf ist einer der Wissenschaftler, die sich mit der Suche nach neuen praxistauglichen Biomarkern befassen. Ziel ist es, ein erhöhtes Diabetesrisiko frühzeitig und genauer nachzuweisen. In der Fachzeitschrift Diabetologia hat Dr. Herder gemeinsam mit Priv.-Doz. Wolfgang Rathmann und Dr. Bernd Kowall eine Übersichtsarbeit veröffentlicht, die zum Thema „Neue Biomarker beim Typ 2 Diabetes“ Stellung nimmt und den aktuellen Stand der Forschung wiedergibt.

Die Bilanz ist ernüchternd und hoffnungsvoll zugleich: Zurzeit lässt sich die Güte der Risikovorhersage mit neuen Biomarkern noch nicht in relevantem Maße steigern. Dies hat verschiedene Ursachen. Zu berücksichtigen ist unter anderem eine noch unzureichende Standardisierung der Messmethoden. Außerdem sind viele Biomarker nicht unabhängig von bereits bekannten klinischen Parametern bei Typ 2 Diabetes und liefern daher keine zusätzlichen Informationen. Laut der Autoren könnten aber wissenschaftliche und technische Fortschritte dazu beitragen, dass sich das individuelle Erkrankungsrisiko in der Zukunft tatsächlich besser vorhersagen lässt.

Fazit:
Mithilfe etablierter Parameter lässt sich ein Typ 2 Diabetes nur mäßig gut voraussagen. Derzeit ist man intensiv auf der Suche nach neuen Biomarkern, um die Genauigkeit der Risikovorhersage weiter zu erhöhen. Bisher lassen sich noch keine entsprechenden Marker identifizieren, die für den Routineeinsatz geeignet sind. In der Zukunft könnte sich dies durch Fortschritte in Technologie und Forschung aber ändern.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Quelle:
Herder C et al. The potential of novel biomarkers to improve risk prediction of type 2 diabetes. Diabetologia 2014; 57(1): 16-29

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