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Typ 1 Diabetes: Veränderungen der Gehirnstruktur während der kindlichen Entwicklung

(01.02.2012) In einer Studie haben Wissenschaftler untersucht, ob häufige Unter- oder Überzuckerungen während der Kindheit zu Einschränkungen der Hirnleistungsfähigkeit wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen und zu Veränderungen der Anatomie des Gehirns führen können.




Ob Unter- oder Überzuckerungen während der Kindheit zu Einschränkungen der Hirnleistungsfähigkeit führen können, haben Wissenschaftler in einer Studie untersucht.
Foto: DAK-Gesundheit

Dass ein Typ 1 Diabetes neben dem peripheren Nervensystem als Manifestationsort für Spätkomplikationen auch die Entwicklung des Gehirns beeinflussen kann, wurde bereits in früheren Studien nachgewiesen. Häufig wechselndes Essverhalten sowie verminderte Fähigkeiten, Unterzuckerungen adäquat zu erkennen und auch mitzuteilen machen eine strenge und engmaschige Blutzuckereinstellung und -kontrolle in dieser Altersgruppe schwierig.

Typ 1 Diabetes und Konzentrationsfähigkeiten
Obwohl der Mechanismus hierfür noch nicht aufgeklärt werden konnte, ließ sich in Studien zeigen, dass bei Kindern, die vor dem 5. Lebensjahr an Typ 1 Diabetes erkranken, häufig verminderte Fähigkeiten in den Bereichen Gedächtnis, Aufmerksamkeit, visuelle Wahrnehmungsfunktion, Koordination sowie Feinmotorik diagnostiziert werden. Schon in früheren Untersuchungen galten Unterzuckerungen (Hypoglykämien) aber auch Überzuckerungen (Hyperglykämien) als Grund für diese Defizite.

In der hier vorgestellten Studie wurden insgesamt 28 Kinder mit Typ 1 Diabetes sowie 17 gesunde Kontrollprobanden im Alter von drei bis zehn Jahren mithilfe neuropsychologischer Tests sowie durch bildgebende Verfahren zur Darstellung von Gehirnstrukturen untersucht. Dabei fanden Mitarbeiter um Prof. Buckingham heraus, dass die Werte eines Tests auf Sprachverständnis in einer signifikanten Beziehung zu dem Langzeitblutzuckerwert HbA1c standen. Die Testwerte waren bei den Kindern, die häufiger Krampfanfälle erlitten haben, reduziert.

Typ 1 Diabetes und Gehirnentwicklung
Auch die während der Entwicklung erwartete Zunahme der weißen Substanz des Gehirns blieb bei den Kindern mit Typ 1 Diabetes im Vergleich zu Kindern ohne Diabetes aus. Ein ähnlicher Trend wurde für die so genannte hippocampale Region beobachtet. Der Hippocampus ist besonders für die Gedächtnisbildung wichtig. Es zeigten sich auch signifikante Reduktionen der grauen und weißen Substanz, (Volumenminderung der unterschiedlichen Strukturbereiche des Gehirns), im Vergleich zu Kindern mit Typ 1 Diabetes, die keine Krampfanfälle erlebt haben.

Allerdings gab es keine statistisch bedeutsamen Unterschiede der allgemeinen Intelligenz, in den Bereichen Gedächtnis und Aufmerksamkeit sowie in den visuell-räumlichen Vorstellungsvermögen zwischen gesunden Kindern und Kindern mit Typ 1 Diabetes.

Fazit
Die Studie zeigt die Durchführbarkeit von neuropsychologischen Untersuchungen sowie der bildgebenden Diagnostik und das Vorhandensein neuroanatomischer Unterschiede bei kleinen Kindern mit Typ 1 Diabetes. Augrund der geringen Fallzahlen müssen noch weitere und größere Studien durchgeführt werden, um den Einfluss eines Diabetes auf die Neuroanatomie sowie Leistungsfähigkeit des sich entwickelnden Gehirnes zu untersuchen.

Dipl.-Biol. Gunilla Erdmann, Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Quelle:
Aye et al. The Feasibility of Detecting Neuropsychologic and Neuroanatomic Effects of Type 1 Diabetes in Young Children. Diabetes Care 34:1458–1462, 2011

 

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