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Diabetes und Alkohol

Alkohol gehört zu den ältesten Genussmitteln. Schon frühere Studien haben gezeigt, dass ein moderater Alkoholkonsum mit einem geringeren Risiko für das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert ist. Alkoholmissbrauch ist hingegen mit einer Vielzahl ernsthafter Gesundheitsschäden assoziiert. Positive wie auch negative Aspekte des Alkoholkonsums sollen hier näher betrachtet werden.




Gemäß verschiedener Studien ist ein moderater Alkoholkonsum mit einem geringeren Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko assoziiert.

In der sogenannten Zutphen-Studie fand man heraus, dass ein Langzeit-Alkoholkonsum von 20 Gramm Alkohol oder weniger pro Tag verglichen mit Alkoholabstinenz mit einem 30 Prozent niedrigerem Risiko behaftet ist, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu versterben. Das Risiko für die Gesamtmortalität sank um 25 Prozent, das Risiko für die Mortalität bei Schlaganfällen um 57 Prozent. Weintrinker schlossen besonders gut ab. Die Studienteilnehmer, die täglich ein halbes Glas Wein tranken, hatten ein um 39 Prozent reduziertes Risiko an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Das Risiko für die Gesamtmortalität bei den Weinkonsumenten sank um 37 Prozent.

Die Lebenserwartung der Weintrinker war im Schnitt um fünf Jahre höher im Vergleich zu den Teilnehmern, welche gar keinen Alkohol tranken. Bei den Teilnehmern, die andere alkoholische Getränke wie Bier bevorzugten, stieg die Lebenserwartung durchschnittlich um 2,3 Jahre.

In der Smart-Studie konnte ebenfalls gezeigt werden, dass ein moderater Alkoholkonsum bei Patienten mit schon bestehenden Gefäßerkrankungen mit einem reduzierten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht.

Gefahr von Leberschäden

Ein regelmäßiger Alkoholkonsum kann – neben anderen gesundheitlichen Gefahren – allerdings auch zu einem Umbau der Leber bis hin zur Fettleber führen. Wie viel Alkohol die Leber verträgt, ist individuell verschieden und hängt von Vorerkrankungen und dem Geschlecht ab. Laut unterschiedlicher Untersuchungen liegt die toxische Grenze für Männer bei ca. 40 Gramm Alkohol pro Tag, bei Frauen bei rund 20 Gramm pro Tag. Der Grund liegt bei der geringeren Kapazität eines Enzyms, der so genannten Alkoholdehydrogenase. Dieses Enzym katalysiert den Abbau von Alkohol. Wird Alkohol chronisch und über diese Grenzwerte hinaus konsumiert, entwickeln 30 Prozent aller Betroffenen eine Fettleberhepatitis. Das Risiko, eine Leberzirrhose zu entwickeln, ist um das sechsfache erhöht.

Die generelle tägliche Menge Alkohol sollte jedoch bei Diabetikern 15 Gramm nicht übersteigen!

Wieviel Gramm Alkohol stecken in ihrem Getränk?

Bier: abhängig von der Sorte. Ein Glas (0,2 Liter) Altbier mit 4,8 Vol.-% enthält 7,7 Gramm Alkohol.
Wein: Ein Glas (0,1 Liter) mit 11 Vol.-% enthält ca. 9 Gramm Alkohol. Ein schwerer Wein mit 14 Vol.-% enthält 11 Gramm Alkohol.

Der Alkoholgehalt in Gramm eines Getränks lässt sich mit folgender Formel ausrechnen:

Menge in ml x (Vol.-% / 100) x 0,8 = Gramm reiner Alkohol

Gefahr durch Unterzuckerungen (Hypoglykämien)

Alkohol kann Unterzuckerungen (Hypoglykämien) mit zeitlicher Verzögerung verstärken oder auslösen. Dies kann zu nächtlichen (unbemerkten) Hypoglykämien führen und ist besonders relevant für Diabetiker, die Insulin spritzen oder orale Antidiabetika wie Sulfonylharnstoffe einnehmen. Dahingehend wird empfohlen, Alkohol nur in Kombination mit kohlenhydratreichen Mahlzeiten zu konsumieren.

Alkohol und Übergewicht

Alkoholische Getränke enthalten fast so viele Kalorien pro Gramm wie Fett: Während ein Gramm Alkohol ca. sieben Kilokalorien liefert, enthält ein Gramm Fett neun Kilokalorien. Dies ist insbesondere für übergewichtige Personen mit Typ 2 Diabetes relevant.

Impotenz

Sowohl übermäßiger Alkoholkonsum als auch Diabetes können über Schädigungen der Gefäße und Nerven zur Impotenz führen. Beides in Kombination erhöht die Wahrscheinlichkeit hierfür.

Neuropathien und Alkohol

Im Laufe der Erkrankung können Personen mit Diabetes eine Nervenschädigung (Diabetische Polyneuropathie) entwickeln. Dadurch kann die Wahrnehmung von Reizen und die Funktion von Organen stark beeinträchtigt werden. Betroffen sind die Sensorik (für die Berührungs- und Schmerzwahrnehmung), die Motorik (für die Innervation der Muskulatur) und das autonome Nervensystem (zur Regulation von Atmung, Herztätigkeit, Darmaktivität und Blasenfunktion). Ein Großteil der Neuropathien ist jedoch auch auf chronischen Alkoholmissbrauch zurückzuführen. Diabetes in Kombination mit chronischem Alkoholabusus potenziert diese Gefahr.

Suchtgefahr

Alkohol birgt ein großes suchtförderndes Potential. Ein problematisches Verhalten im Umgang mit Alkohol konnte in neuerer Zeit bei immer jüngeren Menschen festgestellt werden. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hält ausführliche Informationen bereit. Empfehlenswert sind die Sachinformationen zum Thema Alkohol, welche als PDF-Dokument herunter geladen werden können. (http://www.bzga.de/infomaterialien/alkoholpraevention/ )

 

Fazit:
Ein mäßiger Langzeitkonsum alkoholischer Getränke, insbesondere von Wein, hat verschiedenen Studien zufolge einen schützenden Effekt auf die Inzidenz von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und positive Auswirkungen auf die Lebenserwartung.

Wie bei vielen Dingen ist jedoch das Maß entscheidend. Was in geringer Dosis der Gesundheit zuträglich sein kann, richtet in höherer Dosis Schäden an. Schon Paracelsus bemerkte: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“ Besonders im Hinblick auf die potentielle Suchtgefahr sollte die Entscheidung, regelmäßig Alkohol zu konsumieren, gut bedacht werden.

 

Quellen:
1. Streppel et al. Long-term wine consumption is related to cardiovascular mortality and life expectancy independently of moderate alcohol intake: the Zutphen Study. J Epidemiol Community Health published online 30 Apr 2009; doi:10.1136/jech.2008.082198
2. Beulens et al. Alcohol consumption and risk of recurrent cardiovascular events and mortality in patients with clinically manifest vascular disease and diabetes mellitus: the Second Manifestations of ARTerial (SMART) disease study. Atherosclerosis. 2010 Sep;212(1):281-6.
3. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Alkohol – Eine Basisinformation zum Thema Alkohol. Herausgeber: Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren e.V. (DHS), Hamm http://www.bzga.de/infomaterialien/alkoholpraevention/alkohol-eine-basisinformation-zum-thema-alkohol/
4. Naimi TS et al. Cardiovascular risk factors and confounders among nondrinking and moderate-drinking U.S. adults. Am J Prev Med 2005; 28: 36973
5. Ronksley et al. Association of alcohol consumption with selected cardiovascular disease outcomes: a systematic review and meta-analysis. BMJ. 2011 Feb 22;342:d671.

Stand: 16.06.2011
Darstellung zum Ausdrucken
 


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