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Braunes Fettgewebe gegen Übergewicht?

Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) gehören zu den zentralen Herausforderungen in den industrialisierten Ländern. Hauptursache hierfür ist Überernährung in Kombination mit nicht ausreichender Bewegung. Fett ist jedoch nicht gleich Fett.
Vor kurzem berichteten wir über ein Gen, das die Fettverbrennung beeinflusst. Dabei rückte auch das so genannte braune Fettgewebe in den Mittelpunkt des Interesses.


Fettgewebe ist nicht gleich Fettgewebe. Während das weiße Fettgewebe    in erster Linie als Energiespeicher dient, kommt das braune Fettgewebe als Wärmelieferant    zum Einsatz.

Fettgewebe ist nicht gleich Fettgewebe. Während das weiße Fettgewebe in erster Linie als Energiespeicher dient, kommt das braune Fettgewebe als Wärmelieferant zum Einsatz.
Foto: Wikipedia

Was ist braunes Fettgewebe?
Im Unterschied zum weißen Fettgewebe hat das braune Fettgewebe keine Energiespeicherfunktion. Der erwachsene Mensch besitzt im Vergleich zu Neugeborenen auch nur sehr wenig hiervon. Die Funktion liegt hauptsächlich in der Wärmebildung. Dies geschieht durch den Abbau von Fettsäuren mithilfe der Mitochondrien, den "Kraftwerken" der Zellen, welche den Fettzellen auch ihre bräunliche Farbe verleihen. Die so produzierte Wärme ist besonders wichtig für Neugeborene, da andere Mechanismen der Wärmeregulation wie das Kältezittern noch nicht vollständig ausgebildet sind.

Die Rolle des braunen Fettgewebes in Abhängigkeit von der Temperatur

Wissenschaftler der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (UKE) haben sich eingehender mit dem braunen Fettgewebe beschäftigt und an Mäusen untersucht, welche Auswirkungen Kälte auf die Blutfettwerte hat. Mithilfe moderner Methoden der Bildgebung (Magnetresonanztomographie, ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung der Gewebestrukturen im Körperinneren) und mithilfe von Nanoteilchen (ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter) konnten sie den Weg der Nahrungsfette im Körper sichtbar machen.

So genannte Lipoproteine transportieren das mit der Nahrung ausgenommene Fett im Blut. Periphere Organe wie Muskeln und das Fettgewebe werden hierüber mit den Fettsäuren versorgt. Die verbleibenden cholesterinreichen Partikel werden in der Leber abgebaut. Erhöhte Fett-(Triglyzerid)-Spiegel im Plasma und eine verlängerte Zirkulation der cholesterinreichen Teilchen im Blut steigern das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (Herzkreislauf-Erkrankungen) besonders bei Personen mit Diabetes und Fettstoffwechselstörungen.

Um den Weg der Triglyzeride (Fette) darzustellen, wurden die Nahrungsfette mit eisenoxidhaltigen Nanopartikeln bestückt und radioaktiv markiert. Die Mäuse der Testgruppe wurden bei 4°C gehalten und die Tiere der Kontrollgruppe bei 22°C. Die Forscher fanden heraus, dass die Triglyzerid-Konzentrationen im Blut bei den Mäusen der Testgruppe merklich niedriger lagen im Vergleich zu den Tieren der Kontrollgruppe. Eine erhöhte Aufnahme der Triglyzeride in das braune Fettgewebe konnte bei den Tieren der Testgruppe ebenfalls festgestellt werden.

Sogar die Insulinresistenz übergewichtiger Mäuse, die dem Typ 2 Diabetes vorausgeht, ließ sich durch Kälteeinwirkung verbessern.

Fazit:
In der Studie konnte im Tierversuch gezeigt werden, dass braunes Fettgewebe durch Kälte aktiviert wird und somit in der Lage ist, erhöhten Triglyzerid-Spiegeln im Blut entgegen zu wirken. Ob und inwieweit sich diese Ergebnisse auch auf den Menschen übertragen lassen, muss durch weitere Studien geklärt werden. Dieses spezielle Fettgewebe könnte jedoch in ferner Zukunft Ziel neuer Behandlungsmethoden im Kampf gegen das Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte und der Insulinresistenz darstellen.


Gunilla Erdmann, Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Quelle:
Bartelt et al. Brown adipose tissue activity controls triglyceride clearance. Nat Med. 2011 Jan 23.

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