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Nahrungsergänzung mit Selen erhöht Diabetesrisiko

(23.07.2007) Ein Zusammenhang zwischen regelmäßiger Seleneinnahme und Diabetes mellitus wird unter Medizinern und Wissenschaftlern kontrovers diskutiert. Dem Selen wird eine antioxidative und zellschützende Wirkung zugeschrieben, auch eine vorbeugende Wirkung für bestimmte Krebsarten wird postuliert. Letztere ist allerdings noch nicht bewiesen. In Bezug auf den Diabetes kamen bisherige Studien zu widersprüchlichen Ergebnissen.


Auch Fisch ist ein Lieferant des Spurenelements Selen

Fisch ist ein natürlicher Lieferant des Spurenelements Selen
Foto: DAK/Wise

In Bezug auf den Diabetes kamen bisherige Studien zu widersprüchlichen Ergebnissen (wir berichteten). Auf der einen Seite wurde in Tierexperimenten von einem insulinähnlichen und antidiabetischen Effekt berichtet, während andere Studien den Verdacht auf eine Erhöhung des Diabetesrisikos nahe legten. In keinem Falle erlaubte es das Design dieser Studien, wissenschaftlich haltbare Aussagen darüber zu machen, ob Selen das Diabetesrisioko nun erhöht oder erniedrigt. Die nachträgliche Auswertung einer Studie zum Zusammenhang von Selen und Hautkrebsrisiko bringt nun mehr Gewissheit.

Es handelt sich um eine randomisierte prospektive Studie, also eine Studie, die hohen wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Forscher von der State University of New York in Buffalo (USA) und der Warwick Medical School in Coventry (GB) haben eine Studie zu Selen-Supplementation und Hautkrebsrisiko auf ein mögliches Diabetesrisiko hin nachträglich ausgewertet. In der ursprünglichen Studie zur Krebsprävention durch Ernährung wurden 1.312 Teilnehmer aus dem Osten der Vereinigten Staaten zwischen 1983 und 1991 eingeschlossen und durchschnittlich 7,7 Jahre lang beobachtet. Diese Ausgangsgruppe wurde nach dem Zufallsprinzip (randomisiert) in zwei Untergrupppen eingeteilt, von denen eine täglich 200 Mikrogramm Selen erhielt (Interventionsgruppe), während die andere ein Placebo erhielt (Kontrollgruppe). In dieser sogenannten Doppelblindstudie wussten weder die Teilnehmer noch die Forscher, die die Studie auswerteten, welche Gruppe die Selentabletten bekam. Der Selenspiegel im Blut war bei Studienbeginn in beiden Grupen etwa gleich. Er wurde in regelmäßigen Abständen wiederholt gemessen und war im Durchschnitt in der Gruppe, die Selen einnahm, immer höher. Von den Studienteilnehmern hatten 1.202 zu Studienbeginn nach Selbstauskunft keinen Diabetes. Nach Randomisierung unterschieden sich die beiden Untergruppen nicht signifikant in Eigenschaften wie Alter, Geschlecht, Gewicht (Body Mass Index) und Raucherstatus.

Am Ende der durchschnittlich 7,7 Jahre Beobachtungsdauer zeigte sich ein deutlicher Unterschied in der Diabeteshäufigkeit: Von den 600 Teilnehmern, die täglich 200 Mikrogramm Selen einnahmen, erkrankten 58 (9,7%) an einem Typ 2 Diabetes, während in der Kontrollgruppe nur 39 von 602 Patienten (6,5%) erkrankten. Das entspricht einem um den Faktor 1,55 erhöhten Risiko. Bei den Studienteilnehmern, die zu Beginn bereits relativ hohe Selenkonzentrationen im Blut hatten, war das Risiko an Diabetes zu erkranken sogar 2,7 mal höher. Warum regelmäßige und langfristige Selensupplementation zur Entwicklung eines Diabetes führen kann, ist derzeit noch ungeklärt.

Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass diese Studie auch einige Mängel aufwies: Sie war darauf ausgelegt, einen möglichen Zusammenhang zwischen Selen und Hautkrebsrisiko zu erforschen, ein präventiver Effekt für Hautkrebs wurde übrigens nicht gefunden. Die Diagnose Diabetes wurde nur durch Selbstauskunft der Teilnehmer gestellt und das Durchschnittsalter der Teilnehmer war mit 63,2 Jahren relativ hoch. Leider wurden weitere Risikofaktoren für Typ 2 Diabetes, wie Familienanamnese, Fettverteilungsmuster und körperliche Aktivität, außer Acht gelassen.

Fazit:
In der bisher größten randomisierten Studie konnte ein präventiver Effekt von Selen weder für Hautkrebs noch für Typ II Diabetes nachgewiesen werden. Hinsichtlich Diabetes hat sich sogar das Gegenteil herausgestellt: Regelmäßige Seleneinnahme kann das Risiko für einen Typ 2 Diabetes erhöhen und kann daher nicht empfohlen werden.


Dr. med. Heinz Nagel, freier Mitarbeiter von Diabetes-Deutschland.de Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung


Quelle: Stranges S, Marshall JR, Natarajan R et al. Effects of Long-Term Selenium Supplementation on the Incidence of Type 2 Diabetes. Annals of Internal Medicine 2007. 147:217-223.

Darstellung zum Ausdrucken
 


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