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Fortschritte bei der Xenotransplantation

(17.07.2002) Das 5. Minisymposium "Xenotransplantation" am Robert-Koch-Institut
Vier wichtige wissenschaftliche Befunde haben seit dem 4. Minisymposium im vergangenen Jahr den Weg zur klinischen Anwendung der Xenotransplantation - der Übertragung von Zellen, Geweben und Organen vom Tier auf den Menschen - weiter geebnet.


Schwein

Erstens wurden neue gentechnisch veränderte Schweine gezüchtet, deren Zellen und Organe weniger schnell vom Menschen als Transplantatempfänger abgestoßen werden.

Zweitens wurden erste Erfolge bei der Induktion der Toleranz erzielt. Toleranz bedeutet, dass der Empfängerorganismus die Spenderzellen oder Organe nicht abstößt und dass keine pharmakologische Immunsuppression eingesetzt werden muss, die in hohen Dosen mit beachtlichen Nebenwirkungen verbunden ist.

Drittens konnte bei Infektionsversuchen mit verschiedenen nicht-humanen Primaten keine Übertragung von porcinen endogenen Retroviren (PERV) festgestellt werden. Während die meisten Erreger durch Auswahl und geeignete Haltung der Schweine beseitigt werden können, ist das für die porcinen endogenen Retroviren des Schweins (PERVs) nicht möglich. Diese Viren sind im Erbgut aller Schweine verankert und können im Experiment menschliche Zellen infizieren. Viertens wurden spezifische und sensitive Methoden für PERV entwickelt, die einen Nachweis der Viren beim Transplantatempfänger nach experimenteller und klinischer Xenotransplantation ermöglichen.

Diese neuen Befunde werden auf dem 5. Minisymposium der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Xenotransplantation (DAX) am Robert Koch-Institut am 17. Mai 2002 vorgestellt und eingehend diskutiert.

Doch ungeachtet der Erfolge können der Nutzen für die Patienten und die möglichen Risiken dieser Behandlungsform noch nicht vollständig abgeschätzt werden. Dieses Fazit zogen die ca. 70 Transplantationsmediziner, Immunologen, Virologen, Ethiker, Juristen und Vertreter der zulassenden Behörden, die an der Veranstaltung teilnahmen. " Wir benötigen noch erhebliche Forschungsanstrengungen, um weitere Fortschritte bei der klinischen Anwendung der Xenotransplantation, der Verhinderung der Abstoßung des Transplantats, der Sicherstellung der effizienten Regulation der Funktion des Transplantats im fremden Organismus und der Verhinderung der Übertragung von Mikroorganismen auf den Patienten zu erreichen", sagte der Präsident des Robert Koch-Institutes, Professor Reinhard Kurth, zur Eröffnung der Tagung.

In die Xenotransplantation setzen viele Mediziner und Patienten große Hoffnungen. Denn die Methode könnte die Probleme, die durch den Mangel an humanen Spenderorganen entstehen, beseitigen helfen und auch bei Krankheiten wie Diabetes oder Alzheimer, bei denen wichtige körpereigene Zellen zugrunde gehen, erstmals Heilungschancen eröffnen.

Die Arbeitsgruppe von Dr. Joachim Denner vom Robert Koch-Institut konnte zeigen, dass Affen, denen große Mengen an porcinen endogenen Retroviren appliziert wurden und deren Immunsystem mit Immunsuppressiva, ähnlich wie bei einer Transplantation, unterdrückt wurde, nicht von PERV infiziert wurden. Auch bei Affen, die Organe vom Schwein erhalten hatten, und bei Patienten, die erste klinisch-experimentelle Xenotransplantationen erhielten, zum Beispiel eine Übertragung von Schweinehaut auf Patienten mit gravierenden Brandverletzungen oder von verkapselten Inselzellen vom Schwein auf Diabeteskranke, ließen sich die endogenen Retroviren vom Schwein nicht nachweisen.

Auf dem 5. Minisymposium wurden auch alternative Möglichkeiten der Behandlung von Patienten mit Organ- und Gewebeschäden besprochen, wie zum Beispiel die Züchtung von Organen oder Geweben aus menschlichen adulten Stammzellen. Obwohl dieser Ansatz sehr viel versprechend scheint, ist eine klinische Realisierung in naher Zukunft sicher schwierig. "Der xenogenen Transplantation fällt somit eine Übergangsrolle bei erhöhtem Transplantationsbedarf zu: die allogene Transplantation ist nur schwer zu erhöhen, die Lebendspende eher rückläufig und die Stammzellforschung noch im Reagenzglas" sagte der Leiter des Transplantationszentrums Ulm, Professor Dietmar Abendroth.

Neben den biologischen Aspekten der Xenotransplantation und der Stammzellforschung wurden auch deren juristische und ethische Aspekte besprochen. Die von Dr. Joachim Denner (Robert Koch-Institut) und Dr. Ralf Tönjes (Paul-Ehrlich-Institut) geleitete DAX hat auch die Aufgabe, Kriterien für die klinische Anwendung der Xenotransplantation zu erarbeiten. In einem Rund-Tisch-Gespräch werden hierzu die Erfahrungen internationaler Gremien, wie des Europarates und der OECD, mit denen des Wissenschaftlichen Beirats der deutschen Bundesärztekammer verglichen. Bei der Erarbeitung derartiger Richtlinien muss einerseits den Bedürfnissen der Patienten Rechnung getragen werden, die ohne eine Transplantation häufig frühzeitiger sterben würden, andererseits ist sicherzustellen, dass keine Krankheitserreger vom Tier auf den Menschen übertragen werden und sich möglicherweise in der Bevölkerung ausbreiten. Es ist deshalb sinnvoll, für die klinische Xenotransplantation Überwachungs- und Vorsichtsmaßnahmen im internationalen Rahmen zu erarbeiten. Um die Chancen und Risiken der Xenotransplantation besser zu verstehen, ist eine verstärkte naturwissenschaftliche Forschungstätigkeit und eine sachliche öffentliche Diskussion notwendig.

Weitere Informationen zum 5. Minisymposium finden Sie auf den Internetseiten des Robert Koch-Instituts unter 5.Minisymposium

Pressemitteilung des Robert Koch-Institutes vom 17.05.2002

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