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Was auf den Tisch kommt, wird gegessen

(20.04.2010) Nahrungsmangel, er ist bei uns kaum ein Thema. Ganz im Gegenteil. Ein großer Teil der Deutschen ist übergewichtig, häuft sich eher üppige Portionen als kleine Häppchen auf den Teller. Ein Trend, der schon vor 1000 Jahren einsetzte - behaupten zumindest zwei US-Wissenschaftler.




Leonardo da Vinci: Abendmahl (Ausschnitt), 1495-1497

Sie haben sich ein immer wieder bearbeitetes Motiv der bildenden Kunst, das Letzte Abendmahl, vorgenommen und den gedeckten Tisch von Jesus und seinen Jüngern analysiert. Heraus kam beim Vergleich der Gemälde aus unterschiedlichen Epochen: Die Menschheit wird immer maßloser, das einst karge Mahl wandelte sich zum überbordenden Festschmaus.

Über 50 Bilder mit dem Letzten Abendmahl aus den vergangenen zehn Jahrhunderten untersuchten die Forscher-Brüder Brian und Craig Wansink von den Universitäten in Ithaca und Norfolk. Sie maßen die Größe der Teller, der darauf servierten Portionen und der dazu gebrochenen Brotlaibe. Um die Daten maßstabsgerecht zu erfassen, setzten die Wissenschaftler sie ins Verhältnis zur jeweiligen Kopfgröße der abgebildeten Personen.

Das Ergebnis: Seit tausend Jahren wachsen die Portionen, die Meister wie Leonardo da Vinci in ihren Bildern verewigt haben. Die Größe der Teller nahm auf den Darstellungen um 66 Prozent zu, die der Portionen um 69 Prozent und die der Brotlaibe um 23 Prozent.

Das Letzte Abendmahl, es hat sich im Laufe der Jahrhunderte zum Maxi-Menü gewandelt. Die Forscher glauben, dass Maler seit dem Jahr 1000 nach Christus in ihren Bildern immer auch die Essgewohnheiten ihrer eigenen Zeit abgebildet haben. "Die vergangenen tausend Jahre haben deutliche Verbesserungen bei der Herstellung, Verfügbarkeit, Sicherheit, Fülle und Bezahlbarkeit von Nahrungsmitteln gebracht", schreiben Brian und Craig Wansink in der aktuellen Ausgabe des "International Journal of Obesity". "Und diese Veränderungen finden sich in den Gemälden des bekanntesten Abendessens der Geschichte wieder."

Nach dem Neuen Testament fand das letzte Abendmahl während des jüdischen Pessach-Festes statt, am Tag, bevor Jesus verraten und ans Kreuz geschlagen wurde. Dass Wein und Brot gereicht wurden, ist vermerkt, anderes Essen allerdings nicht. Auf fast der Hälfte der Gemälde (46 Prozent) ist demnach kein Hauptgang abgebildet. Gibt es ein solches Gericht, ist es meist Fisch (18 Prozent) oder Lamm (14 Prozent), in selteneren Fällen auch Schwein (sieben Prozent).


Sandra Busch, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Brian Wansink and Craig Wansink, The largest Last Supper: depictions of food portions and plate size increased over the millennium, International Journal of Obesity (2010) doi: 10.1038/ijo.2010.37

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