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"Verzuckerter" Blutfarbstoff zeigt Herzinfarktrisiko an

(13.04.2010) Die Bestimmung des Nüchternblutzuckers ist eine Momentaufnahme der Zuckermenge im Blut. Patienten mit Diabetes brauchen zusätzlich ein umfassenderes Bild: den HbA1c-Wert. Hier kann über die Zuckermenge, die an den Blutfarbstoff (Hämoglobin = Hb) gebunden ist, bestimmt werden, wie hoch der Blutzucker in den letzten Wochen war.





Foto: MS Office

Je höher der Blutzucker ist, desto mehr Zuckerteilchen lagern sich an das Hämoglobin, der HbA1c-Wert steigt an. Gemessen wird, ob eine bestimmte Untergruppe des Hämoglobins (HbA1c) Zucker gebunden hat. Diese Verbindung bleibt solange bestehen, bis die roten Blutkörperchen nach etwa 3 Monaten abgebaut sind und durch neue ersetzt werden. Dadurch liefert die Bestimmung des HbA1c-Wertes nicht eine Momentaufnahme, sondern lässt auf den mittleren Blutzucker der letzten 6 bis 8 Wochen schließen.

Jetzt konnten amerikanische Forscher zeigen, dass nicht nur Patienten mit Diabetes von der Bestimmung des HbA1c-Werts profitieren könnten. Zu hohe Werte bei Gesunden weisen auf ein hohes Risiko hin, eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, wie zum Beispiel einen Herzinfarkt, zu bekommen.

Die US-amerikanischen Forscher um Elizabeth Selvin werteten medizinische Daten von insgesamt 11092 Patienten aus, die zwischen 1990 und 1992 im Rahmen der ARIC-Studie (Atheriosclerosis Risk in Communities = Arterioskleroserisiko in Gemeinden) gesammelt wurden. Bei keinem der Patienten waren vor Studienbeginn Diabetes oder koronare Herzkrankheiten festgestellt worden. Außerdem wurden die vorhandenen Blutproben der Studienteilnehmer untersucht. Im Rahmen der ARIC-Studie wurden die Teilnehmer bis zu 15 Jahre nach der ersten Untersuchung wiederholt untersucht oder telefonisch befragt.

Je höher der Wert, desto höher das Risiko

Ergebnis dieser Studie: HbA1c-Werte über 5,5 Prozent weisen auf ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße oder Schlaganfall hin. Das Risiko war umso größer, je höher der HbA1c-Wert war. So war das Risiko bei einem HbA1c von 6,5 Prozent fast doppelt so hoch wie bei einem Wert von 5,5 Prozent. Dies galt für das Schlaganfallrisiko und das Erkrankungsrisiko der Herzkranzgefäße gleichermaßen. Im Gegensatz dazu hat der Nüchternblutzucker keine Aussagekraft in Bezug auf das Herzinfarkt- bzw. Schlaganfallrisiko.

Der grenzwertige HbA1c-Wert, der auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko hinweist, befindet sich dabei durchaus in dem für Menschen ohne Diabetes normalen Rahmen. Für die Forscher steht somit fest: Insbesondere HbA1c-Werte über 6 Prozent sind ein nützlicher Hinweis auf ein erhöhtes Risiko einer Erkrankung der Herzkranzgefäße. Dennoch bleibt bei den Studienergebnissen zu bedenken, dass es sich hier um eine Beobachtungsstudie, in der die Studienteilnehmer Selbstauskunft über eine Diabetes-Erkrankung sowie Herzprobleme gegeben haben, handelt und so nicht unbedingt ein Kausalzusammenhang definitiv bestimmt werden kann.


Dr. Judith Amann, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Elizsabeth Selvin et al. Glycated Hemoglobin, Diabetes, and Cardiovascular Risk in Nondiabetic Adults. N Engl J Med. 362:800-11, 2010

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