Newsletter  |  Mittwoch, 24. Januar 2018, 06:47 Uhr
Startseite

Diabetes-News

Über Diabetes
Fachthemen
Ernährung
Patientenfragen

Praktische Hilfe
Diabetes und Vorsorge
Klinische Studien
Diabetes-Kalender

Selbsthilfe-Suche
Arzt-/Klinik-Suche

 
 
 
gefördert durch:
 
Belastende, stressvolle Lebensereignisse erhöhen das Risiko für das metabolische Syndrom

(08.03.2010) Das metabolische Syndrom bezeichnet nach allgemeiner Übereinkunft eine Kombination aus Fettleibigkeit (Adipositas), arteriellem Bluthochdruck (Hypertonie), beeinträchtigter Glukosetoleranz sowie pathologisch veränderten Blutfettwerten. Die Ursachen für das metabolische Syndrom sind multifaktoriell, bei denen genetische Faktoren und Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Unter den möglichen Umweltfaktoren nimmt psychosozialer Stress durch belastende Umweltereignisse einen wichtigen Platz ein.





Foto: DAK/Schläger

Ein Forscherteam um Antti-Jussi Pyykönen von der Universität in Helsinki fand nun kürzlich heraus, dass Personen mit extrem belastenden Ereignissen im Laufe ihres Lebens im Vergleich zu "ungestressten" Menschen ein erhöhtes Risiko, am metabolischen Syndrom zu leiden, besitzen. Über Einzelheiten zu dieser Studie berichten die finnischen Wissenschaftler in der Februarausgabe der Fachzeitschrift "Diabetes Care".

Die Frage, die sich die Autoren stellten, lautete: welcher Zusammenhang besteht zwischen stressvollen Ereignissen im Leben, deren Anhäufung und dem metabolischen Syndrom. Auf der Grundlage einer groß angelegten Studie, der "the Prevalence, Prediction and Prevention of Diabetes (PPP)-Botnia Study" im Westen Finnlands wurde versucht, eine Antwort zu finden. Die PPP-Botnia Studie wurde ins Leben gerufen, um genaue Schätzungen zur Krankheitshäufigkeit und zu Risikofaktoren für einen Diabetes, wie zum Beispiel eine gestörte Glukosetoleranz und das metabolische Syndrom, von Personen zwischen 18 und 78 Jahren zu erhalten. Das längerfristige Ziel besteht darin, die gewonnenen Erkenntnisse zur Vorhersage sowie zur Verhinderung der Diabeteskrankheit zu verwenden. Die vorliegende Studie wertet nun Daten eines Teils der großen PPP-Botnia Studie aus. Insgesamt wurden 3407 Personen, davon 1618 Männer und 1789 Frauen zur Auswertung in die Untersuchung eingeschlossen.

Die Studienteilnehmer wurden gebeten, Fragebögen auszufüllen, auf denen 15 Ereignisse mit besonderer Stressbelastung aufgelistet waren, wie zum Beispiel

1. finanzieller Stress durch Arbeitslosigkeit, Konkurs,
2. Stress am Arbeitsplatz durch Überlastung, Ärger,
3. Stress sozialer Natur durch Scheidung, Todesfall,
4. Stress durch gesundheitliche Probleme der eigenen Person oder naher verwandter Personen,
5. häuslicher Stress durch Verlust des Eigenheimes oder Umzug.

Die befragten Personen sollten das Auftreten und auch die Stärke der Belastung dieser Ereignisse während der letzten 12 Monate bewerten und Angaben dazu machen.

Das Auftreten des metabolischen Syndroms wurde aufgrund international vereinbarter Diabeteskriterien bestimmt. Dabei mussten mindestens drei der folgenden fünf Kriterien erfüllt sein:

1. erhöhter Taillenumfang;
2. erhöhte Fettkonzentrationen im Blut
3. erniedrigte HDL-Cholesterinwerte,
4. gestörte Glukosetoleranz oder Diabetes,
5. erhöhter Blutdruck.

Nach Auswertung der Studie konnten die Wissenschaftler folgendes Ergebnis festhalten: Personen, die über stark belastende Ereignisse bei der Arbeit oder in finanzieller Hinsicht berichteten, wiesen im Vergleich zu den Personen ohne entsprechende, stressvolle Ereignisse im vergangen Lebensjahr ein erhöhtes Risiko für das metabolische Syndrom auf. Kam es zu einer Anhäufung finanziell-bedingter Stresssituationen und zusätzlich zu mindestens drei weiteren belastenden Ereignissen in den anderen erfragten Bereichen (Arbeit, Gesundheit, soziale Beziehungen, Haussituation), so erhöhte sich das Risiko signifikant. Ferner fanden Pyykönen und Mitarbeiter in ihrer Untersuchung heraus, dass eine Anhäufung belastender Ereignisse in Zusammenhang mit dem Auftreten einer Insulinresistenz, erhöhten Taillenumfängen und BMI Werten, sowie erhöhten Fettkonzentrationen im Blut standen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Auftreten stark stress-bedingter Ereignisse im Leben und dem metabolischen Syndrom. Die Ergebnisse aus Finnland bestätigen frühere Untersuchungen, erweitern diese aber im Besonderen aufgrund ihres Fokus auf starke Belastungen in Bezug auf die Finanzsituation sowie stressvolle Ereignisse am Arbeitsplatz. Klärungsbedarf besteht allerdings weiterhin bei der Frage der genauen Ursachen für diesen Zusammenhang. Möglicherweise müssen auch psychosoziale Risikofaktoren wie Depressionen und zu wenig Schlaf aufgrund der belastenden Stresssituationen im Alltag mit berücksichtigt werden.


Dr. Patricia Schott-Ohly, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
Quelle: Pyykkönen AJ et al. Stressful life events and the metabolic syndrome. Diabetes Care 33: 378-384, 2010

Darstellung zum Ausdrucken