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Welchen Einfluss hat Schlaf auf die Gesundheit?

(03.03.2010) Schlaf ist unentbehrlich. Für Körper, Geist und Seele. Doch das Leben in der modernen Welt fordert seinen Tribut: In der Nonstop-Gesellschaft machen Menschen die Nacht zum Tag, arbeiten zu früh oder zu spät, gönnen sich keine Pausen und schlafen insgesamt immer weniger. Doch auf Dauer lässt sich der Kampf gegen den Schlaf nicht gewinnen. Die körperlichen Folgen sind katastrophal: Immunsystem und Stoffwechsel leiden, der Schlafmangel beeinträchtigt zudem die Glukosetoleranz und senkt die Insulinempfindlichkeit.





Foto: DAK/Schläger

Den Zusammenhang von Schlafstörungen und der Entstehung von Diabetes Typ 2 hat eine Forschergruppe um Francesco Cappuccio von der Universität Warwick in Groß-Britannien unter die Lupe genommen. Sie haben wissenschaftliche Studien zum Thema gesammelt und ausgewertet. Das Ergebnis: Sowohl Quantität als auch Qualität des Schlafs haben Einfluss auf die Ausbildung eines Typ 2 Diabetes.

Zehn Studien analysierten die Forscher, in denen insgesamt mehr als 100 000 Personen untersucht worden waren. Bei über 3,5 Prozent der Studienteilnehmer wurde ein Diabetes Typ 2 festgestellt. Alle Untersuchungen liefen mindestens über drei, die längste ging über 32 Jahre. Fazit: Wer regelmäßig nicht gut schläft, für den steigt nach Ansicht der britischen Wissenschaftler das Diabetes-Risiko. Und zwar immer. Ganz egal, um welche Art von Schlafstörung es sich handelt. Ob der Mensch gewöhnlich zu wenig - das heißt, unter sieben Stunden pro Nacht - schläft, oder ob er als Langschläfer über acht bis neun Stunden ruht. Ob er Probleme beim Einschlafen oder Schwierigkeiten beim Durchschlafen hat: Die Forschergruppe assoziierte alles mit einem erhöhten Diabetes-Risiko.

Doch unter den Schlafgestörten variierte die Größe des Risikos. So liegt das Risiko, einen Diabetes zu entwickeln für Kurzschläfer, die für gewöhnlich unter fünf bis sechs Stunden in der Nacht schlafen, bei 28 Prozent. Für Menschen mit Durchschlafproblemen beträgt es dagegen 84 Prozent. Die Ergebnisse gelten weitestgehend für Männer und Frauen gleichermaßen.

Eine mögliche Ursache für den Zusammenhang von Schlafmangel und dem Auftreten von Diabetes sehen die Forscher unter anderem in dem veränderten Hormonspiegel von Leptin und Ghrelin bei Schlafstörungen. Das führe auch zu gesteigertem Appetit, fördere die Entwicklung von Übergewicht und beeinträchtige die Blutzuckerkontrolle, erklären die Wissenschaftler.

Weniger klar ist den Forschern allerdings, warum auch Langschläfer ein erhöhtes Risiko für Typ 2 Diabetes haben. Als Erklärung könnten eher soziopsychologische als organische Gründe eine Rolle spielen, spekuliert die Forschergruppe. Denn lange Schlafen gehe häufig einher mit Arbeitslosigkeit, niedrigem sozioökonomischen Status, wenig körperlicher Aktivität, schlechtem allgemeinen Gesundheitszustand sowie depressiven Symptomen. Daraus, so die Wissenschaftler, könnte sich ein Zusammenhang zwischen langem Schlaf und der Entwicklung von Diabetes ergeben.


Sandra Busch, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Francesco P. Cappuccio et al, Quantity and Quality of Sleep and Incidence of Type 2 Diabetes - A Systematic review and Meta-Analysis, Diabetes Care, Volume 33, Number 2, February 2010

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