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Zeichen der Insulinresistenz bei zu niedrigem Vitamin D erhöht

(25.02.2010) In den Sommermonaten ist es leicht, etwas Gutes für seinen Vitamin-D-Haushalt zu tun. Schon dreimal wöchentlich eine Viertelstunde im Freien reichen, damit der Körper ausreichend Vitamin D bildet. Vitamin-D-Mangel ist, gerade im Winter und bei älteren Menschen, relativ häufig.





Foto: DAK/Wise

Noch vor nicht allzu langer Zeit brachte die Wissenschaft Vitamin D hauptsächlich in Zusammenhang mit dem Kalzium- und Knochenstoffwechsel und Krankheiten wie Rachitis und Osteoporose. In den vergangenen Jahren häuften sich jedoch Forschungserkenntnisse, die belegen, dass Vitamin D bei weiteren Vorgängen im Körper mitwirkt und ein Vitamin-D-Mangel unterschiedliche Krankheiten begünstigt. Auch Typ 1 und Typ 2 Diabetes werden von Vitamin-D-Mangel auf unterschiedliche Weise beeinflusst. US-amerikanische Wissenschaftler berichten im Fachblatt Diabetes Care, dass bei niedrigen Vitamin-D-Werten die Insulinempfindlichkeit herabgesetzt und somit die Insulinresistenz erhöht ist. Eine Insulinresistenz ist maßgeblich an der Entstehung eines Typ 2 Diabetes beteiligt.

Guixiang Zhao und Kollegen vom Center for Disease Control and Prevention in Atlanta nutzten für ihre Arbeit Daten der NHANES-Studie (National Health and Nutrition Examination Survey). Diese große Querschnittsuntersuchung der amerikanischen Bevölkerung befragt und untersucht ihre Teilnehmer kontinuierlich in puncto Gesundheit und Ernährungsverhalten und wird alle drei Jahre ausgewertet. Die Wissenschaftler untersuchten nun, wieweit sich Vitamin D und das Parathormon (ein auch am Kalziumhaushalt und Knochenstoffwechsel entscheidend beteiligtes Hormon) auf die Insulinresistenz auswirken. Im Blutserum wurden hierzu zwei Werte gemessen, die aktive Form des Vitamin D (Cholecalciferol) und Parathormon. Analysiert wurden Untersuchungsergebnisse aus den Jahren 2003 bis 2006 von insgesamt 3.206 Studienteilnehmern ohne zuvor diagnostizierten Diabetes (1.582 Männer und 1.624 Frauen).

Die Messwerte für Vitamin D und Parathormon wurden je nach Höhe in fünf verschiedene Gruppen (Quintile) eingeteilt. Hierbei zeigte sich, dass die Anzeichen einer erhöhten Insulinresistenz umso häufiger waren, je niedriger die Vitamin D Werte lagen. Das galt für alle gemessenen Parameter, die eine erhöhte Insulinresistenz anzeigen: erhöhter Insulinspiegel (Hyperinsulinämie), hohe Werte im so genannten HOMA-Index, hohe Langzeitblutzuckerwerte (HbA1c über 6 %), erhöhter Nüchtern-Blutzucker (Nüchtern-Hyperglykämie) und erhöhter 2-Stundenwert im oralen Glukosetoleranztest (OGTT). Auch als die Einflussfaktoren Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Bildung, Rauchen, körperliche Aktivität, Alkoholkonsum, Body-Mass-Index, Bauchfett und Kalziumwerte ausgeschlossen wurden, blieb der Zusammenhang bestehen. Für Parathormon waren schlussendlich nur Nüchtern-Insulinwerte häufiger erhöht, je höher die gemessenen Parathormonwerte waren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei erwachsenen Menschen ohne zuvor bekannten Diabetes, niedrige Vitamin-D-Werte eindeutig mit erhöhten Markern der Insulinresistenz assoziiert waren. Da dieses die Auswertung einer Querschnittstudie war, sind jedoch keine Aussagen über einen kausalen Zusammenhang möglich.

Vitamin D wird aber nicht nur im Zusammenhang mit Typ 2 Diabetes erforscht. Die möglichen Auswirkungen eines Vitamin-D-Mangels wurden in den vergangenen Jahren auch im Zusammenhang mit Typ 1 Diabetes intensiv untersucht. Aufsehen erregte 2002 eine große finnische Studie mit über 10.000 Kindern. Im Rahmen dieser Studie wurden die Kinder über 30 Jahre beobachtet. Es zeigte sich, dass die im ersten Lebensjahr mit Vitamin D behandelte Kinder ein um 78 Prozent niedrigeres Risiko für einen Typ 1 Diabetes hatten, als Kinder ohne zusätzliche Vitamin-D-Gabe. Finnland hat die weltweit höchste Rate an Typ 1 Diabetes Neuerkrankungen. Es wird angenommen, dass, neben genetischen Faktoren, ein Zusammenhang mit der regionalen Lage und der verminderten Dauer der Sonneneinstrahlung besteht. Eine Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von bereits vorliegenden Studien kam 2008 zu dem Schluss, dass Vitamin D möglicherweise zum Schutz vor Typ 1 Diabetes beitragen könne.

Kirsten Lindloff, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle:
Zhao G et al. Associations of Serum Concentrations of 25-Hydroxyvitamin D and Parathyroid Hormone With Surrogate Markers of Insulin Resistance Among U.S. Adults Without Physician-Diagnosed Diabetes: NHANES, 2003-2006. Diabetes Care 2010; 33: 344-347
Hyppönen E et al. Intake of Vitamin D and risk of type 1 diabetes: a birth-cohort study. Lancet 358 (2001) 1500-1503
Zipitis CS, Akobeng AK. Vitamin D Supplementation in Early Childhood and Risk of Type 1 Diabetes: a Systematic Review and Meta-analysis. Arch Dis Child 2008;93 (6): 517-517

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