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Welchen Nutzen haben Geräte zur subkutanen kontinuierlichen Glukosemessung?

(01.02.2010) In den Siebziger Jahren starteten Wissenschaftler mit den ersten Versuchen, Geräte zu entwickeln, welche die Funktion der Blutzuckermessung in Form einer künstlichen Bauchspeicheldrüse (Pankreas) übernehmen sollen. Mit der Einführung der so genannten Mikrodialyse-Technik in den frühen Neunziger Jahren hat man geglaubt, eine glänzende Zukunft mit der Entwicklung von Geräten zur subkutanen Blutzuckermessung zu haben. An die Entwicklung dieser Geräte wurden sehr hohe Erwartungen geknüpft. So sollen sie Alarm schlagen, sobald der Patient hypo- oder hyperglykämisch zu entgleisen droht, was besonders bei nächtlichen Unterzuckerungen wünschenswert und wichtig ist.


CGM

Kontinuierliches Glukose-Monitoring
Foto: Dallimore

Einige Jahre später kamen die ersten Geräte für das subkutane kontinuierliche Glukose-Monitoring (CGM = Continuous subcutaneous glucose monitoring) auf den Markt. Aktuell sind es drei Geräte, wobei eines davon nur in den USA erhältlich ist.

Den Patienten ermöglicht es eine engmaschige Kontrolle der Glukosewerte und erspart ihnen einen Teil der schmerzhaften Stiche in die Fingerbeere. Hierbei wird eine Nadel zur Glukosebestimmung in das Unterhautfettgewebe (subkutane Fettgewebe) eingeführt, wo sie 3 bzw. 7 Tage verbleiben kann. Die über einen Sensor gekoppelte Nadel übermittelt die gemessenen Werte alle 5 Minuten an einen kleinen Monitor. Hierbei ist allerdings anzumerken, dass nicht Glukosewerte des Blutes, sondern der Gewebeflüssigkeit gemessen wird. Insofern kann es zu einer zeitlichen Verzögerung kommen, da die Glukosewerte der Gewebsflüssigkeit den aktuellen Blutglukosewerten zeitlich hinterher hinken. Diese Art der Messung bietet also keinen vollständigen Ersatz für die herkömmliche manuelle Bestimmung des Blutzuckers, insbesondere dann nicht, wenn der Verdacht auf eine Hypoglykämie besteht.

Welche Vorteile bieten diese Systeme? Diese Frage ist natürlich auch für die Krankenversicherungen, welche die Kosten für diese Geräte übernehmen sollen, von Interesse. Um diese Frage vorläufig zu beantworten, wurden von den Autoren einige wichtige Studien untersucht.

Nach Auswertung der aktuellen Literatur kamen sie zu dem Ergebnis, dass bei unzureichend eingestellten Typ 1 Diabetikern und bei HbA1c-Werten über 8% die kontinuierliche subkutane Glukosemessung gute Dienste leistet, wobei eine gute Compliance sowie die Akzeptanz der Geräte die Voraussetzung hierfür war. Zur Prävention von schweren Unterzuckerungen haben diese Geräte jedoch die hohen Erwartungen (noch) nicht erfüllt. Der Grund hierfür liegt vornehmlich in der oben angesprochenen Problematik der zeitlichen Verzögerung, die sich bei der Messung des Glucosegehaltes der Gewebsflüssigkeit ergibt. Bei anderen Diabetes-Formen bieten diese Geräte nur eingeschränkt Vorteile. Bei Vorliegen eines Typ 2 Diabetes ergaben sich keine Verbesserungen der HbA1c-Werte. Bei schwangeren Frauen mit einem Diabetes konnte gegen Ende der Schwangerschaft eine verbesserte Kontrolle des Blutzuckers erreicht werden, was sich auch in einer verringerten Anzahl der Makrosomie-Fälle widerspiegelte.

In naher Zukunft wird jedoch nach entsprechender Prüfung der Rentabilität eine zunehmende Rückerstattung durch die Krankenkassen erwartet.


Gunilla Erdmann, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Hermanides J, Devries JH. Sense and nonsense in sensors. Diabetologia 2010; DOI 10.1007/s00125-009-1649-4

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