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Spätfolgen bei Typ 1 Diabetes durch moderne Therapie deutlich reduziert

(11.01.2010) Der klinische Verlauf von Typ 1 Diabetes, seine Behandlung, die Stoffwechseleinstellung und ihre Langzeitfolgen haben sich in den vergangenen 20 Jahren grundlegend verändert. Dadurch treten die typischen Spätfolgen nach jahrelangem Typ 1 Diabetes weniger häufig und zu einem späteren Zeitpunkt auf. Das gilt besonders, wenn die Patienten intensiviert mit Insulin behandelt wurden. Dieses berichten US-amerikanische Wissenschaftler der Forschungsgruppe des Diabetes Control and Complications Trial (DCCT) und der EDIC-Studie (Epidemiology of Diabetes Interventions and Complications) in der Fachzeitschrift Archives of Internal Medicine.




Die innovative Behandlung, zu der auch Insulinpumpen und Insulinanaloga, sowie eine verbesserte Behandlung der Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck und erhöhtes Cholesterin gehören, hat zu der verbesserten Diabetes-Prognose beigetragen. Zudem zeigten diese Studien den Nutzen einer intensiveren Kontrolle der Blutzuckereinstellung. In der DCCT-Studie hatten die Wissenschaftler die intensivierte Insulintherapie mit der konventionellen Insulinbehandlung verglichen.

Die Wissenschaftler haben ausgewertet, wie häufig Spätfolgen bei den Teilnehmern auftraten. Verglichen wurden die Ergebnisse mit der Häufigkeit von Spätfolgen in der Pittsburgh Epidemiology of Diabetes Complications Study (EDC). Diese Beobachtungsstudie sammelte Daten von Patienten, deren Typ 1 Diabetes zwischen 1950 und 1980 diagnostiziert wurde.

Dabei kam heraus, dass nach 30 Jahren bestehendem Typ 1 Diabetes von den konventionell Behandelten der DCCT 50 % eine diabetesbedingte Netzhauterkrankung (Retinopathie) hatten, 25 % einen diabetesbedingten Nierenschaden (diabetische Nephropathie) und 14 % Herz- und Gefäßkomplikationen. In der EDC war es mit 47 %, 17 % und 14 % ähnlich. Bei den intensiviert Behandelten zeigten sich eindeutig die Vorteile. Hier gab es deutlich weniger Spätfolgen: 21 % hatten eine Retinopathie, 9 % eine Nephropathie und 9 % Herz-und Gefäßschäden. Weniger als 1 % der Teilnehmer war diabetesbedingt erblindet, brauchte eine neue Niere oder hatte eine Amputation.

Unterschiedliche diagnostische Methoden und Definitionen der Komplikationen erschweren zwar einen historischen Vergleich mit früheren Zahlen. Dennoch ist bei den DCCT und EDIC-Teilnehmern nach 25 Jahren bestehendem Typ 1 Diabetes insgesamt die Retinopathie (30 %) und die Nephropathie (12 %) deutlich niedriger, verglichen mit Patienten, die ihren Diabetes 10 bis 20 Jahre eher entwickelten (40 – 53 % Retinopathie und etwa 35 % Nephropathie). Auch die Zahl der Erblindung und einer erforderlichen Nierentransplantation sei schwierig vergleichbar, erläutern die Experten weiter, aber insgesamt seien nur 3 von 1.441 Studienteilnehmern erblindet und 18 brauchten eine neue Niere, nach im Durchschnitt 25 Jahren.

Schlussfolgerung:
Die Autoren schildern es so, dass die Ergebnisse für die konventionelle Therapie den Ärzten heute eine realistische Beschreibung der möglichen Spätkomplikationen bei Patienten erlaubt, die ihren Typ 1 Diabetes seit 25 Jahren und länger haben. Demgegenüber eröffnen die Resultate der intensiviert behandelten Patientengruppe einen Ausblick darauf, was heute Patienten mit Typ 1 Diabetes von der Zukunft erwarten können. Intensivierte Insulinbehandlung, die mittlerweile Standard ist, sollte die Rate der Spätfolgen um mehr als 50 % senken, wobei eine möglichst frühzeitige Behandlung den größten gesundheitlichen Effekt bietet.


Kirsten Lindloff, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Diabetes Control and Complications Trial/Epidemiology of Diabetes Interventions and Complications (DCCT/EDIC) Research Group. Arch Intern Med. 2009;169(14):1307-1316
http://www.eurekalert.org/pub_releases/2009-07/jaaj-sem072309.php

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