Newsletter  |  Mittwoch, 24. Januar 2018, 04:47 Uhr
Startseite

Diabetes-News

Über Diabetes
Fachthemen
Ernährung
Patientenfragen

Praktische Hilfe
Diabetes und Vorsorge
Klinische Studien
Diabetes-Kalender

Selbsthilfe-Suche
Arzt-/Klinik-Suche

 
 
 
gefördert durch:
 
Schwankungen des HbA1c-Wertes lassen Komplikationen bei Typ 1 Diabetes Patienten vorhersehen

(21.12.2009) Die Lebensdauer eines roten Blutkörperchens und des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin (Kurzform „Hb“) beträgt in der Regel 4 Monate. Der so genannte HbA1c-Wert spiegelt daher die durchschnittliche Blutzuckerkonzentration dieses Zeitraumes wider. Deshalb spricht man auch vom "Gedächtnis der Blutzuckereinstellung". Johan Waden und sein Team vom „Folkhälsan Research Center“ in Helsinki analysierten den Zusammenhang zwischen den Schwankungen in der HbA1c-Konzentration und den auftretenden Komplikationen beim Typ 1 Diabetes (zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenschädigungen).





Foto: MS Office

Ihre Daten erhielt das Team aus der FinnDiane Studie, eine finnische Langzeitstudie zum Diabetes und zur Nephropathie. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass bei Typ 1 Diabetikern ein Zusammenhang zwischen erhöhten Schwankungen des HbA1c-Wertes und einem erhöhten Risiko für die Entwicklung und das Fortschreiten einer Nierenschädigung und Herz-Kreislauferkrankungen besteht. Einzelheiten zu diesem Ergebnis sind in der Novemberausgabe der Zeitschrift Diabetes nachzulesen.

Der rote Blutfarbstoff Hämoglobin (Hb) ist in den roten Blutkörperchen in verschiedenen Formen enthalten. Lagert sich an HbA0 ein Zuckerteilchen an, so entsteht HbA1c. Man kann von einer "Verzuckerung" des Hämoglobins sprechen. Je höher der Blutzucker ist, desto mehr Zuckerteilchen lagern sich an Hämoglobin, also steigt der HbA1c-Wert an. Eines der häufigsten Spätfolgen eines zu hohen Zuckergehaltes und eines Diabetes ist  die Mikroalbuminurie, die Ausscheidung von geringen Mengen Albumin (20 bis 200 mg pro Tag) mit dem Urin. Bei Menschen mit Diabetes oder Bluthochdruck wird eine Mikroalbuminurie bei etwa 10 bis 40% der Betroffenen gefunden. Eine Mikroalbuminurie bei diabetischen Patienten ist nicht nur als Vorbote einer verstärkten diabetischen Nephropathie anzusehen, sondern auch als ein wichtiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen).

Waden und seine Kollegen analysierten Daten von 2107 Personen mit Typ 1 Diabetes, bei denen im Schnitt 13 HbA1c-Messungen über durchschnittlich 5,7 Jahre durchgeführt wurden. Zusätzlich zum Nierenstatus erhielten die Wissenschaftler auch Daten zu Herz-Kreislauf Erkrankungen von 1845 Patienten.
Ergebnisse:

  1. Während der Beobachtungszeit entwickelten 10,2 Prozent der Patienten erhöhte Albuminwerte oder eine dauerhafte Nierenschädigung.
  2. Bei 8,6 Prozent der Patienten trat ein kardiovaskuläres Ereignis, wie zum Beispiel ein Herzinfarkt oder Schlaganfall auf.
  3. Die Abweichungen der HbA1c-Werte über den Beobachtungszeitraum lagen bei 1,01 bei Diabetikern mit Nierenschädigung im Vergleich zu 0,75 bei den Diabetikern ohne Nierenproblemen.
  4. Die Abweichungen der HbA1c-Werte über den Beobachtungszeitraum  lagen bei Diabetikern mit einem Herz-Kreislaufproblem bei 0,87 im Vergleich zu 0,79 bei Diabetikern ohne ein kardiovaskuläres Ereignis. 
  5. Es besteht ein Zusammenhang zwischen erhöhten Schwankungen im HbA1c-Wert und einer niedrigeren Insulinempfindlichkeit, einer vorhandenen Fettstoffwechselstörung, eines niedrigeren sozialökonomischen Status, einer niedrigeren körperlichen Aktivität und einer erhöhten Rauchbereitschaft.

Fazit:
Bei Patienten mit Typ 1 Diabetes lassen die Schwankungen im HbA1c-Wert sowohl Schädigungen der Nieren, als auch kardiovaskuläre Ereignisse vorhersagen. Erkenntnisse zum Mechanismus, der hinter dem Zusammenhang von HbA1c-Schwankungen und dem Risiko für Komplikationen bei Typ 1 Diabetes steckt, kann aus der dargestellten Studie nicht gewonnen. 


Dr. Patricia Schott-Ohly, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quellen: Waden J et al. A1C variability predicts incident cardiovascular events, microalbuminuria, and overt diabetic nephropathy in patients with type 1 diabetes. Diabetes 58: 2649-2655, 2009

Darstellung zum Ausdrucken