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Antipsychotika haben Einfluss auf das Hyperglykämie-Risiko bei älteren Diabetikern

(19.11.2009) Der Gebrauch antipsychotisch wirksamer Medikamente (Neuroleptika) ist bei älteren Menschen im letzten Jahrzehnt stark angestiegen. Diese Medikamente werden zum Beispiel zur Behandlung von Demenzerkrankungen oder auch bei Wahnvorstellungen bei Schizophrenie eingesetzt. Schon in früheren Studien wurde auf einen Zusammenhang mit der Einnahme antipsychotisch wirksamer Substanzen und der Entstehung eines Diabetes mellitus hingewiesen.





Foto: LGL Bayern

Bisher war jedoch wenig über das Hyperglykämie-Risiko bei Menschen mit bereits bestehendem Diabetes bekannt. In der vorliegenden Fall-Kontroll-Studie wurden die Daten von Diabetikern, die das 65. Lebensjahr vollendet hatten und bei denen zwischen dem 1. April 2002 und dem 31. Mai 2007 mit der Antipsychotika-Behandlung begonnen wurde, ausgewertet.

Die insgesamt 13.817 Patienten wurden in drei Gruppen unterteilt. Gruppe 1 umfasste die Patienten, die mit Insulin behandelt wurden, in der Gruppe 2 waren Patienten, welche orale Antidiabetika erhielten und in der Gruppe 3 befanden sich die Diabetiker, die den Diabetes ohne Medikamente und ausschließlich über ihre Ernährung behandelten. Es wurde die Wahrscheinlichkeit einer Hyperglykämie (Überzuckerung) bei Patienten, die aktuell mit Antipsychotika behandelt wurden mit Personen, die die Einnahme dieser Medikamente vor 180 Tagen beendet hatten, verglichen.

Von den 13.817 Patienten wurden 1.514 Personen (11%) auf Grund einer Hyperglykämie stationär aufgenommen. Es zeigte sich, dass eine Behandlung mit Antipsychotika mit einem signifikant höheren Risiko einherging, im Vergleich zu denen, welche die Einnahme bereits beendet hatten, und zwar in allen drei Gruppen (overall adjusted rate ratio 1.50; 95 % Konfidenz Intervall, 1.29-1.74; p<0,01). Das Risiko war besonders bei den Patienten erhöht, welche gerade erst mit der Einnahme begonnen hatten.

Schlussfolgerung:
Die Autoren betonen, dass weitere Studien benötigt werden, um einen kausalen Zusammenhang mit der Einnahme dieser Medikamente herzustellen und empfehlen, in der Zwischenzeit den Fokus auch auf andere therapeutische Optionen bei Demenzerkrankungen zu legen. Des weiteren sollten die Patienten und deren Familien mit den Symptomen einer Entgleisung des Zuckerstoffwechsels vertraut sein, besonders wenn mit der Einnahme der Antipsychotika gerade erst begonnen wird. Eine engmaschige Blutzuckerkontrolle wird allen Patienten empfohlen.

Gunilla Erdmann, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle:
Lipscombe et al. Antipsychotic Drugs and Hyperglycemia in Older Patients With Diabetes. Arch Intern Med. 2009;169(14):1282-1289

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