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Vitamin D-Mangel erhöht das Risiko für eine Herz-Kreislauferkrankung bei Typ 2 Diabetes

(08.10.2009) Das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung ist bei Diabetikern mit Vitamin D-Mangel fast doppelt so hoch, wie bei gesunden Menschen. Eine erniedrigte Signalübertragung über den Vitamin D-Rezeptor scheint die Bildung von „Schaumzellen“, die frühesten Anzeichen einer Arteriosklerose, und damit das Risiko eines Schlaganfalls oder Herzinfarktes bei Typ 2 Diabetikern zu erhöhen. Das ist das Ergebnis einer Studie der „Washington University School of Medicine“ im US-amerikanischen St. Louis. Die detaillierten Ergebnisse veröffentlichten Carlos Bernal-Mizrachi und Kollegen kürzlich in der wissenschaftlichen Zeitschrift Circulation.





Foto: DDZ

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind eines der Hauptursachen für den Tod bei Patienten mit Typ 2 Diabetes. Ein vorhandener Vitamin D-Mangel steht in dieser Population in engem Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko einer Herz-Kreislauferkrankung. Vitamin D ist das „Sonnenvitamin“. Der Körper kann es zwar selbst herstellen, braucht aber dazu ultraviolette (UV)-Strahlung. Vitamin D ist unter anderem für die Knochen und Zähne wichtig. Weltweit haben etwa eine Milliarde Menschen zu wenig Vitamin D in ihrem Körper. Bereits bekannt ist, dass bei Frauen mit einem Typ 2 Diabetes das Auftreten eines Vitamin D-Mangelzustandes um das dreifache höher liegt als in Kontrollpersonen.

Die Wissenschaftler um Bernal-Mizrachi setzen sich zum Ziel, den Mechanismus näher aufzuklären, durch den ein Vitamin D-Mangel Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Diabetes Patienten vermittelt. Hierbei spielt das Cholesterin eine entscheidende Rolle. Offenbar können Diabetiker mit einem Vitamin D-Mangel Cholesterin nicht richtig verarbeiten. "Bei Menschen mit Vitamin D-Mangel fressen die Makrophagen mehr Cholesterin, werden es aber nicht los", erklärt Bernal-Mizrachi. "Diese mit Cholesterin übersättigten Makrophagen verklumpen und entwickeln sich zu so genannten "Schaumzellen" - die frühesten Anzeichen einer Arteriosklerose.“ Dies hat die Ablagerung des „bösen“ LDL-Cholesterins in Gefäßen zur Folge, wodurch diese sich verengen. Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt folglich an.

Die Wissenschaftler aus St. Louis konzentrierten sich in ihrer Arbeit auf Makrophagen. Diese körpereigenen Fresszellen werden oft durch Krankheiten wie Diabetes aktiviert und können überschüssiges LDL-Cholesterin aus dem Blut aufnehmen. Vitamin D beeinflusst diesen Prozess. Das entdeckten die Forscher, als sie Zellproben von an Diabetes erkrankten und gesunden Menschen mit beziehungsweise ohne Vitamin D-Mangel im Labor untersuchten. 76 fettleibige, diabetische, an Bluthochdruck leidende Patienten mit Vitamin D-Mangel wurden dabei mit vier verschiedenen Kontrollgruppen verglichen. Die Forscher setzten die Makrophagen der Patienten verschiedenen Cholesterin und Vitamin D-Konzentrationen aus.

Die Ergebnisse zeigen an, dass Vitamin D die Schaumzellbildung verhindert, indem die Aufnahme von „bösem“ LDL-Cholesterin bei Patienten mit Typ 2 Diabetes verhindert wurde. War dagegen die Vitamin D-Konzentration im Kulturmedium gering, entwickelten sich die Makrophagen der Diabetespatienten durch die überhöhte Aufnahme von Cholesterin zu Schaumzellen.

Bernal-Mizrachi und Kollegen vermuten, dass sich bei Diabetikern die Entstehung einer Arteriosklerose verlangsamen oder umkehren lässt, wenn sie mit ausreichend Vitamin D versorgt werden. Unter dem Einfluss von UV-Strahlung kann die menschliche Haut das Vitamin selbst herstellen. Zu viel Sonne birgt aber die Gefahr von Hautkrebs. Der Forscher vermutet, dass es möglicherweise ausreicht, sich einige Minuten in die Sonne zu stellen.

Fazit:
Die Studie zeigt einen neuen mechanistischen Zusammenhang zwischen einem Vitamin D-Mangel und einer Schaumzellbildung bei Typ 2 Diabetes. Das vorherrschende Ziel ist daher die Durchführung von Interventionsstudien zur Klärung des Effektes von Vitamin D auf die Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Diabetespatienten.


Dr. Patricia Schott-Ohly, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Oh J et al. 1,25(OH)2 vitamin D inhibits foam cell formation and suppresses macrophage cholesterol uptake in patients with type 2 diabetes mellitus. Circulation 120: 687-698, 2009; doi: 10.1161/circulationaha. 109.856070

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