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Insulinfreisetzung trotz Diabetes Diagnose bei Jugendlichen

(17.09.2009) Bei jugendlichen Typ 1 Diabetikern erfolgt zum Zeitpunkt der Krankheitsdiagnose aufgrund des bereits stattfindenden Zelluntergangs, nur noch eine geringe Insulinfreisetzung durch die Betazellen. Ferner scheint die Insulinfreisetzung mit der Zeit rapide und vollständig zu verschwinden. In einer Vorabveröffentlichung der Zeitschrift „Diabetes Care“ wollen US-amerikanische Forscher aus Seattle und weiteren Studienorten darauf hinweisen, dass es trotz vorhandener Typ 1 Diabeteserkrankung noch funktionstüchtige Betazellen gibt, die die Insulinsekretion zum Teil aufrecht erhalten.





Foto: DAK/Schläger

Greenbaum und Mitarbeiter zeigen in ihrer Studie, dass vier von fünf jungen Diabetikern im ersten Jahr nach Diabetesdiagnose noch eine bedeutende Menge an funktionstüchtigen Betazellen besaßen. Weitere fünf Jahre nach der Feststellung einer Diabeteserkrankung wurde bei einem von zehn jungen Diabetikern noch Insulin freisetzende Betazellen nachgewiesen.

Die Ergebnisse, die Greenbaum und Kollegen analysierten, erhielten sie aus der „SEARCH for Diabetes in Youth Study“. Diese Studie wurde in sechs Studienzentren in den USA durchgeführt, mit dem Ziel, die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit), die Inzidenz (Anzahl an Neuerkrankungen) und die Merkmale der Krankheit bei amerikanischen jugendlichen Diabetikern zu untersuchen. Dadurch ergab sich die Gelegenheit, die Häufigkeit noch bestehender Betazellfunktion in Proben von Jugendlichen mit Diabetes zu analysieren.

Für die Analyse der Betazellfunktion wurden 2789 SEARCH Teilnehmer im Alter von 1 bis 23 Jahren ausgewählt, die positiv für die Autoantikörper GAD65 und IA2 (Marker für die Betazellzerstörung durch das Immunsystem) getestet wurden. Analysiert wurde die Betazellfunktion mittels der Nüchtern-Konzentration des C-Peptids. Hierbei handelt es sich um einen abgespaltenen Teil des Insulins, der Aufschluss darüber gibt, wie viel Insulin noch produziert und freigesetzt wird. 

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass innerhalb des ersten Jahres nach Diagnosestellung 82,9 Prozent der Jugendlichen nüchtern C-Peptidwerte über 0,23 Nanogramm pro Milliliter aufwiesen. 31,2 Prozent hatten Werte über 1,0 Nanogramm pro Milliliter. Mehr als fünf Jahre nach Diagnosestellung wiesen 10,7 Prozent C-Peptidwerte über 0,23 Nanogramm pro Milliliter auf und 1,0 Prozent hatten Werte über 1,0 Nanogramm pro Milliliter. Die Betazellfunktion wird also noch nach der Diagnosestellung aufrecht erhalten und nimmt mit der Zeit ab.

Verschiedene Gründe werden von den Wissenschaftlern diskutiert, die für das Aufrechterhalten der Betazellfunktion verantwortlich sein könnten. Ein Grund könnte die verbesserte Überwachung und Diagnostik sein, wodurch der Betazellzerstörungsprozess und die Diabetesdiagnose zu einem früheren Zeitpunkt ermittelt werden kann. Ein weiterer Grund liegt möglicherweise in der sofortigen und aggressiven Behandlungsmethode zu Diagnosebeginn und einer intensiveren Stoffwechselkontrolle. Folglich könnte eine verbesserte Betazellfunktion die Folge sein.  

Fazit: Im ersten Jahr nach Diagnose eines Diabetes zeigten vier von fünf Jugendlichen mit positivem Autoantikörpernachweis, klinisch relevante Konzentrationen an C-Peptid und somit eine noch vorhandene Betazellfunktion.

Ferner wurde fünf Jahre nach der Diabetes-Diagnose bei einem von zehn Jugendlichen eine klinisch relevante Betazellfunktion nachgewiesen. Die Ergebnisse lassen klinische Versuche mit dem Ziel der Erhaltung der Betazellrestfunktion in den Vordergrund rücken.


Dr. Patricia Schott-Ohly, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Greenbaum CJ et al. Preservation of beta cell function in autoantibody positive youth with diabetes. Diabetes Care, 8. Juli 2009
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