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Neuer internationaler Referenzstandart für den HbA1c-Wert

(17.08.2009) Der Goldstandard zur Therapiekontrolle bei Diabetes ist die Messung des HbA1c-Wertes. Die freie Glukose im Blut bindet sich teilweise an das Hämoglobin in den roten Blutkörperchen. Der prozentuale Anteil des so entstandenen Glykohämoglobins (HbA1c) am Gesamthämoglobin gibt Aufschluss über die mittlere Blutglukosekonzentration der letzten zwei bis drei Monate.





Foto: DRK

Der HbA1c-Wert kann mit vier verschiedenen Messtechniken und über 20 verschiedenen Bestimmungsmethoden ermittelt werden. Je nach verwendeter Methode können die Normwerte und Referenzbereiche variieren, wodurch eine Vergleichbarkeit der Werte unmöglich wird. Selbst gleiche Testmethoden bei verschiedenen Laboren führen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Jede Messtechnik hat ihre Stärken und Schwächen, welche der untersuchende Arzt bei der Interpretation des Wertes berücksichtigen muss.

Niereninsuffizienz, übermäßiger Alkohol- oder Aspirinkonsum, chronische Eisenmangelanämie, ß-Laktam-Antibiotika oder etwa erhöhtes fetales Hämoglobin können zu falsch erhöhten Werten führen, akuter Blutverlust, Hämoglobin S oder C, hämolytische Anämie und andere Faktoren zu falsch erniedrigten HbA1c-Werten. Die Ärzte sollten die jeweiligen Testcharakteristika kennen, also die Spezifität (HbA1, HbA1c, fetales Hämoglobin), den Normbereich und die Präzision (Variationskoeffizient, CV).

Wenn der gemessene HbA1c-Wert stark von dem erwarteten Wert abweicht und die angegebenen Blutzuckerwerte des Patienten korrekt sind, sollten neben dem HbA1c-Wert auch ein rotes Blutbild und die Zahl der Retikulozyten bestimmt werden, also der Blutzellen, aus denen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) entstehen. So kann zumindest ein Teil der testunabhängigen Störfaktoren ausgeschlossen werden. Eventuell ist auch eine Hämoglobin-Elektrophorese oder eine HbA1c-Doppelbestimmung sinnvoll. Wenn ein Zweitlabor mit einem anderen Test abweichende Werte ermittelt, sind vermutlich testabhängige Störfaktoren verantwortlich.

Aufgrund der verschiedenen Testmethoden für den HbA1c-Wert ist es nicht nur schwierig, die Daten von verschiedenen Patienten zu vergleichen. Man kann auch kaum Rückschlüsse ziehen wie etwa auf die Frage, ob der HbA1c-Wert alters- oder geschlechtsabhängig steigt oder nicht. Internationale epidemiologische Vergleiche sind erst nach Einführung einer internationalen Standardisierung möglich.

Nach Auskunft des Vorstands der Deutschen Diabetes-Gesellschaft hat es nun einen internationalen Konsens zu einer neuen, unverwechselbaren Einheit für den HbA1c-Wert gegeben:
mmol HbA1c pro mol Hämoglobin.
Der mit der neuen Methodik gemessene Normalbereich bei Gesunden liegt dann bei 20 bis 42 mmol/mol.

Offiziell wurde die neue Einheit zum 01.04.2008 eingeführt, mit einer Übergangsfrist von 24 Monaten. Viele medizinische Laboratorien arbeiten seit Beginn dieses Jahres mit dem neuen Referenzmessverfahren und somit der neuen Einheit, bis spätestens zum 31.03.2010 sollen sich alle Laboratorien und Kliniken umstellen.

Laut Beschluss des Vorstands der Deutschen Diabetes-Gesellschaft müssen die neuen Werte im klinischen Alltag noch nicht berücksichtigt werden. Bei Bedarf können die HbA1c-Werte mittels einer Formel umgerechnet werden:

HbA1c „neu” (mmol/mol) = (HbA1c „alt“ – 2,15 %) / 0,0915

Somit entspricht ein HbA1c Wert von 53 mmol („neu“) exakt 7 % („alt“).

Die vorläufige Beibehaltung der „alten“ HbA1c-Werte erleichtert den Ärzten in Praxis und Klinik den Umgang mit den zentralen Umrechnungsformeln für glykämische Therapieziele, welche sich an den herkömmlichen Normwerten orientieren. Bei Bedarf kann über die o.g. validierte Umrechnungsformel eine internationale Vergleichbarkeit herbeigeführt werden.

Ab dem 01.04.2010 allerdings soll das international anerkannte Referenzmessverfahren überall angewendet werden, daher ist eine allmähliche Umgewöhnung an die neue Einheit sinnvoll.


Dr. Karen Schemken, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quellen:
Ch. Stettler et al.: Was Sie schon lange über das HbA1c wissen wollten, Schweiz Med Wochenschr 2000; 130:993-1005
M. Nauck et al.: HbA1c – neue Eichung / neue Einheiten, Diabetologie 2009;4:165
H. Reinauer et al.: Neuer Referenzstandard für HbA1c, Dtsch Arztebl 2009; 106 (17): A805-806

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