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Alzheimer und Diabetes: Neue Ergebnisse aus der Grundlagenforschung

(15.06.2009) Bereits in der Vergangenheit haben Forscher auf einen Zusammenhang zwischen Diabetes und Demenzerkrankungen wie der Alzheimer-Erkrankung aufmerksam gemacht. Demnach können eine Insulinresistenz und auch eine Insulinsekretionsstörung das Alzheimer-Risiko beeinflussen. (Gestörte akute Insulinantwort erhöht Alzheimer-Risiko)




Vermutlich ruft Diabetes bei an Alzheimer erkrankten Personen spezifische Veränderungen im Gehirn hervor
Foto: MS Office Online

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft schätzt, dass in Deutschland gegenwärtig mehr als 1 Million Demenzkranke leben, zwei Drittel von ihnen sind von der Alzheimer Krankheit betroffen. Die Zahl stetig und zeigt die Notwendigkeit auf, die Mechanismen, die zur Entstehung der Erkrankung führen, aufzuklären. Bislang sind die molekularen Mechanismen, die hinter diesem erhöhten Risiko in Abhängigkeit eines Diabetes stehen, jedoch weitgehend unerforscht.

Es wird vermutet, dass ein Diabetes bei an Alzheimer erkrankten Personen spezifische Veränderungen im Gehirn hervorruft, welche durch eine antidiabetische Therapie verhindert werden könnten.

Hierzu wurden bei 259 Verstorbenen spezifische histologische Untersuchungen an gefrorenen Hirnschnitten durchgeführt. Für die Untersuchungen wurden die vorhandenen Fälle in 4 Gruppen eingeteilt: (1) kein Diabetes und keine Demenz vorhanden; (2) kein Diabetes aber eine nachgewiesene Demenz; (3) vorhandener Diabetes ohne Demenz und (4) Diabetes und Demenz gleichsam vorhanden.

Bei den Personen ohne Demenz waren die histopathologischen und biochemischen Untersuchungsergebnisse nicht signifikant beeinflusst von dem Vorliegen eines Diabetes (Gruppe 1 und 3). Jedoch gab es erhebliche Unterschiede bei Demenzpatienten, und zwar abhängig davon, ob sie gleichzeitig an einem Diabetes erkrankt waren (Gruppe 4) oder nicht (Gruppe 2). Bei den Personen, welche an Demenz litten, jedoch keinen Diabetes aufwiesen, fand man so genannte beta-Amyloid-Ablagerungen (bestimmte Eiweiße) und F2-Isoprostane (ein Marker für oxidativen Stress) in der Großhirnrinde, welche typisch für diese Erkrankung sind. Bei Patienten mit Demenz und gleichzeitigem Vorliegen eines Diabetes wurden jedoch erhöhte Werte an Interleukin-6 (IL-6) (ein Entzündungsmarker) gefunden. Bei Demenz-Patienten mit einem behandelten Diabetes fand man in den tieferen Hirnstrukturen vermehrt kleinere Infarkte, wohingegen die Anzahl der beta-Amyloid-Ablagerungen, die für die Alzheimer Erkrankung sprechen, vermehrt bei Demenzpatienten dominierten, deren Diabetes nicht medikamentös behandelt wurde.

Schlussfolgerung:
Diese neuartige und erstmalig durchgeführte Charakterisierung bei Demenzpatienten in Abhängigkeit eines vorhandenen Diabetes und des Behandlungstatus könnte in ferner Zukunft therapeutische Konsequenzen nach sich ziehen. Allerdings war die untersuchte Anzahl der Personen zu niedrig, um eventuell vorhandene Unterschiede  in der Art der Diabetes-Behandlung zu evaluieren.

Gunilla Erdmann, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle:
1. Sonnen et al. Different Patterns of Cerebral Injury in Dementia With or Without Diabetes. Arch Neurol. 2009;66(3):315-322
2. http://www.deutsche-alzheimer.de

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