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Jugendliche mit Typ 1 Diabetes und Rauchen

(04.06.2009) Rauchen ist bekanntermaßen ein wichtiger Risikofaktor für das Auftreten von Gefäßerkrankungen. Bei Patienten mit Diabetes kann das Rauchen das bestehende Risiko für die Entwicklung von Komplikationen der kleinen und großen Blutgefäße (mikro- und makrovaskuläre Komplikationen) noch verstärken. So haben Studien bei Erwachsenen mit Diabetes gezeigt, dass Rauchen mit ungünstiger Stoffwechselkontrolle, einer beginnenden Eiweißausscheidung mit dem Urin (Mikroalbuminurie) und Gefäßveränderungen am Augenhintergrund (Retinopathie) assoziiert ist. Bei Kindern und Jugendlichen ist der Zusammenhang zwischen Rauchen, dem HbA1c Wert und dem Auftreten von diabetischen Folgeerkrankungen bisher kaum untersucht.




Kinder, die rauchen, zeigen u. a. ein ungünstiges Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
Foto: DAK/Wigger

In einer multizentrischen Studie wurde nun der Zusammenhang zwischen Rauchen und der Stoffwechselkontrolle und weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren bei Jugendlichen mit Typ 1 Diabetes anhand von Routinedaten der Diabetesbehandlung untersucht, die in 247 pädiatrisch-diabetologischen Zentren in Deutschland und Österreich erhoben wurden. Analysiert wurden die Daten des jeweils letzten Behandlungsjahres von Patienten mit Typ 1 Diabetes unter 20 Jahren. Als Raucher wurden Patienten eingestuft, die nach Selbstangabe wenigstens eine Zigarette pro Tag rauchten. Triglyzeride, Gesamt-, HDL- und LDL-Cholesterin wurden nach einer empfohlenen 12-stündigen Fastenperiode bestimmt.

Insgesamt wurden 27.561 Kinder und Jugendliche in die Analyse eingeschlossen. 52,5 % der Patient waren männlich, 47,5 % weiblich. Das mittlere Alter lag bei 13,6 Jahren, das mittlere Diabetes-Manifestationsalter bei 8,4 Jahren und die mittlere Diabetesdauer bei 5,3 Jahren. Etwa 22 % der Jungen und 14 % der Mädchen gaben an zu rauchen. In der Altersgruppe der unter 11-jährigen rauchten nur wenige (0,1 %). Bei den 11-15-jährigen lag die Raucherquote bei 5 %, unter den 16-20-jährigen bei etwa 28 %. 

Nach statistischer Adjustierung für Störgrößen (Alter, Diabetesdauer, Geschlecht, Art der Insulintherapie, Zentrumseffekt) lag der mittlere HbA1c-Wert bei Rauchern signifikant um etwa 1 % höher als bei Nichtrauchern (9,1 % vs. 8 %). Ferner zeigten die Diabetespatienten, die angaben zu rauchen, im Mittel signifikant höhere Werte für Triglyceride (122,7 vs. 106,3 mg/dl), Gesamtcholesterin (178,2 vs. 177,6 mg/dl) und diastolischen Blutdruck (68,2 vs. 67,6 mmHg). Die HDL-Cholesterin-Werte lagen bei den Rauchern signifikant niedriger (60,4 vs. 63,6 mg/dl).

Schlussfolgerung:
Diese Untersuchung zeigt, dass ein beträchtlicher Anteil von Jugendlichen mit Typ 1 Diabetes (11-15 J.: 5 %; 16-20 J.: 28 %) raucht und unterstreicht daher wie andere Untersuchungen, dass Präventionsprogramme zum Rauchen schon im Schulalter beginnen müssen.

Ferner zeigt die Studie, dass die Raucher bereits unter den Jugendlichen mit Typ 1 Diabetes eine ungünstigere Stoffwechseleinstellung und ein ungünstigeres kardiovaskuläres Risikoprofil aufweisen als Nichtraucher und damit ein erhöhtes Risiko für mikro- und makrovaskuläre Folgeerkrankungen tragen. Raucherprävention und Unterstützung bei der Raucherentwöhnung sollten daher ein integraler (möglichst frühzeitiger) Bestandteil der pädiatrischen Versorgung von Jugendlichen mit Typ 1 Diabetes sein.


Dr. med. Dipl.-Math. Joachim Rosenbauer, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Hofer SE et al. Smoking and Metabolic Control in Adolescents with Type 1 Diabetes. Journal of Pediatrics 2009; 154: 20-23.

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