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Statine sind bei Dialysepatienten wirkungslos

(25.05.2009) Die Ergebnisse der AURORA Studie (A study evaluating the Use of Rosuvastatin in patients requiring Ongoing Renal dialysis: an Assessment of survival and cardiovascular events), einer Langzeitstudie zur Beurteilung des Effektes von Cholesterinsenkern (Statine) auf die Sterblichkeit sowie kardiovaskuläre Ereignisse (Herz- und Gefäße betreffend) bei Dialysepatienten, wurden kürzlich im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.




Nutzen einer Statin-Therapie bei diablysepflichtigen Typ 2 Diabetikern?

Die Wissenschaftler dieser großen Studie kommen zu dem Schluss: Eine Therapie mit Statinen (hier Rosuvastatin) hat für dialysepflichtige Patienten keinen relevanten Nutzen. Sie erniedrigen zwar den Cholesterinspiegel und die Entzündungsmarker, die erhoffte Reduktion kardiovaskulärer Erkrankungen und eine Verringerung der Sterblichkeitsrate blieben jedoch aus.

Neben dem Bluthochdruck zählen erhöhte Cholesterinwerte und andere Fettstoffwechselstörungen mit zu den wichtigsten Risiken für Herz- und Gefäßkrankheiten. Auch Diabetiker sind oft betroffen. Mit der Medikamentengruppe der Statine lassen sich erhöhte LDL-Cholesterinwerte häufig erfolgreich senken. Die Sterblichkeitsrate kardiovaskulär gefährdeter, jedoch nierengesunder Personen kann durch die Gabe von Statinen deutlich reduziert werden.  

Die Hoffnung der an AURORA teilnehmenden Wissenschaftler war, dass eine Statin- Therapie bei Dialysepatienten ebenfalls einen positiven Effekt zeigen würde. Diese Patientenpopulation war bisher in der Regel bei Statin-Studien ausgeschlossen worden. 

Seit dem Jahr 2003 wurde in der internationalen, doppelblind und prospektiv durchgeführten AURORA Studie der Effekt einer Gabe von 10 mg Rosuvastatin bezüglich Mortalität und schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen an 2775 Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz und chronischer Hämodialyse untersucht. Die Studie lief in 25 Ländern mit 284 teilnehmenden Studienzentren. Die Patienten im Alter zwischen 50 und 80 Jahren wurden entweder mit 10 mg Rosuvastatin täglich oder mit Plazebo behandelt.  Der primäre Endpunkt bedeutete Tod in Folge von Herz-Kreislaufversagen (kardiovaskulär), Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Die Patienten zeigten eine gute Verträglichkeit der Rosuvastatin-Behandlung. Nach 3 Monaten waren in der Statin-behandelten Gruppe bereits eine 43-prozentige Erniedrigung der LDL-Cholesterinwerte und eine 11-prozentige Erniedrigung der CRP Entzündungswerte (C-reaktives Protein) nachweisbar. Allerdings hatte Rosuvastatin keinen Effekt auf die einzelnen Komponenten des primären Endpunktes: 396 Patienten in der Rosuvastatin-Gruppe und 408 Patienten in der Plazebo-Gruppe verstarben auf Grund von Herz-Kreislaufversagen, Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Mit diesem Studienergebnis ist AURORA nach der Deutschen Diabetes Dialyse Studie (4D-Studie) bei Dialysepflichtigen Typ 2 Diabetikern nun bereits die zweite Untersuchung, die dieses nicht erwartete, negative Ergebnis brachte. Der ausbleibende Nutzen einer Statin-Therapie in den beiden großen Studien lässt vermuten, dass sich kardiovaskuläre Ereignisse bei Dialysepatienten von denen anderer Patienten ohne Niereninsuffizienz bzw. Dialysepflichtigkeit unterscheiden.   

Der Leiter der Studie, Bengt Fellström aus Uppsala (Schweden), schlussfolgert daher, dass nach den  Daten eine Statin-Behandlung bei Dialysepflicht den Patienten keinen Nutzen zur Verhinderung kardiovaskulärer Ereignisse bringt. Man wisse allerdings nicht, ob sich 1) das gleiche Ergebnis bei jüngeren dialysepflichtigen Personen bestätigen würde oder ob es 2) einen Unterschied macht, wenn die Patienten bereits vor oder zum Zeitpunkt des Eintritts in eine Dialysepflicht eine Statin-Therapie durchlaufen. Das ist die Basis für weitere Untersuchungen in der Zukunft.


Dr. Patricia Schott-Ohly, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Fellström BC et al. Rosuvastatin and cardiovascular events in patients undergoing hemodialysis. N Engl J Med 360: 1395-1407, 2009.

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