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Niedrig dosiertes Aspirin bietet Frauen keinen schützenden Effekt vor Diabetes

(30.03.2009) Bei gesunden Frauen im mittleren Alter beugt langfristig niedrig dosiert eingenommenes Aspirin nicht Typ 2 Diabetes vor. Dieses ergeben aktuelle Ergebnisse der großen US-amerikanischen Woman‘s Health Study.




Studie belegt: Kein schützender Effekt von Aspirin bei Diabetes-Patienten
Foto: abda

Insulinresistenz und Typ 2 Diabetes sind mit chronisch schleichenden, entzündlichen Prozessen verknüpft, die im Zuge von Adipositas entstehen können. Ferner gibt es Hinweise, dass bestimmte Entzündungsmarker bei Frauen mehr als bei Männern erhöht sind. Deshalb untersuchten Aruna Pradhan und ihr Team vom Brigham and Woman´s Hospital und der Havard Medical School, ob das entzündungshemmende Aspirin auch den Zuckerstoffwechsel günstig beeinflussen kann.

Ältere Forschungsergebnisse zur Einnahme hoher Dosen Aspirin über kurze Zeit hätten bereits Hinweise dafür geliefert, berichten die Autoren, allerdings handele es sich dabei um kleine klinische Studien. Außerdem ist Aspirin hoch dosiert immer mit dem Risiko von Magenproblemen und Blutungen behaftet. In der in Diabetes Care veröffentlichten Studie wurden 100 mg Aspirin jeden zweiten Tag eingenommen und die Auswirkungen über längere Zeit untersucht.

Angelegt wurde die Woman‘s Health Study, eine zehnjährige, randomisiert-kontrollierte, klinische Studie, um zu erforschen, ob Aspirin und Vitamin E bei Frauen über 45 Jahren vorbeugend hinsichtlich kardiovaskulären Krankheiten und Krebs wirken können. Insgesamt 38.716 gesunde Frauen nahmen an der US-amerikanischen Studie teil und in einem sogenannten 2 x 2 faktoriellen Design erhielten sie entweder 100 mg Aspirin jeden zweiten Tag oder Placebo sowie Vitamin E  oder Placebo. 

Doch ein positiver Effekt auf den Diabetes blieb aus: Unter den 19.326 Teilnehmerinnen, die Aspirin eingenommen hatten, und den 19.390 mit Placeboeinnahme zeigte sich kein Unterschied bezüglich neu aufgetretenem Typ 2 Diabetes. In der Aspirin-Gruppe gab es 849 neue Fälle Diabetes, in der Placebo-Gruppe 847, ohne eine signifikante Risikoreduktion. Auch als bei der Auswertung Diabetes-Risikofaktoren wie Alter, Übergewicht, Diabetes in der Familie, mangelnde Bewegung, der Blutzuckerlangzeitwert HbA1c und der Entzündungsmarker hochsensitives C-reaktives Protein (hs CRP) berücksichtigt wurden, machte dies keinen Unterschied aus.
Ebenso wenig kam die Behandlungsdauer zum Tragen und wie verlässlich die regelmäßige Einnahme war. Allerdings zeigte sich schon bei dieser niedrigen Einnahme nicht überraschend eine leicht erhöhte Rate an Blutungen und Magengeschwüren.

Die Limitierungen dieser Studie sind, dass die an der Studie beteiligten Frauen ein relativ niedriges Diabetesrisiko hatten, verglichen mit der allgemeinen Bevölkerung. Über 60 % waren jünger als 55 Jahre, nur 13 % rauchten, 26 % hatten einen zu hohen Blutdruck und die meisten waren entweder normalgewichtig (52 % mit einem BMI unter 25) oder leicht übergewichtig (31 % BMI von 25 bis unter 30).
Ferner ist möglich, dass Diabetes auch unterdiagnostiziert war. Die Frauen wurden nicht alle systematisch gescreent auf Diabetes oder Glukosetoleranz.

Schlussfolgerung:
Durch lange Zeit eingenommenes, niedrig dosiertes Aspirin lässt sich bei gesunden Frauen im mittleren Alter und mit niedrigem Diabetesrisiko das Auftreten eines Typ 2 Diabetes nicht verhindern.


Kirsten Lindloff, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Pradhan AD, Cook NR, Manson JE et al.  A randomized trial of low-dose aspirin in the prevention of clinical type 2 diabetes in women. Diabetes Care 2009; 32: 3-8

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