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Bedeutung von metabolischen Faktoren für die Sterblichkeit des Typ 1 Diabetes

(02.03.2009) Es ist bereits bekannt, dass eine schlechte glykämische Kontrolle, erhöhte Triglyzeride sowie Albumin im Urin bei Menschen mit Diabetes das Risiko, Gefäßerkrankungen zu erleiden, erhöhen. Aber nur wenige Studien haben bisher die kombinierten Zusammenhänge zwischen metabolischen Markern, diabetischer Nephropathie, Retinopathie, Hypertonie, Adipositas und Sterblichkeit (Mortalität) untersucht.




Auch bei Menschen mit Typ 1 Diabetes ist gesunder Lebensstil angesagt
Foto: Techniker Krankenkasse

In einer multizentrisch durchgeführten finnischen Studie mit dem sogenannten „FinnDiane“ Datensatz, wurde nun untersucht, welche noch nicht definierten Assoziationen zwischen klinischen Diagnosen und Laborwerten (biochemischen Markern) vorliegen.

Dazu wurden Patientendaten, Blutserum und 24-Stunden-Sammelurin von 2173 Männern und 2024 Frauen mit Typ 1 Diabetes erhoben. Die Daten wurden mittels ‘Selbstorganisierenden Karten‘ (self organizing map) analysiert. Diese Methode basiert auf einem unüberwachten Lernmodell und einem maschinellen Lernen, ohne dass im Voraus bekannte Zielwerte dargestellt werden. In der Studie benutzte man diese Methode, um zweidimensionale Muster der vielen verschiedenen biochemischen Profile der Patienten zu erstellen. In der 6,5 Jahre dauernden Nachbeobachtungszeit der Studie wurden die Ergebnisse mit der Gesamtsterblichkeit verglichen. Insgesamt kam es in diesem Zeitraum bei den Studienteilnehmern zu 295 Todesfällen.

Anhand der biochemischen Profil-Muster und der Vergleiche zur Gesamtsterblichkeit Nierenerkrankung festgestellt werden. Aber noch weitere Faktoren stellten ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko dar:

  1. Insulinresistenz, abdominelle Adipositas (über der Norm liegender Taillenumfang), hohe Cholesterin- und Triglyzeridwerte sowie niedrige HDL2-Cholesterinwerte und
  2. hohe Adiponektin- und LDL-Cholesterinwerte bei älteren Patienten.

Somit konnte für Männer ein um 10,1fach (95 % KI 7,3-13,1) und für Frauen ein um 10,7fach (95 % KI 7,9-13,7) erhöhtes Sterblichkeitsrisiko festgestellt werden. Nichtsignifikante Ergebnisse zeigte das Risikoprofil einer guten Blutzuckereinstellung gepaart mit hohen HDL2-Cholesterinwerten sowie das Profil niedriger Cholesterinwerte zusammen mit einem frisch manifestierten Diabetes.

Schlussfolgerung:
In dieser Studie konnte zum einen gezeigt werden, dass sich die Methode der Selbstorganisierenden Karten gut zur detaillierten Risikoeinschätzung von Komplikationen bei Typ 1 Diabetes Patienten eignet, wenn die Risikofaktoren bekannt sind. Außerdem konnte aber festgestellt werden, dass auch bei Typ 1 Diabetes das Mortalitätsrisiko mit  metabolischen Faktoren in Zusammenhang gebracht werden muss.

Kommentar:
Derzeit basiert die Risikoeinschätzung bei Patienten mit Typ 1 Diabetes für Mortalität vor allem auf kardiovaskulären Erkrankungen und auf dem Ausmaß der Albuminurie, dem Serumkreatinin und dem Lipidprofil.

Ziel der Studie war die Charakterisierung typischer Phänotypen oder metabolischer Profile und deren Assoziation mit Mortalität. Die neue Form der Analyse bestätigte zunächst den hohen Stellenwert der diabetischen Nephropathie bei der Risikoeinschätzung. Sie zeigt aber darüber hinaus auch, dass  verschiedene biochemische Marker entscheidend zur Prognose beitragen. Allen voran treten hier Faktoren des metabolischen Syndroms wie hohe Triglyzeride, niedriges HDL Cholesterin und erhöhter Bauchumfang hervor. Obwohl es noch in Studien geprüft werden muss, ist wohl davon auszugehen, dass Patienten mit Typ 1 Diabetes in ähnlicher Weise wie Patienten mit Typ 2 Diabetes oder ohne Diabetes davon profitieren dürften, wenn sich Triglyzeride, HDL und Adipositas normalisieren. Ab welchem Zeitpunkt während des Krankheitsverlaufs eine Therapie besonders effektiv ist, bleibt abzuwarten- sicher günstig ist ein präventives Vorgehen, das das Auftreten dieses ungünstigen Risikoprofils im Vornherein verhindert. Das bedeutet, dass auch Patienten mit Typ 1 Diabetes einen gesunden Lebensstil führen sollten.


Priv.-Doz. Dr. med. Nanette C. Schloot, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Mäkinen VP et al., Metabolic Phenotypes, Vascular Complications, and Premature Deaths in a Population of 4,197 Patients With Type 1 Diabetes. Diabetes 2008; 57(9):2480-7.

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