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Erhöhter Blutzuckerspiegel senkt Denkvermögen

(24.02.2009) Die Erkrankung Typ 2 Diabetes kann zu Einbußen des Denkvermögens bis hin zur Demenz führen, das Risiko ist etwa 1,5mal so hoch wie das von Nicht-Diabetikern. Nicht klar war bislang, welche Mechanismen dahinter stehen. In einer Studie mit 2977 US-amerikanischen und kanadischen Patienten wurde nun das Verhältnis zwischen erhöhten Blutzuckerwerten und dem Denkvermögen untersucht. Hierzu wurden sowohl der Nüchternblutzucker, als auch der Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) bestimmt und zu unterschiedlichen Testverfahren des Denkvermögens korreliert. Als Ziel einer sehr guten Stoffwechseleinstellung gelten HbA1c-Werte von unter 6,5 % und Nüchternblutglukosespiegel unter 100 mg/dl.




Demenz lässt sich durch den Blutzuckerspiegel beeinflussen
Foto: Techniker Krankenkasse

Alle Patienten in dieser Studie hatten im Durchschnitt einen Nüchternblutglukosespiegel von 175,5 mg/dl sowie einen HbA1c-Wert von 8,3 %. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 62,5 Jahre, der Frauenanteil lag bei 47 %. Zudem wurden folgende Vorerkrankungen berücksichtigt: Herzkreislauferkrankungen (bei 24 % aller Patienten), Schlaganfälle (5 %), Bluthochdruck (87 %) und Depressionen (33 %). Gesellschaftliche Faktoren wie Schulbildung, ethnische Herkunft und familiärer Stand wurden ebenfalls beachtet. Die Verschlechterung des Denkvermögens wurde mit vier verschiedenen, standardisierten Intelligenz-, Reaktions- und Gedächtnis-Tests gemessen. Diese Tests wurden immer unter streng vergleichbaren Bedingungen durchgeführt.

Patienten mit einem HbA1c-Wert, der 1 % höher war als der Durchschnittswert, erreichten geringere Punktzahlen bei den verschiedenen Tests. Insgesamt konnte bei allen vier Tests ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der schlechteren Leistung und dem erhöhten HbA1c-Wert nachgewiesen werden. Nach Berücksichtigung der Faktoren wie Dauer der Diabetes-Erkrankung, Alter, Geschlecht, Schulbildung, Depression, Rasse, Sprache, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle, bestand noch bei zwei der vier Tests ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen erhöhtem HbA1c-Wert und Nachlassen des Denkvermögens. Die Forscher bezeichnen die gemessenen Effekte bei einem um 1 % erhöhten HbA1c-Wert zwar für sich betrachtet als klein, aber von großer klinischer Bedeutung, da diese Effekte sich im Alter potenzieren.

Chronisch erhöhte Blutglukosespiegel gehen demnach mit nachlassendem Denkvermögen einher, nichtsdestotrotz haben die oben genannten, berücksichtigten Faktoren ebenfalls Einfluss auf die Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten. Des Weiteren konnte bei erhöhtem Nüchternblutzuckerwert, im Gegensatz zu einem erhöhten HbA1c-Wert, kein Zusammenhang mit nachlassendem Denkvermögen gefunden werden.

Die Forscher vermuten, dass eine dauerhafte Erhöhung des Blutglukosespiegels zu Zellschäden im Gehirn führen kann. Darauf wiesen Veränderungen an untersuchten Gehirnen von verstorbenen, an Demenz erkrankten Menschen hin. Eine andere These vermutet Leistungseinbuße durch einen reduzierten Insulinstoffwechsel im Gehirn, entweder aufgrund mangelnder Insulinausschüttung oder eingeschränkter Funktion der Insulin-Rezeptoren.

Schlussfolgerung:
Eine optimale Einstellung des Diabetes scheint eine wichtige Voraussetzung zu sein, um das Risiko einer Demenz zu verringern. Ob eine langfristige Verbesserung der Stoffwechsellage mit Senkung des HbA1c-Wertes auch einen günstigen Effekt auf das Denkvermögen hat, soll in einer weiterführenden Studie mit diesen Patienten geklärt werden.


Dr. Karen Schemken, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Tali Cukiermann-Yaffe et al. Relationship Between Baseline Glycemic Control and Cognitive Function in Individuals With Type 2 Diabetes and Other Cardiovascular Risk Factors. Diabetes Care 2009; 32 (2): 221-6

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