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Geburtsgewicht beeinflusst späteres Diabetes-Risiko

(09.02.2009) Das Risiko, im Laufe des Lebens an einem Typ 2 Diabetes zu erkranken, hängt von vielen Faktoren ab. Neben einer erblichen Vorbelastung stehen Übergewicht und Bewegungsmangel sicherlich ganz vorne auf der Liste. Nun hat ein internationales Forscherteam das Geburtsgewicht von Kindern diabetischer Mütter und das Risiko des Kindes,  zu einem späteren Zeitpunkt einen Typ 2 Diabetes zu entwickeln, gründlich untersucht.


HELIOS Kliniken Bilddatenbank

Das Geburtsgewicht kann das Risiko des Kindes, später einen Diabetes mellitus zu entwickeln, beeinflussen.
Foto: HELIOS Kliniken Bilddatenbank

Das Forscherteam hat 31 Studien aus Europa, Nordamerika, Indien, China und Japan mit insgesamt 152.084 Patientendaten ausgewertet. Darunter waren 6.090 Diabetiker. Besonderes Augenmerk galt bestimmten Kriterien wie etwa dem gesellschaftlichen Status, der Aussagekraft und Objektivität der Studien sowie einem mütterlichen Diabetes während der Schwangerschaft. Letzterer kann zu überdurchschnittlich schweren Babys führen, die ihrerseits wiederum ein erhöhtes Diabetes-Risiko haben. Babys, deren Mütter während der Schwangerschaft Diabetes hatten und solche mit einem Geburtsgewicht über 4 kg wurden deshalb in dieser Studie separat bewertet.

Die Autoren wiesen zunächst eine schrittweise Abhängigkeit zwischen niedrigem Geburtsgewicht und einer Diabetes-Erkrankung nach. Dieser Zusammenhang war unabhängig vom gesellschaftlichen Status und dem aktuellen Körpergewicht. Das durchschnittliche Geburtsgewicht lag bei etwa 3 kg. Je ein Kilogramm niedrigeres Geburtsgewicht erhöhte das Diabetes-Risiko um 20 %. Umgekehrt verhielt es sich bei überdurchschnittlich schweren Babys von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes: Zwar wurde deren Risiko, im späteren Leben an Diabetes zu erkranken, nicht in Zahlen genannt, jedoch war klar ersichtlich, dass es bei solchen Babys deutlich höher war als bei Normalgewichtigen und auch als bei Untergewichtigen.

Die neuen Erkenntnisse über den Zusammenhang von niedrigem Geburtsgewicht und späterer Diabetes-Erkrankung werfen die Frage auf, wie damit umzugehen ist. Unklar ist bislang, ob nur das Geburtsgewicht selbst oder zugrunde liegende andere Probleme der Mutter, mit der Folge eines zu niedrigen Geburtsgewichts, ursächlich sind. Sofern das Geburtsgewicht selbst der Risiko-auslösende Faktor ist, kann man dieses durch eine bessere Ernährung während der Schwangerschaft sowie durch Verzicht auf das Rauchen senken. Ein um 100-200 Gramm höheres Geburtsgewicht verringert das Risiko, einen Typ 2 Diabetes zu entwickeln, um 5-10 %. Die erhobenen Daten konnten nicht die Frage beantworten, ob während der Schwangerschaften geraucht wurde. Rauchen während der Schwangerschaft hat einen negativen Einfluss auf das Geburtsgewicht und gilt als Auslöser für späteres Rauchen des Kindes.

Die analysierten Daten wurden zwischen 1993 und 2006 erhoben und stammen überwiegend von älteren Patienten. Da die Entwicklung der Bevölkerung in vielen Ländern einen Anstieg an Übergewicht und Fettleibigkeit zeigt, ist hiermit auch ein erhöhtes Risiko an Diabetes mellitus zu erkranken, verbunden. Demzufolge steigt auch die Zahl übergewichtiger Mütter mit Schwangerschaftsdiabetes.  Die Autoren vermuten, dass die Zahlen untergewichtiger Babys zwar sinken, sich stattdessen aber das Geburtsgewicht erhöhen und damit das Diabetes-Risiko steigen wird.

Schlussfolgerung:
Kinder von Müttern mit Diabetes, die mit  erniedrigtem als auch erhöhtem Geburtsgewicht zur Welt kommen, sind einem höheren Risiko, später einen Typ 2 Diabetes zu entwickeln, ausgesetzt, als Kinder mit normalem Geburtsgewicht.


Dr. Karen Schemken, freie Mitarbeiterin von Diabetes-heute.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Peter H. Whincup et al., Birth weight and Risk of Type 2 Diabetes: A Systematic Review. JAMA 2008; 300 (24): 2886-2897

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