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Typ 1 Diabetes: Weitere Risikogene für Immunsystem identifiziert

(24.11.2008) Der Typ 1 Diabetes ist eine komplexe Erkrankung, bei der auch Vererbungsfaktoren eine wichtige Rolle spielen. Heutzutage geht man davon aus, dass eine ganze Reihe von Genen beteiligt sind und es wurden bereits einige der verantwortlichen Genveränderungen identifiziert. Forscher aus den USA und Kanada haben jetzt zwei weitere Gene entdeckt, die für das Typ 1 Diabetesrisiko von Bedeutung sind: UBASH2A auf Chromosom 21 und BACH2 auf Chromosom 6.




Neue Risikogene für Typ 1 Diabetes konnten auf den Chromosomen 6 und 21 identifiziert werden

Für das Entstehen eines Typ 1 Diabetes wird das Zusammenwirken von erblicher Veranlagung, äußeren Faktoren (z. B. bestimmte Virusinfektionen) und einer Fehlsteuerung des Immunsystems verantwortlich gemacht. Im Verlauf der Erkrankung richten sich körpereigene Immunzellen (T-Lymphozyten) gegen die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse (Betazellen) und zerstören diese. Die Folge des fortschreitenden Betazell-Untergangs ist ein Insulinmangel. Man geht davon aus, dass eine bestimmte genetische Veranlagung die Anfälligkeit für einen Diabetes Typ 1 erhöht. Der Typ 1 Diabetes wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 3-5 % von einem Elternteil auf ein Kind vererbt. Sind beide Eltern an Typ 1 Diabetes erkrankt, steigt das Risiko auf 10-25 % an. Bei einem zunächst nicht erkrankten eineiigen Zwilling eines Typ 1 Diabetikers liegt das Risiko des anderen Zwillings bei 30-50 %.

In den letzten Jahren haben sich weltweit verschiedene Wissenschaftler-Teams mit den Vererbungsfaktoren beim Typ 1 Diabetes befasst. Unter anderem hat eine Gruppe um Hakon Hakonarson (Children's Hospital of Philadelphia) und Constantin Polychronakos (Montreal Diabetes Research Center) wichtige Forschungsbeiträge zur Identifizierung von Risikogenen geleistet. Jetzt haben die beiden Wissenschaftler zwei weitere Gene identifiziert, die offenbar an der Entstehung des Typ 1 Diabetes beteiligt sind: UBASH2A und BACH2, die auf den Chromosomen 21 und 6 liegen. Diese Gene sind in Immunzellen aktiv, die eine Schlüsselrolle bei Autoimmunerkrankungen wie dem Typ 1 Diabetes spielen.

Zu ihren Ergebnisse kamen Hakonarson und Polychronakos durch die wiederholte Untersuchung mehrerer tausend DNA-Proben, die man in der Vergangenheit von Diabetespatienten, deren Angehörigen und gesunden Kontrollpersonen gesammelt hatte. Die Proben der aus Nordamerika, Kanada, Europa und Australien stammenden Personen wurden mit dem neuen Verfahren der genomweiten Suche (= genomweite Assoziation oder GWA) analysiert. Dabei handelt es sich um eine moderne Methode für das Gen-Screening, die es ermöglicht, die DNA eines Menschen auf mehr als 500.000 Einzelveränderungen zu untersuchen. So können die Gensequenzen einer großen Zahl von kranken mit denen gesunder Menschen verglichen und genetische Abweichungen erkannt werden.

Mittlerweile sind bereits relativ viele Gene identifiziert, die an der Entstehung des Typ 1 Diabetes beteiligt sind. Damit steigt die Hoffnung, das Risiko für einen Typ 1 Diabetes in der Zukunft besser vorhersagen zu können. Ziel ist es, irgendwann aussagekräftige Gentests für eine frühzeitige Risikodiagnostik verfügbar zu haben.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Grant SF, Qu HQ, Bradfield JP et al. Follow up analysis of genome-wide association data identifies novel loci for type 1 diabetes. Diabetes 2008; published online ahead of print, DOI: 10.2337/db08-1022







Expertenkommentar von Prof. Dr. med. Werner Scherbaum, Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Rheumatologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf :

Die hier beschriebene Arbeit zeigt den Weg auf, der mit dem genomweiten Assoziationsscreening möglich ist und in Zukunft auch bei anderen Krankheitsbildern zunehmend beschritten wird. Die für die Krankheit relevanten Gene können durch einen Vergleich von gesunden und kranken Personen mit großer Sicherheit identifiziert werden. Dennoch: selbst eineiige Zwillinge von Typ 1 Diabetikern, die also identische Gene wie ihre kranken Geschwister aufweisen, bekommen nur in maximal 30 % der Fälle auch einen Diabetes. Für den Ausbruch der Krankheit sind also Umweltfaktoren (wie z. B. Virusinfekte) wesentlich beteiligt. Hier spielen Interaktionen zwischen Genen bzw. Genprodukten und Umwelt eine große Rolle. Um dies besser zu verstehen sind nun weiterführende Untersuchungen erforderlich um herauszufinden, auf welche Art und Weise die einzelnen Gene in die für den Typ 1 Diabetes relevanten Stoffwechselwege eingreifen.

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