Newsletter  |  Montag, 22. Januar 2018, 17:03 Uhr
Startseite

Diabetes-News

Über Diabetes
Fachthemen
Ernährung
Patientenfragen

Praktische Hilfe
Diabetes und Vorsorge
Klinische Studien
Diabetes-Kalender

Selbsthilfe-Suche
Arzt-/Klinik-Suche

 
 
 
gefördert durch:
 
Mononatriumglutamat: Fördert der Geschmacksverstärker Übergewicht?

(08.10.2008) Menschen, die den Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat in größeren Mengen konsumieren, haben möglicherweise ein höheres Risiko für Übergewicht – und zwar unabhängig von der körperlichen Aktivität und der Gesamt-Kalorienaufnahme. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinschaftliche Studie aus den USA und China, die vor kurzem in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Obesity veröffentlicht wurde.





Foto: Techniker Krankenkasse

MSG oder Mononatriumglutamat verstärkt den Eigengeschmack von „würzigen“ Gerichten wie zum Beispiel Fleisch oder Fisch und ist als Geschmacksverstärker gerade aus der asiatischen Küche nicht mehr wegzudenken. Auch bei uns findet der als E621 bezeichnete Lebensmittelzusatzstoff eine breite Verwendung. Er wird unter anderem in der Lebensmittelindustrie in Fertigsuppen, Chips und vielen anderen „würzigen“ Fertignahrungsmitteln eingesetzt.

In der Vergangenheit hatten Tierversuche Hinweise geliefert, dass die Aufnahme größerer MSG-Mengen möglicherweise mit einer Gewichtszunahme verbunden ist: Unter dem Einfluss von Mononatriumglutamat kam es zu Veränderungen im Hypothalamus – der Gehirnregion, die eine wichtige Rolle bei der Nahrungsaufnahme spielt. Um zu prüfen, ob sich der beobachtete Zusammenhang auch beim Menschen bestätigt, führten Wissenschaftler aus den USA und China eine gemeinschaftliche Studie mit 752 chinesischen Männern und Frauen durch. Alle Studienteilnehmer galten als gesund, waren zwischen 40 und 59 Jahre alt und Einwohner verschiedener ländlicher Regionen Chinas, in denen bisher kaum bis gar keine Fertignahrungsmittel verwendet werden. Einzig der Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat kam hier bei 82 Prozent der Versuchspersonen zum Einsatz. Die Wissenschaftler teilten die MSG-Anwender in die Gruppen „höchster“, „mittlerer“ und „niedrigster“ Mononatriumglutamat-Konsum auf. Im Durchschnitt wurden etwa 0,33 Gramm MSG pro Tag verbraucht.

Nach dem Herausrechnen anderer Einflussfaktoren wie der Gesamt-Kalorienaufnahme und der körperlichen Aktivität zeigte sich ein interessantes Ergebnis. In der Gruppe mit dem höchsten MSG-Konsum (oberstes Drittel) befanden sich auch die meisten übergewichtigen Personen mit einem BMI von > 25 kg/m2: Im Vergleich zu den Studienteilnehmern, die auf den Einsatz des Geschmacksverstärkers komplett verzichteten, war das Risiko für Übergewicht hier um den Faktor 2,75 – also um fast das Dreifache – erhöht (p = 0,04).

Die Autoren der Studie sehen in den Ergebnissen eine Bestätigung, dass der breit eingesetzte Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat auch beim Menschen unter Umständen eine Gewichtszunahme fördern kann. Wie, unter welchen Voraussetzungen und in welchem Ausmaß der Lebensmitteluzsatzstoff MSG die Gewichtsentwicklung tatsächlich beeinflusst, wird in der Zukunft sicherlich Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: He K, Zhao L, Daviglus ML et al. Association of Monosodium Glutamate Intake With Overweight in Chinese Adults: The INTERMAP Study. Obesity 2008; 16: 1875–1880.

Darstellung zum Ausdrucken