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Tai Chi verbessert Immunfunktion bei Patienten mit Typ 2 Diabetes

(11.08.2008) Tai Chi ist eine traditionelle chinesische Kampfsportart, die in den letzten Jahrzehnten auch im Westen immer bekannter und beliebter geworden ist. Sie verbindet tiefe Zwerchfellatmung und Entspannung mit dem Wechsel zwischen bestimmten Körperhaltungen in Form langsamer und fließender Bewegungen. Zahlreiche Studien haben bereits gezeigt, dass diese Tai Chi Übungen die Beweglichkeit, das Herzkreislaufsystem und die Atmung positiv beeinflussen.




Tai Chi verbessert Immunfunktion bei Patienten mit Typ 2 Diabetes
Foto: BG Elektro Textil Feinmechanik

Dagegen haben bisher nur sehr wenige Studien untersucht, welche Auswirkungen regelmäßiges Tai Chi Training auf die Immunfunktion hat, insbesondere bei Menschen mit Diabetes. Es ist ja bekannt, dass gerade Menschen mit Typ 2 Diabetes anfälliger für Infektionen und den damit verbundenen möglichen Krankheitsfolgen sind.

Forscher aus Taiwan haben diese Frage nun in einer Fall-Kontroll-Studie untersucht. Dazu haben sie zwei Gruppen mit je 30 Versuchspersonen gebildet. In einer Gruppe hatten alle Versuchspersonen einen bekannten Typ 2 Diabetes. Die zweite Gruppe (Kontrollgruppe) wurde aus gleichaltrigen Personen mit ähnlichen demographischen Charakteristika, aber ohne Typ 2 Diabetes gebildet. Beide Gruppen erhielten 12 Wochen lang Tai Chi Unterricht (eine Stunde täglich, dreimal pro Woche). Vor Beginn und drei Tage nach dem Ende der 12-wöchigen Übungsphase wurden die Glukose und der HbA1c-Wert sowie eine Reihe immunaktiver Zellen und Botenstoffe, die Hinweise auf die Immunfunktion geben, bestimmt.

Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der Laboruntersuchungen:

  • Vor der Übungsphase hatte die Diabetesgruppe einen durchschnittlichen HbA1c-Wert von 7,59 %, die Kontrollgruppe einen durchschnittlichen HbA1c-Wert von 5,34 %. Die Patienten mit Typ 2 Diabetes hatten auch – nicht verwunderlich – höhere Glukosewerte.
  • Nach Ende der 12-wöchigen Übungsphase wurde in der Diabetesgruppe eine statistisch signifikante Erniedrigung des HbA1c gemessen (von 7,59 % auf 7,16 %). In der Kontrollgruppe blieb der durchschnittliche HbA1c-Wert unverändert.
  • Bei der Gruppe mit Typ 2 Diabetespatienten, nicht aber bei der Kontrollgruppe, kam es zu einer Funktionssteigerung der für die Immunabwehr wichtigen T-Helferzellen und zu einem Anstieg bestimmter Signalstoffe, die für eine effektive Immunantwort wichtig sind.

Obwohl man aus diesen Ergebnissen schließen kann, dass es in der Diabetesgruppe zu einer Verbesserung der Immunfunktion kam, kann man nicht sagen, ob dies lediglich auf eine Senkung des HbA1c-Wertes zurückzuführen ist, oder ob es darüber hinaus noch andere, bisher unbekannte Mechanismen gibt, die durch Tai Chi stimuliert werden. Dies herauszufinden wird die die Aufgabe künftiger Studien zu Tai Chi und Immunfunktion sein.

Fazit:
Regelmäßig praktiziertes Tai Chi kann zu einer signifikanten Senkung des HbA1c-Wertes und zu einer Verbesserung der Funktion der für die Immunabwehr wichtigen T-Helferzellen führen. Es sollte daher auch bei Bewegungs- und Sportprogrammen für Patienten mit Typ 2 Diabetes als mögliche Alternative in Betracht gezogen werden.


Dr. med. Heinz Nagel, freier Mitarbeiter von Diabetes-Deutschland.de

Quelle: Yeh S-H, Chuang H, Lin L-W et al. Regular Tai Chi Chuan exercise improves T cell helper function of patients with type 2 diabetes mellitus with an increase in T-bet transcription factor and IL-12 production. British Journal of Sports Medicine, published online on April 2, 2008
DOI: 10.1136/bjsm.2007.043562

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