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Variation in DNA-Sequenz reguliert Blutzuckerhöhe

(10.07.2008) Die Rolle des menschlichen Erbguts bei Veränderungen im Zuckerstoffwechsel ist bisher nur unvollständig geklärt. Wissenschaftler um Robert Sladek von der McGill Universität im kanadischen Montreal haben eine Variation im genetischen Erbmaterial identifiziert, die einen neuen Erklärungsansatz für die unterschiedlichen Durchschnittsblutzuckerwerte bei Nicht-Diabetikern liefert. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher jetzt in der Wissenschaftszeitschrift Science.




Die Höhe der Blutzuckerspiegel kann auch ohne Vorliegen einer Diabeteserkrankung eine wichtige Rolle spielen: Menschen, bei denen sich die Nüchtern-Glukosewerte im oberen „Normalbereich“ (aber noch unterhalb der Diabetesschwelle) bewegen, haben statistisch gesehen ein höheres Sterblichkeitsrisiko als Personen, deren Durchschnittsblutzuckerwerte niedriger liegen. Dies konnten verschiedene Studien in der Vergangenheit zeigen.

Wissenschaftler aus Kanada, Frankreich und Großbritannien habe in einer gemeinsamen Forschungsarbeit das Erbgut (= Genom) von 654 nicht-diabetischen Personen untersucht. Ihr Ziel war es, herauszufinden, warum die Durchschnittsblutzuckerwerte auch bei gesunden Menschen individuell ganz unterschiedlich sein können. Hierfür analysierte das Team um den Genetiker Robert Sladek über 390.000 Genvariationen (= Polymorphismen) im Erbmaterial der Testpersonen.

Das erfolgreiche Ergebnis: Die Forscher identifizierten eine DNA-Sequenz, das heißt eine bestimmte Abfolge von DNA-Bausteinen auf dem Träger der Erbinformation, die an der Regulierung der Blutzuckerhöhe beteiligt ist. Die DNA-Sequenz fanden sie in drei unterschiedlichen Genen. Sladek und seine Kollegen vermuten, dass diese Gene die Blutzuckerschwelle beeinflussen, ab welcher  eine erhöhte Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse ausgelöst wird: Je höher die Schwelle, umso höher steigt auch der Blutzuckerwert, bevor das Hormon Insulin regulierend eingreift. Dies könnte erklären, warum die Durchschnittsglukosewerte auch im nicht-diabetischen Bereich von Person zu Person teilweise stark variieren.

Die Ergebnisse der Genetik-Forscher sind ein weiterer Beitrag zur Klärung der Frage, welche Variationen im genetischen Code die Glukosewerte mehr oder weniger günstig beeinflussen können. Für die Zukunft erhofft man sich hieraus auch neue Erkenntnisse zur Entstehung des metabolischen Syndroms und der Erkrankung Typ 2 Diabetes. Auf jeden Fall planen die Wissenschaftler, ihre Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet fortzusetzen.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Bouatia-Naji N, Rocheleau G, Van Lommel L et al. A Polymorphism Within the G6PC2 Gene Is Associated with Fasting Plasma Glucose Levels. Science 2008; 320: 1085-1088

 

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