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Nahrungsfette regulieren Glukosespiegel über Darm-Gehirn-Leber Achse

(23.06.2008) Wissenschaftler aus Kanada haben einen neuen Signalweg identifiziert, der zur Regulation der Glukosespiegel beiträgt. Die Aufnahme fetthaltiger Nahrung wird als Information vom Darm an das Gehirn und von dort an die Leber weitergeleitet: Die Leber drosselt ihre Glukoseproduktion und der Blutzuckerspiegel sinkt. Bei übermäßiger Fettaufnahme funktioniert dieser Regelmechanismus nicht mehr – ein weiterer Erklärungsansatz für den Zusammenhang zwischen „falscher“ Ernährung und Typ 2 Diabetes.




Für die Regulation des Energie- und Glukosehaushalts sind zwei Komponenten von wesentlicher Bedeutung: Die Art und Menge der aufgenommenen Nahrung und die körpereigene Glukoseherstellung in der Leber. Aus Studien mit Nagetieren und auch Menschen ist bekannt, dass Nahrungsfette, die in den oberen Darmbereich gelangen, über Nervenreize eine „Darm-Gehirn-Achse“ aktivieren. Bei gesunden Lebewesen bewirkt dieser Reiz, dass die weitere Nahrungsaufnahme eingestellt wird. Untersuchungen aus der jüngeren Vergangenheit liefern Hinweise, dass darüber hinaus eine „Gehirn-Leber-Achse“ existiert, die ebenfalls auf Fette reagiert.

Forscher von der Universität Toronto in Kanada sind der Frage nachgegangen, ob es einen Zusammenhang zwischen beiden Signalwegen gibt – das heißt, ob Nahrungsfette im oberen Darmbereich über eine „Darm-Gehirn-Leber Achse“ die Glukosespiegel beeinflussen. Um dies zu prüfen, führten Dr. Wang und Kollegen eine tierexperimentelle Studie mit Ratten durch. Hierbei zeigte sich, dass Fette im Darm bestimmte Nerven aktivieren. Die Signale werden zunächst an das Gehirn und von hier aus an die Leber weitergeleitet. Die Leber reagiert auf den Reiz, indem sie ihre Glukoseproduktion drosselt. Dies wiederum führt zu einem Absinken der Blutzuckerspiegel.

Bei ihren Experimenten machten die Wissenschaftler aber noch eine weitere wichtige Entdeckung. Wenn die Tiere drei Tage lang hintereinander sehr fettreich ernährt wurden, funktionierte dieser Regelmechanismus nicht mehr oder nur noch eingeschränkt.
Die Folge: Die Blutzuckerspiegel stiegen auf übernormal hohe Werte an.

Die Ergebnisse der kanadischen Studie machen auf einen bisher kaum beachteten Signalweg der Blutzuckerregulation aufmerksam: Die Identifizierung der von Nahrungsfetten gesteuerten Darm-Gehirn-Leber Achse bietet sicherlich Ansatzpunkte für die Erforschung weiterer Möglichkeiten in der Diabetestherapie. Darüber hinaus bestätigt die Studie den engen Zusammenhang zwischen einer „falschen“ Ernährung und der Erkrankung Typ 2 Diabetes: Eine länger andauernde fettreiche Ernährung stört den natürlichen Regelmechanismus der Darm-Gehirn-Leber Achse und trägt so zu überhöhten Blutzuckerspiegeln bei.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de

Quelle: Wang PYT, Caspi L, Lam CKL et al. Upper intestinal lipids trigger a gut-brain-liver axis to regulate glucose production. Nature 2008; 452: 1012-1016

 

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