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Nieren-Insel- versus Nieren-Pankreas-Transplantation bei Patienten mit Typ 1 Diabetes:

Ergebnisse einer Längschnittstudie

(28.04.2008) In der Transplantationsmedizin zur Behandlung eines Typ 1 Diabetes mit gleichzeitig bestehender Niereninsuffizienz werden zwei verschiedene Verfahren praktiziert: zum einen die viel versprechende simultane Transplantation einer Niere und isolierten, menschlichen Langerhans’schen Inseln und zum anderen die simultane Pankreas-Nieren-Transplantation, die bereits seit vielen Jahrzehnten angewandt wird. Bisher gab es keinen direkten Vergleich beider Verfahren.


Pankreasgewebe

Pankreastranplantationen machen individuelle Entscheidungen notwendig

Dies sollte unter besonderer Berücksichtigung der Blutzuckerkontrolle, Nierenfunktion und von (chirurgisch bedingten) Begleitkomplikationen in einer aktuellen schweizer Studie nun geklärt werden. In dieser Studie wurden Patienten mit Typ 1 Diabetes und dialysepflichtiger Niereninsuffizienz  am Universitätskrankenhaus Zürich untersucht, die in der Zeit von Anfang 2000 bis Ende 2004 eine simultane Nieren-Insel-Transplantation (SIK) oder eine simultane Nieren-Pankreas-Transplantation (SPK) erhalten hatten. Im Verlauf wurden HbA1c, Insulinbedürftigkeit, glomeruläre Infiltrationsrate und Begleitkomplikationen bei 13 SIK Patienten und 25 SPK Patienten über eine mittlere Zeitdauer von 41 Monaten untersucht.

Ergebnisse: In der SIK-Gruppe kam es bei zwei Patienten zum Transplantatversagen der Inseln. Im weiteren Verlauf gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen SIK und SPK Patienten in Bezug auf  den HbA1c -Wert. Auch die Nierenfunktion unterschied sich nicht zwischen den Gruppen. Während in der SPK- Gruppe mit 96 % nach einem Jahr häufiger eine Insulinunabhängigkeit erreicht wurde (31 % in SIK Gruppe), gab es eine größere Rate an schweren (chirurgischen) Komplikationen bei der SPK Gruppe, die in 40 % der Fälle eine Nachoperation notwendig machte (gegenüber 0 % in SIK Gruppe).

Fazit:  Bei beiden Gruppen wurde eine Verbesserung der Blutzuckerkontrolle erzielt und das Risiko für Hypoglykämien vermindert. Auch eine Verbesserung der Lebensqualität war in beiden Gruppen zu beobachten. Die Kosten für beide Verfahren waren ebenfalls vergleichbar, wobei die Liegedauer in der SPK-Gruppe etwas höher lag. Auffällig war die hohe Rate von Nachoperationen mit immerhin 40 % in der SPK-Gruppe.
Insgesamt ist ein Urteil zugunsten des einen oder anderen Verfahrens nicht möglich. Dies ist aufgrund der vorliegenden Studie auch deshalb nicht möglich, da beide Gruppen sich in ihrer Alterszusammensetzung signifikant unterschieden. Welches Verfahren angewendet wird muss nach wie vor individuell entschieden werden, vorausgesetzt es liegen ausreichend Spenderorgane vor und es steht eine befähigte Institution zur Verfügung.


Priv.-Doz. Dr. med. Nanette C. Schloot, Teresa Tamayo, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Gerber PA, Pavlicek V, Demartines N, Zuellig R, Pfammatter T, Wüthrich R, Weber M, Spinas GA, Lehmann R;  Zürich, Schweiz. Simultaneous islet–kidney vs pancreas–kidney transplantation in type 1 diabetes mellitus: a 5 year single centre follow-up. Diabetologia. 2008;51:110-9.

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