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Niedrige Vitamin B12-Spiegel in der Schwangerschaft begünstigen Insulinresistenz beim Nachwuchs

(17.03.2008) Niedrige Vitamin B12-Spiegel in der ersten Schwangerschaftshälfte, kombiniert mit hohen Folsäurewerten zu einem späteren Zeitpunkt der Schwangerschaft, können beim Nachwuchs die Veranlagung zur Insulinresistenz fördern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie aus Indien, in der 700 schwangere Frauen und deren Kinder untersucht wurden.




Eine Insulinresistenz beim Nachwuchs kann durch niedrige Vitamin B12-Spiegel der Mutter begünstigt werden

Ein multinationales Wissenschaftler-Team führte die „Pune Maternal Nutrition“ Studie durch. Geleitet wurde die Untersuchung von Chittaranjan S. Yajnik vom King Edward Memorial Hospital in Pune (West-Indien). Indien gilt als Land mit einer sehr hohen Typ 2 Diabetesrate. Dementsprechend ist auch die Insulinresistenz, aus der sich der Typ 2 Diabetes in den meisten Fällen entwickelt, weit verbreitet. Bereits in früheren Untersuchungen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass ein niedriges Geburtsgewicht die Wahrscheinlichkeit für Insulinresistenz und Fettleibigkeit im Kindesalter erhöht. In ihrer neuen Studie gingen Yajnik und seine Kollegen der Frage nach, ob die Ernährung und die Zufuhr von Mikronährstoffen während der Schwangerschaft beim noch ungeborenen Nachwuchs die Wahrscheinlichkeit für eine Insulinresistenz im Kindesalter beeinflusst.

700 werdende Mütter aus verschiedenen Dörfern der Umgebung ließen sich in der 18. und der 28. Schwangerschaftswoche Blut abnehmen: Unter anderem wurden die Spiegel für Vitamin B12, Homocystein, Methylmalonsäure, die Erythrozyten-Folat-Spiegel („Folsäure“) und das Vorhandensein von Insulinresistenz (Nachweis mittels HOMA-IR) bestimmt. Homocystein und Methylmalonsäure sind indirekte Parameter der Vitamin B12- und Folsäure-Speicher im Körper: Eine Erhöhung weist auf einen Vitamin B12-Mangelzustand hin. Nach der Geburt wurden die Kinder dieser Mütter bis zum Alter von 6 Jahren beobachtet und auf Insulinresistenz und Übergewicht untersucht. Vollständige Daten lagen von insgesamt 674 Kindern vor.

Die Ergebnisse:
Mehr als 60 Prozent der indischen Mütter wiesen in der 18. und/oder der 28. Schwangerschaftswoche einen Vitamin B12-Mangel auf (Wert < 150 pmol/l). Über 90 Prozent hatten erhöhte Methylmalonsäure-Werte und rund ein Drittel erhöhte Homocystein-Werte. Am häufigsten betroffen waren Schwangere, die wenig Milchprodukte zu sich nahmen und sich überwiegend vegetarisch ernährten. Einen zu niedrigen Folsäurespiegel zeigte nur eine einzige Frau: Die Erythrozyten-Folat-Spiegel in der 28. Schwangerschaftswoche (SSW) waren im Durchschnitt sogar deutlich erhöht.

Bei den 6-jährigen Kindern wurde eine Insulinresistenz besonders oft dann festgestellt, wenn die Mutter in der 18. Schwangerschaftswoche unter einem Vitamin B12-Mangel gelitten hatte, oder wenn in der 28. Schwangerschaftswoche erhöhte Folat-Spiegel festgestellt wurden. Am häufigsten waren die Kinder von einer Insulinresistenz betroffen, wenn bei der Mutter sowohl ein Vitamin B12-Mangel als auch ein erhöhter Folat-Spiegel vorgelegen hatte. Übergewicht zeigten vor allem die Kinder von Müttern mit hohen Folat-Werten.

Welche Mechanismen dafür verantwortlich sind, dass ein Vitamin B12-Mangel in der ersten Schwangerschaftshälfte das Risiko für Insulinresistenz – und damit für einen späteren Typ 2 Diabetes – erhöht, ist bisher unklar. Unerwartet war der Befund, dass hohe Folsäure-Spiegel im letzten Schwangerschaftsdrittel an dem erhöhten Risiko ebenfalls beteiligt sein können. Weitere Untersuchungen zum Thema sollen nun die Rolle von Ernährung, Vitamin B12 und Folsäure für die werdende Mutter und ihr Kind genauer klären.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de.

Quelle: Yajnik CS, Deshpande SS, Jackson AA et al. Vitamin B(12) and folate concentrations during pregnancy and insulin resistance in the offspring: the Pune Maternal Nutrition Study. Diabetologia 2008; 51: 29-38

 

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