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Stammzelltherapie: Weiterer Hinweis auf Vorläuferzellen in der Bauchspeicheldrüse

(14.03.2008) Ob es in der menschlichen Bauchspeicheldrüse Vorläuferzellen gibt, aus denen sich bei Bedarf insulinproduzierende Betazellen entwickeln, ist in der wissenschaftlichen Forschung nach wie vor umstritten. Aktuelle Ergebnisse aus einer Studie mit Mäusen machen nun erneut Hoffnung auf Forschritte bei der Stammzelltherapie: Wissenschaftler aus Belgien haben in der Bauchspeicheldrüse von Mäusen so genannte Progenitorzellen entdeckt, die sich zu voll funktionsfähigen Betazellen weiterentwickeln können.




Beim Typ 1 Diabetes richten sich Immunzellen gegen die Beta-Zellen

Bei Stammzellen handelt es sich um Vorläufer der spezialisierten Zellen des Körpers. Sie sind „totipotent“, das heißt sie können sich noch in jede Art von Gewebe entwickeln. Die Abkömmlinge solcher Stammzellen bezeichnet man als Progenitorzellen (Vorläuferzellen). Im Gegensatz zu den Stammzellen sind die Progenitorzellen bereits auf ihren zukünftigen Funktionsbereich festgelegt.

Seit langem wird für insulinpflichtige Diabetiker nach Möglichkeiten geforscht, mit Hilfe der Stammzelltherapie oder dem Einsatz von Progenitorzellen wieder funktionsfähige insulinproduzierende Zellen zu erhalten. Ein Forscher-Team um Harry Heimberg vom JDRF Center der Vrije Universität Brüssel hat jetzt bei Mäusen entdeckt, dass in der Bauchspeicheldrüse tatsächlich Vorläufer der Betazellen vorhanden sind. Allerdings lassen sich diese Progenitorzellen nur schwer aufspüren.

In ihrer Studie schnürten Heimberg und seine Kollegen einen Gang in der Bauchspeicheldrüse ab, durch den normalerweise Pankreasenzyme transportiert werden. Diese Verletzung führte innerhalb von zwei Wochen zu einer Verdopplung der Betazellen. Gleichzeitig begann die Bauchspeicheldrüse der Tiere, mehr Insulin herzustellen – ein Beleg für die Funktionsfähigkeit der neu gebildeten Betazellen.

Die Wissenschaftler nehmen an, dass die Erneuerung der insulinproduzierenden Zellen durch die Entzündungsreaktion in der Bauchspeicheldrüse ausgelöst wurde. Darüber hinaus scheint ein Gen namens Neurogenin 3 (Ngn3) an der Produktion der neuen Betazellen beteiligt zu sein. Von diesem Gen ist bekannt, dass es auch bei der embryonalen Entwicklung der Bauchspeicheldrüse eine Rolle spielt. Für die Forscher besonders interessant: Die gefundenen adulten Progenitorzellen (= Zellen, die nach der Geburt vorhanden sind) unterschieden sich in keiner Weise von den embryonalen Vorläufern der Betazellen (= Zellen, die vor der Geburt vorhanden sind).

Bei den Mäusen befanden sich die Progenitorzellen im Bereich der Pankreasgänge. Wenn sich auch beim Menschen Vorläufer der Betazellen in der Bauchspeicheldrüse lokalisieren lassen, könnte dies ein weiterer großer Schritt in Richtung Stammzelltherapie der Zukunft sein. Heimberg und seine Kollegen halten es dann auch für möglich, Medikamente zu entwickeln, die diese Progenitorzellen aktivieren, so dass sich neue funktionsfähige Betazellen entwickeln. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg: In einem nächsten Schritt stehen die Wissenschaftler erst einmal vor der Aufgabe, die Befunde aus der Tierstudie beim Menschen zu bestätigen.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de.

Quelle: Xu X, D'Hoker J, Stang Ä et al. Beta cells can be generated from endogenous progenitors in injured adult mouse pancreas. Cell 2008; 132: 197-207

 

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