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Schlafqualität und Diabetesrisiko – Was ist der physiologische Zusammenhang?

(05.03.2008) Es konnte bereits in mehreren prospektiven Studien gezeigt werden, dass Schlafmangel und schlechte Schlafqualität mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht und Typ 2 Diabtes einhergehen. Die Autoren einer dieser Studien von der Medizinischen Abteilung der University of Chicago haben nun die physiologische und hormonelle Basis dieses Zusammenhangs weiter erforscht. Sie stellten die Hypothese auf, dass der sogenannte SWS-Schlaf (slow-wave sleep) eine Rolle im Glukosemetabolismus spielt und dass eine Unterdrückung des SWS-Schlafs den Zuckerhaushalt negativ beeinflusst.


Weniger Schlaf ist Risikofaktor für Diabetes Typ 2

Der menschliche Schlafzyklus besteht aus mehreren Stadien unterschiedlicher Schlaftiefe, die mehrmals pro Nacht durchlaufen werden. Es gibt den „leichteren“ REM-Schlaf (REM = rapid eye movements), der durch schnelle Augenbewegungen gekennzeichnet ist und den „tieferen“ SWS-Schlaf (SWS = slow-wave sleep), von dem man glaubt, dass er eine erholsame Wirkung hat. Der SWS-Schlaf spielt auch eine wichtige Rolle für die Gedächtnisleistung, aber ob er für Stoffwechselfunktionen wichtig ist, ist bisher nicht bekannt. Die Forscher der University of Chicago haben zur Klärung dieser Frage folgendes Versuchsmodell entwickelt:

Bei insgesamt 18 jungen gesunden und schlanken Versuchsteilnehmern wurden nach zwei Nüchten normalen Schlafs in drei aufeinander folgenden Nächten mittels kontinuierlicher EEG-Ableitung die SWS-Schlafphasen selektiv unterdrückt. Dabei wurden die Probanden nicht aufgeweckt und ihre Gesamtschlafdauer wurde nicht verändert. Während des Versuchs wurde die Glukosetoleranz durch intravenöse Glukosetoleranztests gemessen. Ebenso wurden die Glukose- und Insulinwerte gemessen und die Insulinsensitivität bestimmt. Unter anderem hat die Stude folgendes ergeben:

  • Nach drei Nüchten mit experimenteller Unterdrückung des SWS-Schlafs war die Insulinsensitivität um etwa 25% erniedrigt und erreichte damit das Niveau von Populationen mit hohem Risiko für Typ 2 Diabetes (wohlgemerkt, die Versuchsteilnehmer waren allesamt jung, gesund und schlank)
  • Die Erniedrigung der Insulinsensitivität wurde nicht kompensiert durch eine erhöhte Insulinausschüttung. Dies ist ebenfalls ein Marker für ein erhöhtes Diabetesrisiko.
  • Die Glukosetoleranz war um etwa 23% erniedrigt und lag im Bereich der Glukoseoleranz älterer Erwachsener mit eingeschränkter Glukosetoleranz.

Die Autoren ziehen die Schlussfolgerung, dass eine Reduzierung des SWS-Schlafs auch bei unveränderter Schlafdauer zu einer signifikanten Beeinträchtigung der Glukosehomöostase führt und einen Risikofaktor für Typ 2 Diabetes darstellt. Eine Verbesserung der Schlafqualität könnte daher bei Menschen mit hohem Risiko für Diabetes eine sinnvolle Intervention zur Verhinderung bzw. Hinauszögerung eines Typ 2 Diabetes sein.

Fazit: Nicht nur Schlafmangel sondern auch eine schlechte Schlafqualität stellt einen Risikofaktor für Typ 2 Diabetes dar. Diese Erkenntnis sollte beim Design von Interventionsstrategien für die Prävention von Übergewicht und Typ 2 Diabetes angemessene Berücksichtigung finden.

Dr. med. Heinz Nagel, freier Mitarbeiter von Diabetes-Deutschland.de Quelle: Tasali E, Leproult R, Ehrmann D, et al. Slow-wave sleep and the risk of type 2 diabetes in humans. Proc Natl Acad Sci, 2008 http://www.pnas.org/cgi/content/abstract/0706446105v1

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