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Frauen mit Diabetes haben ein Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen

(20.02.2008) Erkrankungen der Herzkranzgefäße sind bei Männern normalerweise viel häufiger eine Todesursache als bei Frauen. Mit einer Ausnahme: Bei Frauen mit Diabetes gleicht sich das Risiko für einen Herztod dem männlichen Geschlecht an. Die bestätigt eine große Untersuchung aus Norwegen, für die 18 Jahre lang die Krankengeschichte von fast 75.000 Menschen erfasst und analysiert wurde.




Ein Diabetes wirkt sich bei Frauen stärker auf das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen aus
Foto: BKK

Im Rahmen der bekannten HUNT-1-Studie – eine bevölkerungsbasierte Beobachtungsstudie – haben Wissenschaftler um Ane Cecilie Dale an der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technik in Trondheim die Gesundheitsdaten von 74.914 Männern und Frauen ausgewertet. Die Personen aus der norwegischen Region Trendelag hatte man damals zur Teilnahme an der Studie eingeladen. Alle Personen waren zu Beobachtungsbeginn älter als 20 Jahre. Insgesamt 2.100 Männer und Frauen hatten bereits eine Diabetesdiagnose. Während der folgenden 18 Jahre starben 19.967 Studienteilnehmer.

Die Analysen der Wissenschaftler zeigen folgendes: Innerhalb der Personengruppe ohne Diabetes und ohne Herz- und Gefäßerkrankungen zu Studienbeginn verstarben doppelt so viele Männer als Frauen an den Folgen einer Herzerkrankung (Hazard Ratio 2,2 für das Risikoverhältnis zwischen Männern und Frauen). Dieser Unterschied reduzierte sich jedoch dramatisch, wenn man nur die Gruppe der Personen mit Diabetes betrachtete. Zwischen diabetischen Männern und diabetischen Frauen glich sich das Risikoverhältnis mit einer Hazard Ratio von 1,25 deutlich an – d. h. bei den Diabetikern waren nur noch ein Viertel mehr Männer als Frauen von einem Herztod betroffen. Wenn sowohl ein Diabetes als auch eine Herzgefäßerkrankung zu Studienbeginn vorlagen, gab es sogar überhaupt keinen Unterschied mehr (Hazard Ratio 1,1): In diesem Fall verstarben Frauen genauso oft an einer atherosklerosebedingten Herzerkrankung wie ihre männlichen Altersgenossen.

Das FAZIT der Studie:
Diabetes ist bei Frauen ein noch größerer Risikofaktor für eine lebensbedrohliche Herzgefäßerkrankung als bei Männern. Der in punkto Herzkreislaufsterblichkeit eigentlich vorhandene Geschlechtervorteil für Frauen verschwindet bei Diabetikerinnen nahezu vollständig. Ähnliche Ergebnisse haben auch andere Studien in der Vergangenheit gezeigt.

Die Gründe für die sich schließende „Risikolücke“ zwischen diabetischen Frauen und Männern beim Thema Herzkreislauftod sind vermutlich vielfältig. Es wird angenommen, dass das Herzkreislauf-Risikoprofil von Diabetikerinnen grundsätzlich ungünstiger ist und dass die Arteriosklerose in den Gefäßen schneller und ausgedehnter voranschreitet. Möglicherweise tendieren Frauen mit Diabetes besonders stark zu ungünstigen Fettwerten und sind häufiger von Störungen der Gefäßfunktion (endotheliale Dysfunktion) betroffen. Ein Beispiel: Bei prämenopausalen Frauen ohne Diabeteserkrankung wurde im Vergleich zu männlichen Altersgenossen eine besonders stabile und gute Gefäßreagibilität nachgewiesen. Diabetische Frauen hingegen zeigten diesen Vorteil nicht mehr. Eine weitere Hypothese ist, dass die hohen Glukosespiegel im Blut den gefäßschützenden Effekt des weiblichen Sexualhormons Östrogen „aufheben“. Die Folgen könnten eine Zunahme des Gefäßtonus mit Bluthochdruck und eine erhöhte Gerinnungsbereitschaft sein – beides Risikofaktoren für Arteriosklerose und Herzkreislaufereignisse.

Eine Aufgabe der Zukunft wird sein, die Ursachen und Mechanismen der erhöhten Herzkreislaufsterblichkeit bei diabetischen Frauen noch genauer zu untersuchen. Auf jeden Fall müssen Frauen mit Diabetes sehr sorgfältig beobachtet und vorhandene Herzkreislaufrisiken besonders konsequent behandelt werden.


Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de

Quelle: Dale AC, Nilsen TI, Vatten L et al. Diabetes mellitus and risk of fatal ischaemic heart disease by gender: 18 years follow-up of 74,914 individuals in the HUNT 1 Study. Eur Heart J 2007; 2924-2929

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