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Insulin verbessert die Prognose beim akuten Koronarsyndrom

(25.01.2008) Das akute Koronarsyndrom (AKS) ist eine lebensbedrohliche Situation mit einer hohen Sterblichkeit in den ersten Tagen und Wochen. Viele Betroffene, die mit der Diagnose AKS in ein Krankenhaus eingewiesen werden, haben hohe Blutzuckerwerte – auch wenn vor dem Ereignis kein Diabetes bekannt war. Eine große Studie aus Großbritannien hat jetzt bestätigt, dass diese Patienten von einer Behandlung mit Insulin profitieren.


Das akute Koronarsyndrom wied durch eine plötzliche Minderdurchblutung des Herzmuskels ausgelöst

Das akute Koronarsyndrom wird durch eine plötzliche Minderdurchblutung des Herzmuskels ausgelöst

Ein akutes Koronarsyndrom wird ausgelöst durch eine plötzliche Minderdurchblutung bzw. eine mangelhafte Sauerstoffversorgung des Herzmuskels. Die Ursache ist in vielen Fällen das Aufbrechen von Gefäßablagerungen (Plaques), die sich in den Herzkranzgefäßen festsetzen, hier eine Gerinnselbildung auslösen und dadurch ein oder mehrere Gefäße zum Teil erheblich verengen. In den meisten Fällen liegt bei den Betroffenen bereits eine fortgeschrittene Atherosklerose vor. Die Konsequenzen des akuten Koronarsyndroms können unterschiedlich sein: In schweren Fällen kommt es zum Absterben von Herzmuskelzellen bis hin zum plötzlichen Herztod. Die ersten Tage und Wochen nach dem Auftreten eines akuten Koronarsyndroms gelten als besonders kritisch.

Auch bei einigen Patienten ohne zuvor bekannte Diabeteserkrankung geht das akute Koronarsyndrom mit erhöhten Blutzuckerwerten einher. Ein Studien-Team um John S. Birkhead vom Heart Hospital in London hat die Daten von 38.864 Nicht-Diabetikern ausgewertet, die in den Jahren 2003 bis 2005 mit einem AKS (Troponin positiv) in ein Krankenhaus eingewiesen wurden. Die Daten stammen aus dem National Audit of Myocardial Infarction Project (MINAP), an dem 201 Krankenhäuser in Wales und England teilgenommen hatten. Bei fast zehn Prozent der eingewiesenen Nicht-Diabetiker (3.835 Personen) ging das akute Koronarsyndrom mit erhöhten Blutzuckerwerten von mindestens 198 mg/dl (11 mmol/l) einher. Knapp ein Drittel dieser Patienten erhielten im Krankenhaus eine Insulinbehandlung.

Das Ergebnis der Auswertung von Birkhead und seinen Kollegen: Bei der mit Insulin behandelten Gruppe lag die Sterblichkeitsrate im Vergleich zur Gruppe ohne Insulin deutlich tiefer. Während 7 Tage nach dem Ereignis bereits 16,5 Prozent der Nicht-Diabetiker mit AKS und erhöhten Blutzuckerwerten verstorben waren, traf dies „nur“ für 11,6 Prozent der insulinbehandelten Patienten zu. Nach 30 Tagen betrugen die Sterblichkeitsraten 22,1 Prozent bei Patienten ohne Insulin bzw. 15,8 Prozent bei Patienten mit Insulinbehandlung. Nach dem Herausrechnen weiterer Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, vorbestehende Herz- oder Niereninsuffizienz, Höhe des Blutzuckers bei Aufnahme und einer bekannten Vorgeschichte von Herz- oder Gefäßerkrankung wurden die Unterschiede noch deutlicher: Patienten mit akutem Koronarsyndrom und Blutzuckerwerten von mindestens 198 mg/dl bei Aufnahme hatten ohne Insulinbehandlung ein um 56 Prozent höheres Risiko, die ersten 7 Tage nicht zu überleben, und ein um 51 Prozent höheres Risiko, innerhalb von 30 Tagen nach dem Ereignis zu versterben.

Fazit:
Bei Nicht-Diabetikern mit akutem Koronarsyndrom, die bei der Krankenhauseinweisung erhöhte Blutzuckerwerte aufweisen, lässt sich die Kurzzeitprognose durch eine Behandlung mit Insulin verbessern. Die Blutzuckerschwelle von 198 mg/dl wurde in dieser Studie willkürlich gewählt. Unklar ist bisher, ob sich bei Patienten mit einem AKS eine Insulinbehandlung auch unterhalb dieses BZ-Wertes günstig auswirkt.

Dr. med. Anja Lütke, freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Weston C,Walker L, Birkhead J. Early impact of insulin treatment on mortality for hyperglycaemic patients without known diabetes who present with an acute coronary syndrome. Heart 2007; 93: 1542-6

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