(31.05.2006) Ist ein Typ 2 Diabetes mit oralem Antidiabetika (Tablettentherapie) allein unzureichend
eingestellt, besteht Handlungsbedarf. Eine neue Studie hat hierzu untersucht,
ob möglicherweise eine intensive Lebensstilintervention gegenüber
einer Insulintherapie oder einer Kombination aus beidem Vorteile bietet. Dazu
wurde nicht nur der Einfluss auf Glukosespiegel und Gewichtsentwicklung untersucht,
sondern auch auf Spiegel von Signalstoffen des Fettgewebes, sogenannten Adipokinen.
Diesen wird eine besondere Rolle in der Förderung, wenn nicht sogar Auslösung
des Typ 2 Diabetes, sowie der Arteriosklerose und ihrer Folgeerkrankungen zugeschrieben. 
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| | Lebensstilveränderung schnitt in einer norwegischen Studie bei Typ 2 Diabetes besser ab als Insulinbehandlung | |
Es wurden 28 Patienten mit Typ 2 Diabetes (16 Männer, 12 Frauen) in 3
Behandlungsgruppen aufgeteilt, die bisher mit oralen Antidiabetika (Sulfonylharnstoffe
und/oder Metformin) eingestellt waren. Die erste Behandlungsgruppe erhielt eine
Lebensstilintervention mit ausführlicher Ernährungsberatung in Einzel
und Gruppensitzungen sowie ein Sportprogramm mit moderater Intensität unter
Fortführung der bestehenden oralen Medikation. In der zweiten Gruppe wurden
die oralen Antidiabetika abgesetzt und zusätzlich zur Lebensstilintervention
eine Insulintherapie begonnen, die dritte Gruppe erhielt lediglich eine Insulintherapie.
Nach einem Jahr war der HbA1c-Wert in allen 3 Gruppen um 1.0 - 1.5 % abgesunken.
Während Patienten in der Lebensstilgruppe im Mittel um 3 kg Gewicht abgenommen
hatten (-5,9 bis -2,0 kg), war das Körpergewicht bei den Patienten mit
Kombinationstherapie um 3,5 g (1,5 bis 4,9 kg) und in der insulinbehandelten
Gruppe um 4,9 kg (3,1 bis 8,2 kg) angestiegen. Die Spiegel der untersuchten
Adipokine sanken in der Lebensstilgruppe kontinuierlich über 12 Monate
ab, während sie in den beiden insulinbehandelten Gruppen unverändert
blieben oder leicht anstiegen. Wurde statistisch die Gewichtsänderung der
einzelnen Gruppen berücksichtigt, wurden die Unterschiede zwar etwas abgeschwächt,
blieben aber signifikant unterschiedlich.
Diese Studie zeigt, dass bei Patienten mit ungenügend eingestelltem Typ
2 Diabetes unter oraler Medikation eine Lebensstilumstellung einen von der Blutglukoseeinstellung
unabhängigen positiven Effekt auf Risikoparameter des Diabetes und von
Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat, die nur zum Teil durch eine Gewichtsabnahme
vermittelt zu sein scheinen. Dieser Effekt wird wahrscheinlich durch die gleichzeitige
Gabe von Insulin aufgehoben. In weiterführenden größeren Studien
muss geklärt werden, ob die beobachteten Ergebnisse sich bestätigen
und auch einen Langzeiteffekt haben.
Dr. med. Bettina Rose, Deutsche Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für
Diabetes-Forschung
Quelle:
Aas A. M. et al. Blood glucose lowering by means of lifestyle intervention has
different effects an adipokines as compared with insulin treatment in subjects
with type 2 diabetes. Diabetologia 2006;49:872 880
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