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Elektrische Muskelstimulation als Behandlungsalternative

(19.09.2005) Taubheit, Brennen oder „Ameisenlaufen“ an den Beinen sind belastende Gefühlsstörungen, unter denen etwa ein Drittel der Patienten mit Diabetes mellitus leidet. Chronisch erhöhter Blutzucker kann zu Nervenschädigungen führen, der sogenannten diabetischen Polyneuropathie. Am häufigsten sind dabei die Unterschenkel und Füße betroffen. Außer Missempfindungen sind gestörte Temperatur- und Schmerzwahrnehmung typische Zeichen, aber auch Schmerzen können sich entwickeln. Die quälenden Symptome treten in Ruhe, besonders nachts, verstärkt auf.




Hochfrequente Muskelstimulation reduziert angenehm diabetisch bedingte Nervenbeschwerden

Behandelt wird dies mit verschiedenen Medikamenten aus dem Bereich der Psychopharmaka oder Epilepsiebehandlung, oft aber mit Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Mundtrockenheit. Besonders schwer therapierbar ist die seltenere, schmerzhafte Form dieser Neuropathie. Im Deutschen Diabetes-Zentrum wurde hiergegen ein neuartiges physikalisches Therapieverfahren untersucht. Bei einer Studie in der erforscht wurde, ob sich durch die Anwendung von hochfrequenter elektrischer Muskelstimulation die Insulinresistenz bessern ließe, fiel zufällig auf, dass die Patienten über eine Minderung der neuropathischen Symptome berichteten. Daraufhin startete die Düsseldorfer Arbeitsgruppe eine Pilotstudie, in der die Wirkungen von externer hochfrequenter Elektrostimulation mittels Hochfrequenz (HF) (HiToP, gbo Medizintechnik AG, Rimbach) mit der einem anderen physikalischen Verfahren, der TENS-Behandlung (transkutane elektrische Nervenstimulation), verglichen wurden.

An der Studie nahmen 41 Patienten mit Typ 1 oder Typ 2 Diabetes teil. Zufällig zugeordnet erhielten 21 die TENS-Behandlung und 20 die HF-Stimulation, jeweils 30 Minuten täglich an drei aufeinander folgenden Tagen. Das Ausmaß ihrer Beschwerden gaben die Studienteilnehmer anhand einer Skala von 1 bis 10 an, einen Tag vor der Behandlung, an den Behandlungstagen und zwei Tage danach. Positives Ansprechen auf die Therapie war definiert als eine Symptomlinderung um mindestens drei Punkte. Eine deutliche Verbesserung gaben in der HF-Gruppe 80% der Patienten (16 von 20) an, in der TENS-Gruppe nur 33% (7 von 21). Außerdem wurde in Subgruppen untersucht, wie die beiden Therapieverfahren bei nicht-schmerzhafter und schmerzhafter Neuropathie wirken. In beiden Gruppen war die HF-Behandlung überlegen: bei den Patienten mit schmerzloser Neuropathie bei 7 von 7 Untersuchten (100%) und bei der schmerzhaften Form bei 9 von 13 Patienten (69%). TENS brachte dazu im Vergleich nur eine Beschwerdebesserung bei der schmerzlosen Form bei 4 von 9 Patienten (44%) und bei der schmerzhaften Neuropathie bei 3 von 12 Patienten (25%). Die Beschwerden traten nach einigen Tagen wieder auf, deshalb scheint eine kontinuierliche Behandlung notwendig zu sein.

Außer der Wirkung gegen diabetische Neuropathie zeigte die hochfrequente Muskelstimulation in einer weiteren Pilotstudie aber auch Qualitäten bei der Senkung des HbA1c und des Körpergewichts. 16 Personen mit Typ 2 Diabetes wendeten die HF-Behandlung sechs Wochen lang eine Stunde täglich an. Aufgrund früher japanischer Untersuchungsergebnisse war bekannt, dass elektrische Muskelstimulation die Insulinsensitivität verbessern kann. Nun erzielte die Therapie mit dem HiToP-Verfahren in der Düsseldorfer Studie eine mittlere Gewichtsabnahme von 1,4 kg Körpergewicht und eine Senkung des HbA1c um 0,6 %. Damit erbrachte elektrische Muskelstimulation erstmals signifikante Effekte, die unterstützend bei der Diabetes-Behandlung eingesetzt werden könnten. Diese Arbeit erhielt Anfang September in Bonn auf der Herbsttagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft von der Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Diabetologen einen Förderpreis für „Präventionsmodelle in Klinik und Praxis“.


Weitere Informationen zu dem HiToP-Gerät (gbo Medizintechnik AG, Rimbach) sind erhältlich unter der Info-Hotline 0821/59998-51/52

Originalpublikation: Reichstein L, Ziegler D et al. (2005) Effective treatment of symtomatic diabetic polyneuropathy by high-frequency external muscle stimulation. Diabetologia 48: 824-828


Kirsten Lindloff, Deutsche Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

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