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Wochenschwerpunkt: Hypoglykämie (Unterzuckerung)

(30.09.2002) Die Online-Redaktion am Deutschen Diabetes-Forschungsinstitut in Düsseldorf möchte Sie regelmäßig montags mit verschiedenen Schwerpunktthemen rund um eine erfolgreiche Behandlung des Diabetes mellitus vertraut machen. Folgende Schwerpunktthemen der Serie bieten wir Ihnen an:


Glas O-Saft

· Ärztliche Kontrollen beim Diabetes
· Behandlung mit Insulin
· Diabetes und Ernährung
· Behandlung mit Tabletten
· Kritische Stoffwechselsituationen
· Leben mit Diabetes
· Krankheitszeichen des Diabetes
· Begleit- und Folgeerkrankungen
· Schwangerschaftsdiabetes

Diese allumfassende, verständliche und tiefgehende "Wanderung durch alle Themen des Diabetes" finden Sie dauerhaft in der Rubrik "Was ist Diabetes".

Hypoglykämie (Unterzuckerung)

Was ist eine Unterzuckerung?

Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) ist die häufigste Nebenwirkung bei der Behandlung eines Diabetes mellitus mit Insulin und blutzuckersenkenden Tabletten wie Sulfonylharnstoffpräparaten, Gliniden und Sensitizern (Glitazone).
Letztlich liegt bei jeder Unterzuckerung ein Überangebot an Insulin bei zu geringem Kohlenhydratangebot vor. Unbehandelt können Hypoglykämien einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen.
Auch bei Nicht-Diabetikern kann eine Unterzuckerung auftreten, die dabei aber meist
nicht durch Pharmaka ausgelöst wird sondern Ausdruck verschiedener Grunderkrankungen ist. Die Therapie der Unterzuckerung besteht in der Verabreichung von Kohlenhydraten sowie speziellen Maßnahmen in Abhängigkeit von der zugrundeliegenden Ursache.


Definition der Unterzuckerung

Man unterscheidet schwere und leichte Unterzuckerungen (Hypoglykämien). Bei schweren Hypoglykämien ist Fremdhilfe erforderlich um den Zustand zu beheben. Ohne bestehende Symptome liegt eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) dann vor, wenn der Blutzucker im Kapillarblut geringer als 40 mg/dl ist. Bestehen jedoch gleichzeitig Symptome, spricht man ab einem Wert zwischen 40-50 mg/dl von einer Unterzuckerung. Generell existiert jedoch keine verbindliche Definition, da es Werte für Nichtdiabetiker sind. Wenn ein Diabetiker an hohe Zuckerwerte gewöhnt ist, können bereits bei Blutzuckerwerten von 100 mg/dl Symptome einer Unterzuckerung auftreten. Manche Patienten die eine sehr niedrige Blutzuckereinstellung oder diabetische Neuropathien haben, nehmen selbst bei Werten von 30 mg/dl keine Symptome wahr.
Wenn die Symptome durch Gabe von Glukose und/oder Glukagon zu beheben sind, so ist die Unterzuckerung auch unabhängig von der Blutzuckermessung belegt.


Häufigkeiten von Unterzuckerungen

Diabetiker erleiden durchschnittlich ein bis zwei leichte Unterzuckerungen (Hypoglykämie) pro Woche, abhängig von der Intensität und Art der Diabetestherapie. Nach 50 Jahren Diabetesdauer sind es 2500 bis 5000 solcher Unterzuckerungen. Dazu kommen jedoch noch einmal so viele Unterzuckerungen, bei denen die Betroffenen keine Symptome verspüren. Schwere Unterzuckerungen sind wesentlich seltener. Etwa 10 Prozent der Diabetiker, die eine konventionelle Insulintherapie erhalten, haben pro Jahr eine schwere Unterzuckerung. Bei der intensivierten Insulintherapie sind es etwa 26 Prozent der Patienten , die eine schwere Unterzuckerung erleben. Die erhöhte Rate der schweren Unterzuckerungen während einer intensivierten Insulintherapie macht eine genauere Selbstkontrolle und eine spezielle Schulung durch Fachkräfte erforderlich.


Wie kommt es zu einer Unterzuckerung?

Die Unterzuckerung (Hypoglykämie) ist die häufigste Nebenwirkung bei der Behandlung mit Insulin und mit blutzuckersenkenden Tabletten, insbesondere Sulfonylharnstoffe, Glinide und Sensitizer. Grundsätzlich besteht in der Situation einer Unterzuckerung ein Missverhältnis zwischen der vorübergehenden übermäßigen pharmakologischen Insulinwirkung und der zu niedrigen Blutzuckerkonzentration im Blut. Die Ursachen hierfür können sehr vielfältig sein:

  • Eine zu hohe Dosis von Insulin oder blutzuckersenkenden Medikamenten
  • Eine zu niedrige Nahrungs- bzw. Zuckermenge bei gleichbleibender Insulin- oder Tablettendosis
  • Zu großer körperliche Belastung bei gleichbleibender Insulin- oder Tablettendosis
  • Alkohol, da dieser die Blutzuckerkonzentration im Blut senkt (ggf. z.B. bei Bier nach vorübergehendem Blutzuckeranstieg)
  • Zu großer Spritz-Eß-Abstand

Auch Patienten mit einer normalen Blutzuckerkonzentration können Anzeichen einer Unterzuckerung entwickeln. Das liegt daran, daß sie aufgrund ihres schlecht eingestellten Diabetes an sehr hohe Zuckerwerte gewöhnt sind.

Krankheitszeichen bei einer Unterzuckerung

Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) kann sich durch folgende Symptome äußern:

  • Zittern
  • Unruhe
  • Hungergefühl
  • Kalter Schweiß
  • Schwächegefühl
  • Starkes Herzklopfen
  • Taubes Gefühl oder Kribbeln an Mund, Beinen oder Händen
  • Atem- und Kreislaufstörungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Müdigkeit
  • Sehstörungen
  • Bewusstseinsstörungen
  • Krämpfe
  • Bewußtlosigkeit

Die Symptome einer Unterzuckerung treten nicht alle gleichzeitig auf und sind auch individuell sehr verschieden. Das bedeutet, daß der Patient meistens zwei bis drei bestimmte Symptome verspürt, die sich in der Art und auch der Intensität, also innerhalb der subjektiven Wahrnehmung ändern können. Wenn ein Diabetes längere Zeit besteht, kann es passieren, daß Patienten diese Warnsymptome im Laufe der Zeit nicht mehr so intensiv wahrnehmen wie bei Beginn ihrer Erkrankung.
Bei einigen Diabetikern treten Unterzuckerungen auch ohne die oben genannten Symptome auf. Diese Patienten erleiden plötzliche Krämpfe, zudem kann es zur Bewußtlosigkeit kommen und zwar ohne daß andere Symptome als Vorwarnung auftreten. Dies tritt meistens bei Patienten auf, die eine diabetische Nervenerkrankung (Neuropathie) haben.

Untersuchungen wegen Unterzuckerungen

Um Unterzuckerungen (Hypoglykämien) bei Diabetikern zu erkennen und einen geeigneten Therapieplan erstellen zu können, müssen Blutzuckermessungen durchgeführt werden. Bei Wahrnehmungsstörungen von Unterzuckerungen oder nächtlichen Unterzuckerungen ist häufig ein stationärer Klinikaufenthalt erforderlich.

Blutzuckerkontrollen durch die Betroffenen:

Um einer Unterzuckerung entgegenzuwirken, muss der Diabetiker eine engmaschige Blutzuckerkontrolle durchführen und regelmäßig seine Werte protokollieren. Die Blutzucker-Selbstkontrolle erfolgt durch Teststreifen, auf die ein Tropfen Blut aus dem seitlichen Rand der Fingerbeere aufgetragen wird. Um die Blutglucosekonzentration mit einer ausreichenden Genauigkeit bestimmen zu können, müssen Diabetiker im Umgang mit den Teststreifen angelernt werden. Unter Anleitung durch Schulungspersonal können dann Handhabungs- und Ablesefehler korrigiert und die Konsequenzen für die Therapieanpassung erlernt werden..

Um die Ursache einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) bei Nicht-Diabetikern zu klassifizieren, kann der Arzt eine Reihe von Untersuchungen durchführen. Bei Verdacht auf eine Unterzuckerung aufgrund einer überschießenden Insulinsekretion bei Nicht-Diabetikern wird der orale Glucose-Toleranztest (oGTT) verwendet. Dieser Test liefert Hinweise auf die Fähigkeit des Körpers, eine definierte Menge an Glucose abzubauen. Die Glucose wird als Zuckerlösung auf nüchternen Magen getrunken. Die Messung von Blutzucker und Insulin
wird in bestimmten Abständen durch den Arzt vorgenommen.

Wenn bei Unterzuckerungen der Verdacht auf ein Insulinom (insulinproduzierender Tumor) besteht, werden zum Zeitpunkt der Unterzuckerung neben dem Blutzucker auch Insulin-, C-Peptid- und Proinsulin-Spiegel gemessen. Entscheidend für die Diagnose ist ein kontrollierter Hungertest, der stationär in einem Krankenhaus über drei Tage durchgeführt wird. Bei gesunden Personen wird die Insulinproduktion des Körpers bei tiefen Blutzuckerwerten abgeschaltet. Bei Patienten mit einem Insulinom dagegen ist nach wie vor Insulin und C-Peptid nachweisbar. Das liegt daran, daß der Tumor kontinuierlich Insulin produziert.


Den Unterzuckerungen ähnliche Erkrankungen

Unterzuckerungen bei Nicht-Diabetikern

Wenn der Blutzuckergehalt unter den festgesetzten Wert von 40 mg/dl fällt, spricht man von einer Unterzuckerung (Hypoglykämie). Es können unterschiedliche Symptome wie zum Beispiel Zittern, Heißhunger, kalter Schweiß, Krämpfe oder Bewusstseinstörung auftreten, die in ihrer individuellen Stärke, Reihenfolge und Anzahl der verspürten Symptome variieren können.
Es existieren jedoch auch andere Erkrankungen, die mit Symptomen, vergleichbar mit denen einer Unterzuckerung, einhergehen können. Schwere psychische Erkrankungen können Symptome wie Zittern oder Unruhe aufweisen. Kalter Schweiß muß nicht nur infolge einer Unterzuckerung auftreten, sondern kann krankhaft bedingt sein (Hyperhidrose). Zerebrale Anfallsleiden gehen oft mit Symptomen wie Zittern, Krämpfen und Bewußtlosigkeit einher. Unruhe, Zittern, Kaltschweißigkeit können ebenfalls ein Ausdruck von Herzerkrankungen sein. Es ist die Aufgabe des Arztes, diese Symptomatik differentialdiagnostisch abzuklären.

Treten bei ansonsten gesunden Menschen Unterzuckerungen auf, sollte abgeklärt werden, ob es sich dabei vielleicht um ein Insulinom handelt. Insulinome sind in der Regel gutartige Tumoren der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), welche Insulin produzieren. Die Diagnose wird durch endokrinologische Untersuchungsmethoden gesichert. Dieser sehr seltene Tumor tritt bei Frauen doppelt so häufig auf als bei Männern und kann prinzipiell in jedem Lebensalter auftreten, das durchschnittliche Manifestationsalter liegt jedoch bei 50 Jahren. Wenn es sich um einen einzelnen Tumor handelt, kann dieser durch eine gewebeschonende Herausnahme des Knotens (Enukleation) entfernt werden. Handelt es sich jedoch um mehrere Knoten, wird in der Regel die Bauchspeicheldrüse teilweise oder ganz entfernt (Pankreasresektion). In weniger als 10 Prozent der Fälle treten Insulinome in Verbindung mit der sogenannten multiplen endokrinen Neoplasie (MEN) auf und ist hier mit einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen verbunden. Insulinome haben einen geringen Durchmesser, der bei maximal 1,5 cm liegt, so daß die Lokalisation vor der Operation auch mit modernen bildgebenden Verfahren wie Sonographie, Computertomographie und Kernspintomographie nur zu etwa 90 Prozent möglich ist. Bei einer verminderten Nebennierenrindenfunktion (Morbus Addison) treten neben anderen auch die Symptome einer Unterzuckerung auf. Diese Erkrankung wird mit Kortison behandelt.
Schwere Unterfunktionen der Schilddrüse oder der Hirnanhangdrüse sind durch Störungen des Hormonhaushaltes gekennzeichnet und können Unterzuckerungen hervorrufen. Diese Erkrankungen werden durch eine Hormontherapie behandelt.
Die alimentäre Hypoglykämie (früher auch als reaktive Hypoglykämie bezeichnet) ist eine bestimmte Form der Unterzuckerung bei der nach Aufnahme aufgeschlossener Kohlenhydrate ohne Ballaststoffe die Insulinausschüttung stimuliert wird, während gleichzeitig eine schnelle Entleerung des Magens, bzw. ein rascher Verbrauch an Kohlenhydraten erfolgt. Diese Form der Unterzuckerung kommt aber auch bei Menschen vor, die zuvor am Magen operiert wurden. Als Folge der verlängerten Insulinwirkung sinkt der Blutzuckerspiegel stark ab (unter 40 mg/dl) und es treten Symptome der Unterzuckerung wie Zittern, Unruhe und Kreislaufstörungen auf. Die Behandlung der alimentären Hypoglykämie erfolgt durch eine Umstellung auf ballaststoffreiche Kost unter Vermeidung von freien Zuckern. Es erweist sich manchmal als nützlich, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt anstelle von 3 üppigen zu sich zu nehmen.

Weitere Gruppen, bei denen Unterzuckerungen auftreten können, sind:

  • Bei Patienten, die unter angeborenen Stoffwechselerkrankungen leiden z.B. an der Glykogen-Speicherkrankheit, Fructose-Intoleranz oder Galaktosämie
  • Patienten, denen der Magen entfernt wurde
  • Krebspatienten
  • Patienten, die eine stark verminderte Leberfunktion haben (Leberzirrhose, Hepatitis)
  • Durch bestimmte Medikamente z.B. Analgetika, Antiarrythmika oder bestimmte Antibiotika können Unterzuckerungen provoziert werden.

In der Regel treten bei gesunden Personen Unterzuckerungen praktisch nicht auf, da Gegenhormone einer Unterzuckerung entgegensteuern. Bei Menschen mit Mangelernährungen und zu langem Fasten oder Alkoholkonsum auf nüchternem Magen kann es jedoch zu einer Unterzuckerung kommen. Auch Personen, die unter zu starker körperlicher Belastung ohne ausreichende Nahrungszufuhr stehen, erleiden Unterzuckerungen. Diese Formen der Unterzuckerungen sind jedoch sehr selten und bei einer vernünftigen und ausgewogenen Ernährung praktisch auszuschließen.


Behandlung der Unterzuckerung

Zunächst unterscheidet man leichte und schwere Unterzuckerungen, die einer jeweils unterschiedlichen Behandlung bedürfen.
Leichte Unterzuckerungen kann der Patient selbst behandeln, bei einer schweren Unterzuckerung ist er auf fremde Hilfe angewiesen. Spätestens bei einem Blutzuckerwert von 50 mg/dl sollten jedoch Maßnahmen eingeleitet werden.

Was kann der Patient vorbeugend tun?

  • Grundsätzlich immer Traubenzucker griffbereit halten
  • Durch regelmäßige Blutzuckermessungen das Risiko für eine Unterzuckerung verringern, um auf diese Weise eine optimale Anpassung der Insulin- und Tablettendosis zu erreichen
  • Zwischenmahlzeiten einführen, um so starke Schwankungen der Blutzuckerwerte zu vermeiden


Speziell für insulinbehandelte Diabetiker ist zu empfehlen:

  • Die Insulindosis nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt insgesamt so einstellen, daß keine Unterzuckerungen auftreten
  • Immer eine Glucagon-Spritze bei sich tragen und auch auf Reisen mitnehmen (und vor allem seine Angehörigen und Freunde im Gebrauch der Glucagon-Spritze unterweisen!)
  • Bei sportlichen Aktivitäten immer zusätzliche Kohlenhydrate z.B. Dextro-EnergenÒ bereithalten und vor (und bei vielen Patienten auch noch lange nach) geplanten stärkeren körperlichen Belastungen die Insulin-Dosis verringern
  • Wenn die Blutzuckerwerte insgesamt sehr niedrig liegen, sollte eine erneute Einstellung der Insulindosis erfolgen (nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt)


Leichte Unterzuckerung - Die Behandlung durch den Patienten selbst

Die leichte Unterzuckerung kann von dem Patienten selbst behandelt werden, wenn Symptome wie Zittern, Schweißausbrüche, Herzklopfen, plötzlicher Heißhunger, Kribbeln der Finger und Lippen, Blässe und Angst auftreten. Diese Symptome müssen nicht alle auftreten und sind individuell verschieden.
Gegen eine leichte Unterzuckerung helfen dann in der Regel ein bis zwei Stück Traubenzucker. Dies entspricht etwa 10-20 Gramm Glucose. Alternativ kann auch ein Glas Fruchtsaft helfen. Man muß jedoch darauf achten, daß diesen Säften keine künstlichen Süßstoffe zugesetzt wurden wie z.B. in Diätsäften. Am besten sind in diesem Fall die Fruchtsaftgetränke. Fruchtsaft enthält 100 Prozent Frucht, Fruchtsaftgetränk enthält 50 Prozent Frucht und der Rest ist vor allem Zucker. Auch Cola enthält sehr viel Zucker und kann daher den Blutzucker erhöhen.
Patienten, die eine Unterzuckerung bemerken, sollten immer folgende Regel beachten: Erst essen, dann messen und schließlich überlegen, wie es zu dieser Unterzuckerung kommen konnte und wie man diese in Zukunft vermeiden kann.
Das Risiko, daß sich aus einer leichten eine schwere Unterzuckerung entwickelt, ist groß. Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist der Patient aufgrund eigener Hilflosigkeit (Verwirrtheit, Krampfanfälle, Bewusstseinstrübung oder gar Bewußtlosigkeit) nicht mehr in der Lage, selbst Gegenmaßnahmen zu ergreifen, und ist dann auf die Hilfe Dritter angewiesen.


Schwere Unterzuckerung - Die Behandlung durch den Arzt

Schwere Unterzuckerungen sind dadurch gekennzeichnet, daß die Patienten sich selbst nicht mehr helfen können. Im Falle einer schweren Unterzuckerung mit Bewußtlosigkeit muß grundsätzlich der Notarzt verständigt werden. Dieser kann dann Glucose intravenös verabreichen. Wichtig für eine rasche und sichere Diagnosestellung durch den Notarzt ist, daß er von dem Diabetes Kenntnis hat und die Situation auch als schwere Unterzuckerung einschätzen kann. Daher sollte jeder insulinbehandelte Diabetiker stets einen Diabetikerausweis, ein entsprechendes Armband oder eine SOS-Kapsel tragen, damit im Notfall die richtige Behandlung erfolgen kann.


Hilfe durch Angehörige/Freunde

Auch Angehörige oder Freunde die mit dem Diabetes vertraut sind, können im Falle einer schweren Unterzuckerung erste Hilfe leisten. Zuerst sollte versucht werden, dem Patienten Zucker in Form von Traubenzucker-Täfelchen oder Fruchtsaft zuzuführen, und zwar bevor dieser bewußtlos ist. Ist die Bewußtlosigkeit eingetreten, können Angehörige eine Glucagon-Spritze verabreichen, welche z.B. in den Oberschenkelmuskel injiziert wird. Glucagon ist das Gegenhormon des Insulins, welches zu einem raschen (aber nur kurzdauernden) Anstieg des Blutzuckers führt, indem Reservezucker aus Leber und Muskel freigesetzt werden. Wenn der Patient wieder zu Bewusstsein kommt, muß daher unbedingt (trotz eventueller Glucagon-Nebenwirkungen Übelkeit oder Erbrechen) noch zusätzliche Glucose verabreicht werden, z.B. in Form von Traubenzucker-Täfelchen oder Fruchtsaft, um ein erneutes Abfallen des Blutzucker-Spiegels zu verhindern.
Vor allem bei langer Diabetesdauer, aber auch nach starker körperlicher Belastung, Alkohol konsum, nach längerem Fasten oder bei Lebererkrankungen kann es dazu kommen, daß Glucagon den Blutzucker-Spiegel nicht erhöht, da dann keine ausreichenden Glucosespeicher in der Leber mehr vorhanden sind.
Daher sollte im Falle einer schweren Unterzuckerung immer ein Notarzt verständigt werden..
Auch bei schweren Unterzuckerungen, die im Rahmen einer Behandlung mit Sulfonylharnstoffpräparaten (Tabletten) auftreten können, muß nach Gabe von Glucagon und kurzem Aufwachen mit einer erneuten Bewußtlosigkeit gerechnet werden, so daß unbedingt eine Klinikeinweisung erforderlich ist.

Verlauf von Unterzuckerungen

Auch bei der intensivierten Insulintherapie mit dem Ziel, die Stoffwechsellage eines Gesunden bestmöglich nachzuahmen, treten oft leichte Unterzuckerungen auf und sind somit bisweilen alltäglich (und bei einer guten Diabeteseinstellung fast unvermeidlich). Alltäglich ist aber nicht gleichbedeutend mit ungefährlich, da leichte Unterzuckerungen oft - wenn sie nicht sofort erkannt und behandelt werden- in schwere Unterzuckerungen übergehen können. Der Patient kann sich (oder auch anderen) während einer schweren Unterzuckerung durch Unfälle wie Stürze oder während einer Autofahrt schwere körperliche Verletzungen zufügen. Bei sehr lang anhaltenden schweren Unterzuckerungen besteht die Gefahr schwerer neurologischer Schäden oder sogar des Todes. Dies ist zum Glück sehr selten geworden, da sich die Qualität der medizinischen Versorgung stark verbessert hat.
Nicht ganz geklärt ist die Frage, inwieweit sich wiederholte Unterzuckerungen auf die Funktion des Gehirns auswirken. Bei Kindern, die häufig schwere Unterzuckerungen erlitten haben, wurden - zwar geringe, aber dennoch meßbare - verschlechterte Schulleistungen festgestellt. Es gibt aber auch viele Studien, die keine negativen Auswirkungen schwerer Unterzuckerungen auf die Intelligenz feststellen konnten.


Vorbeugung von Unterzuckerungen und Selbsthilfe

Um Unterzuckerungen (Hypoglykämie) bei Diabetikern vorzubeugen, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten. Die Betroffenen sollen immer Taubenzucker mit sich führen. Bei einer drohenden Unterzuckerung sollten dann 1-2 Täfelchen gegessen werden. Des weiteren kann das Risiko einer Unterzuckerung durch eine stabile Stoffwechseleinstellung und regelmäßige Blutzuckermessungen verringert werden, da eine optimale Anpassung der Insulin- bzw. Tablettendosis erfolgen kann. Durch sportliche Aktivitäten wird der Verbrauch an Zucker gesteigert, so daß bei Diabetikern die Insulindosis vor und nach der geplanten Aktivität verringert werden sollte. Der Diabetiker sollte seinen Arzt nach Glucagon-Spritzen fragen. Glucagon ist das Gegenhormon des Insulins und es sorgt für eine kurzandauernde Freisetzung von gespeichertem Zucker aus der Leber. Die Angehörigen und Freunde des Betroffenen können dann vom Arzt in den Gebrauch der Glucagon-Spritze unterwiesen werden, so daß im Notfall eine Erstbehandlung gesichert ist. Der Diabetiker muss immer damit rechnen, daß er außerhalb seines vertrauten Umfeldes eine Unterzuckerung erleiden kann. Daher sollte der Betroffene immer einen Diabetiker-Pass oder eine SOS-Kapsel tragen so daß im Notfall die richtige Behandlung ohne Verzögerung erfolgen kann.
Sehr wichtig und lohnend ist die regelmäßige Führung eines Diabetiker-Tagebuchs (Gesundheitspass Diabetes DGG), in welchem die Insulin- bzw. Tablettendosis, das Gewicht, die Aktivitäten und die besonderen Vorkommnisse vermerkt werden. Das erleichtert es nicht nur dem Patienten sondern auch dem behandelnden Arzt die Behandlung des Diabetes und hilft, unerwünschte Ereignisse wie Unterzuckerungen zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Wichtig ist die spezielle Schulung des Diabetikers, der ihn oder sie, in die Lage versetzt, mit der Krankheit besser umzugehen. Zu empfehlen ist auch die Mitgliedschaft in Selbsthilfegruppen.
Dabei lernt der Diabetiker auch andere Betroffene kennen und kann durch den konkreten Erfahrungsaustausch auch selbst profitieren.

Praktische Tipps für die Reise

Diabetiker müssen sich besonders gut auf bevorstehende Reisen vorbereiten. Dies gilt in besonderem Maße für Reisen in fremde und ferne Länder. An folgende Utensilien sollte der Diabetiker unbedingt denken:

  • Spritzen
  • Für Pen-Benutzer falls der Pen versagt: U 100 Insulin-Spritzen
  • Insulin-Pen
  • Genügend Insulin bzw. Tabletten
  • Blutzucker-Messgerät und passende Ersatzbatterien
  • Blutzucker- und Keton-Teststreifen
  • Alkoholtupfer und Kanülen
  • Traubenzucker
  • Glucagon-Spritze gegen schwere Unterzuckerungen
  • Eine spezielle Tasche, in der das Insulin kühl gehalten wird
  • Ein mehrsprachiger Diabetiker-Ausweis
  • Bescheinigung des Arztes in englischer Sprache, daß die benötigten Medikamente für den eigenen Bedarf bestimmt sind (für den Zoll relevant)

In jedem Falle sollte vor Beginn einer längeren Reise der Rat des behandelnden Arztes eingeholt werden, da Klimaveränderungen und eventuelle Ernährungsumstellungen gesundheitliche Probleme verursachen können. Sehr wichtig ist es, sich frühzeitig über Impfungen zu informieren, da Erkrankungen zu schweren Stoffwechselentgleisungen führen können.

Gunilla Erdmann, Prof. Dr. med. Werner Scherbaum; Deutsches Diabetes-Forschungsinstitut Düsseldorf

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