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Neues zum Gestationsdiabetes

Ein Schwangerschaftsdiabetes tritt in 2-9% aller Schwangerschaften auf und ist damit eine der häufigsten Schwangerschafts- komplikationen. Der erhöhte Blutzucker der Mutter führt – unbehandelt – zu einem erhöhten Risiko für Makrosomie beim Kind und für Komplikationen unter der Geburt. Viele Arbeiten berichten über die höhere Gefahr eines intrauterinen Fruchttods. Außerdem gibt es Hinweise dafür, dass diese Kinder später ein höheres Risiko für Übergewicht und eine gestörte Glucosetoleranz haben.


Dr. Brigitte Pawlowski

Dr. Brigitte Pawlowski,
Deutsche Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums DDZ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Obwohl diese Risiken seit vielen Jahren bekannt sind, gibt es kontroverse Meinungen darüber, ob durch Screening und Behandlung des erhöhten mütterlichen Blutzuckers sich die Gefahr für das Kind deutlich senken lässt. Dafür fehlt bisher die wissenschaftliche Evidenz. Aus diesen Gründen konnte bisher die Untersuchung auf Schwangerschaftsdiabetes nicht als obligate Vorsorgeuntersuchung deklariert werden, obwohl die diabetologischen und geburtshilflichen Fachgesellschaften das seit langem fordern.

In der Juniausgabe des New England Journal of Medicine wurde nun das Ergebnis der „Australian Carbohydrate Intolerance Study in Pregnant Women (ACHOIS) veröffentlicht. In dieser randomisierten klinischen Studie wurde untersucht, ob die Behandlung des Gestationsdiabetes die perinatalen Komplikationen vermindern kann und ob die Behandlung Auswirkungen auf die Lebensqualität und die psychische Verfassung der Mütter hat.

1.000 Frauen nahmen an der Studie teil, die an 14 australischen und 4 englischen Entbindungskliniken durchgeführt wurde. Bei den Müttern wurde zwischen der 24. und 34. SSW ein Glucosebelastungstest durchgeführt. Zugrunde gelegt wurden die damaligen WHO Kriterien für eine gestörte Glucosetoleranz (nüchtern < 140 mg/dl, nach 2 Std. zwischen 140 – 198 mg/dl). Mütter mit höheren Blutzuckerwerten wurden nicht in die Studie aufgenommen.

510 Frauen blieben in dem Routinevorsorgeprogramm. 490 Frauen erhielten eine Diätberatung und erlernten die Blutzuckerselbstkontrolle, die sie 4x pro Tag durchführen mußten. Ziel war es, die Nüchternwerte unter 99 mg/dl und die Werte nach den Mahlzeiten unter 126 mg/dl zu halten. Wenn das nicht gelang, erhielten die Frauen zusätzlich eine Insulintherapie. Das Ergebnis in der behandelten Gruppe war deutlich besser. In der Interventionsgruppe verstarb kein Kind während es in der Kontrollgruppe 5 Todesfälle gab. Insgesamt konnte die Häufigkeit der schweren Komplikationen wie Tod, Schulterdystokie, Knochenbrüche oder Nervenlähmungen von 4% auf 1% gesenkt werden. In der Kontrollgruppe hatten mehr als doppelt soviele Kinder eine Makrosomie (definiert als Geburtsgewicht über 4.000 g).

In der behandelten Gruppe wurden 71% der Kinder auf der Neugeborenenstation nachbetreut im Gegensatz zu 61% in der Kontrollgruppe. Der Anteil der eingeleiteten Geburten war ebenfalls in der Interventionsgruppe mit 39% höher als in der Kontrollgruppe mit 29%. Die Autoren haben diskutiert, ob der höhere Prozentsatz durch die Diagnosekenntnis der behandelnden Geburtshelfer bedingt war. Allerdings war die Kaiserschnittrate in dieser Gruppe mit 31% gegenüber 32% in der Kontrollgruppe nicht erhöht.

Drei Monate nach der Entbindung untersuchten die Autoren die psychische Situation der Mütter. Dabei gaben die Frauen der behandelten Gruppe eine bessere Lebensqualität an. Der Anteil der Depressionen nach der Geburt war in dieser Gruppe um mehr als die Hälfte niedriger als in der unbehandelten Gruppe.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Behandlung des Gestationsdiabetes den Anteil der schweren Komplikationen unter der Geburt deutlich verringern kann und die Lebensqualität der Mütter erhöhte.

In früheren Arbeiten war der Verdacht geäußert worden, Schwangere würden durch die Diagnose eines Gestationsdiabetes in ihrem gesundheitlichen Wohlbefinden beeinträchtigt.

Diese Arbeit ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer evidenzbasierten Richtlinie des Gestationsdiabetes.
Zur Zeit läuft die HAPO-Studie, die den Zusammenhang zwischen der Höhe des mütterlichen Blutzuckerspiegels und den Auswirkungen auf das Kind testet.

Eine weitere randomisierte Studie in den USA untersucht, wie sich die Therapie bei einem milden Gestationsdiabetes auf Mutter und Kind auswirkt, ähnlich wie bei dieser Studie.

Insgesamt ist also ein Screening auf Gestationsdiabetes zu empfehlen, da die Behandlung solcher Fälle das Risiko für Komplikationen vermindert.


Dr. Brigitte Pawlowski, Deutsche Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums DDZ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quellen:
Crowther, CA et al.: Effect of Treatment of Gestational Diabetes Mellitus on Pregnancy Outcomes. N Engl J Med 2005; 352:2477-2486.
HAPO Study Cooperative Research Group. The Hyperglycaemia and Adverse Pregnancy Outcome (HAPO) Study. Int J Gynaecol Obstet 2002; 78:69-77.
Landon, MB et al.: A Planned Randomized Clinical Trial of Treatment for Mild Gestational Diabetes Mellitus. J Matern Fetal Neonatal Med 2002; 11:226-31

Dieser Beitrag wurde inhaltlich zuletzt im Oktober 2003 aktualisiert

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