In einer deutschen Apotheke können Sie theoretisch zwischen mehr als
70 unterschiedlichen Insulinprodukten (DDG Insulintabelle 2000) auswählen.
Bei dieser Vielfalt ist es auf den ersten Blick gar nicht so einfach,
die Übersicht zu behalten.

| 
| 
| | Prof. Dr. med.
Thomas Haak, Chefarzt Diabetes Zentrum; Bad Mergentheim | |
Hier eine Übersicht über diesen Artikel:
-Mehr als 70 unterschiedliche Insulinprodukte auf dem Deutschen
Markt
-Woher kommt das Insulin?
-Insulin ist eine konzentrierte Lösung
-Normalinsulin contra Turboinsulin?
-Verzögerungsinsulin so langsam wie möglich
Mehr als 70 unterschiedliche Insulinprodukte auf dem Deutschen Markt
In einer deutschen Apotheke können Sie theoretisch zwischen mehr als
70 unterschiedlichen Insulinprodukten (DDG Insulintabelle 2000) auswählen.
Bei dieser Vielfalt ist es auf den ersten Blick gar nicht so einfach,
die Übersicht zu behalten. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch,
dass es bei Insulinen zwar eine große Produktpalette gibt, sich aber nur
eine kleine Anzahl dieser Insuline durch besondere Eigenschaften von der
breiten Masse abhebt. Die Vielfalt an Insulinen ergibt sich zum einen
aus der Tatsache, dass auf dem deutschen Markt verschiedene Hersteller
von Insulin vertreten sind, und zum anderen daraus, dass die Insuline
durch unterschiedliche Herstellungsverfahren gewonnen sowie in unterschiedlichen
Konzentrationen und Mischungen angeboten werden.
Woher kommt das Insulin?
Beim Stoffwechselgesunden wird das Hormon Insulin von den Langerhans-Zellen
der Bauchspeicheldrüse hergestellt. Bei der Synthese dieses Hormons werden
verschiedene Aminosäuren in einer fest vorgegebenen Reihenfolge zu einer
Aminosäurekette aneinandergefügt. Letztendlich entsteht auf diesem Weg
ein komplexes Eiweißgebilde, welches aus 51 Aminosäuren, der A-Kette mit
21 und der B-Kette mit 30 Aminosäuren, aufgebaut ist.
Kommt es infolge des Diabetes mellitus dazu, dass Insulin durch Injektion
ersetzt werden muss, gibt es im Labor gewonnene biosynthetisch hergestellte
Insuline, welche das fehlende körpereigene Hormon ersetzen. In den Anfängen
der Insulintherapie wurde Insulin aus den Bauchspeicheldrüsen von Rindern
und Schweinen gewonnen. Bei diesen sogenannten tierischen Insulinen
unterscheidet sich die Aminosäurekette bei Rinderinsulin an zwei Stellen
und bei Schweineinsulin an einer Position von menschlichem Insulin (Abb.1).
Abb. 1
Wegen ihrer besseren Verträglichkeit werden die auf dem Markt erhältlichen
tierischen Insuline heute nur noch aus Schweinebauchspeicheldrüsen gewonnen,
die synthetisch so verändert werden, dass sie exakt dem Aufbau des menschlichen
Insulins entsprechen.
Zum aktuellen Zeitpunkt werden jedoch mehr als 95 % aller Insulinbehandlungen
in Deutschland mit gentechnologisch hergestellten Humaninsulinen durchgeführt,
welche in ihrem Aufbau ebenfalls dem menschlichen Insulin identisch sind.
Der deutsche Insulinmarkt wird durch 5 Unternehmen bestimmt. Dazu zählen
die deutschen Hersteller Aventis Pharma AG (ehemals Hoechst AG)
und Berlin-Chemie AG, sowie der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk und
die amerikanische Firma Eli Lilly and Company. Neu auf dem Insulinmarkt
sind seit Oktober 2000 die Humaninsuline der Firmen B. Braun Petzold GmbH
und ratiopharm GmbH.
Insulin ist eine konzentrierte Lösung
Insuline sind in Deutschland in unterschiedlichen Konzentrationen erhältlich.
Die Konzentration der für die Insulinpens hergestellten 3 ml Penpatronen
beträgt 100 Insulineinheiten pro ml Lösung (U-100 Insulin). Das bedeutet,
dass in einer Penpatrone mit 3 ml Insulinlösung insgesamt 300 Einheiten
Insulin enthalten sind.
Patienten, die Insulin mit der Spritze selbst aufziehen, verwenden in
der Regel U-40 er Insuline. Diese werden in 10 ml Fläschchen angeboten
und die Lösung hat eine Konzentration von 40 Insulineinheiten pro ml Lösung,
also 400 Insulineinheiten pro Fläschchen. Das Insulin in den Reservoiren
der Insulinpumpen ist ebenfalls meistens U-100-Insulin.
Zugefügt werden der Insulinlösung bei der Herstellung noch andere
Substanzen beigemengt. Hierbei handelt es sich um verschiedene
Konservierungsstoffe und desinfizierende Substanzen, wie z.B. Phenol
oder Cresol. Diese sind auch verantwortlich für den typischen Geruch des
Insulins. Den sogenannten Verzögerungsinsulinen werden Verzögerungsstoffe
zugesetzt, welche die Geschwindigkeit der Insulinwirkung verlangsamen.
Alle verwendeten Substanzen sind in der zugesetzten Menge gesundheitlich
unbedenklich. Nur in Ausnahmefällen gibt es Patienten, die auf diese Stoffe
allergisch reagieren.
Normalinsulin contra Turboinsulin?
Die Geschwindigkeit, in welcher das gespritzte Insulin aus dem Unterhautfettgewebe
in den Blutkreislauf aufgenommen wird, ist u.a. abhängig von der verwendeten
Insulinart. Prinzipiell gibt es nur zwei Insulinpräparationen, kurzwirksame
und langwirksame Insuline sowie Mischungen daraus.
Die kurzwirksamen Insuline sind unter verschiedenen Synonymen
bekannt und werden eingesetzt, um die schnelle Insulinantwort des Stoffwechselgesunden,
z.B. nach Nahrungsaufnahme zu imitieren. Am häufigsten werden sie als
"Normalinsulin" bezeichnet, früher wurde oft der Ausdruck "Altinsulin"
verwendet. Der Wirkungseintritt dieser Insuline beginnt 10-30 min nach
der Injektion, die maximale Wirkung tritt nach 120-150 min ein und die
durchschnittliche Wirkungsdauer wird mit 5-8 h angegeben. Einen weiteren
entscheidenden Einfluss auf das Wirkungsprofil des Insulins hat die gespritzte
Insulinmenge. Je höher die gespritzte Dosis ausfällt, desto stärker
und länger wirkt das injizierte Insulin. Nach der Injektion von Normalinsulin
ins Unterhautfettgewebe kommt es zu einer Zusammenlagerung von jeweils
6 Insulinbausteinen = Hexamer (griechisch 6), der sogenannten Hexamerisierung.
Diese 6er-Bausteine zerfallen dann wieder in Einzelbausteine und werden
durch die Poren der Kapillarmembran in die Blutbahn aufgenommen (Abb.2).
Abb. 2
Aus der Zeit, die für diesen Prozess benötigt wird, ergibt sich der sogenannte
Spritz-Ess-Abstand. An diesem Mechanismus setzt das Wirkprinzip
einer neuen Generation von Normalinsulinen, den sogenannten Insulinanaloga,
an. Bei den Insulinanaloga, die unter den Produktnamen Humalog® (Insulin
Lispro) und Novo Rapid® (Insulin Aspart) auf dem Markt sind, wurde der
Aufbau der Aminosäurekette gentechnologisch insofern verändert, dass es
zu keiner Zusammenlagerung bzw. Hexamerisierung der Insulinbausteine mehr
kommen kann. Um dies zu erreichen wurden bei Humalog die Aminosäuren Prolin
und Lysin der B-Kette vertauscht. Bei Novo Rapid wurde an der B-Kette
ein Austausch von Aminosäurebausteinen vorgenommen. Hier wurde die Aminosäure
Prolin durch die Aminosäure Asparaginsäure ersetzt (Abb. 3).
Abb. 3
Neu auf dem Markt seit dem Jahre 2004 ist Insulin Glulisin (Apidra, Sanofi/Aventis). Hier wurde in der B-Kette an Position 3 Asparagin durch Lysin und an Position 29 Lysin durch Glutaminsäure (siehe Abbildung 4) ersetzt.
Abb.4
Als Folge der Veränderung der Insulinstruktur werden die Analoginsuline
deutlich rascher ins Blut aufgenommen. Damit entsprechen die messbaren
Wirkprofile nach Injektion eher dem physiologischen Insulinwirkverlauf
des Stoffwechselgesunden nach einer Mahlzeit, als dies bei den herkömmlichen
Insulinen der Fall ist. Im direkten Vergleich konnte gezeigt werden, dass
diese Insuline sich durch einen schnelleren Wirkungseintritt, ein
früheres Wirkmaximum sowie eine kürzere Wirkdauer hervortun.
Konkret beginnt der Wirkungseintritt sofort nach der Injektion, die maximale
Wirkung tritt nach 0,5 bis 1,5 h ein und die durchschnittliche Wirkdauer
wird bei Humalog mit 2-5 h, bei Novo Rapid mit 3-5 h angegeben. Des weiteren
ist die Abhängigkeit der Wirkdauer von der Insulindosis wesentlich geringer,
als dies bei Normalinsulin der Fall ist. So kann bei hohen Insulindosen
das Risiko von überlappenden Insulinwirkungen bei aufeinanderfolgenden
Injektionen minimiert werden.
Für die Praxis bieten die Insulinanaloga gegenüber den herkömmlichen
Insulinen einige Vorteile. Bei der Verwendung dieser Insuline entfällt
die Notwendigkeit eines Spritz-Ess-Abstandes, was besonders für Patienten,
die in ihrem Alltag mehr Flexibilität wünschen, eine deutliche Verbesserung
darstellt. Außerdem konnte in zahlreichen Studien belegt werden, dass
die schnellen Turboinsuline zu einer Absenkung der postprandialen Blutzuckerwerte
(Anstieg nach dem Essen) führen, sowie dass die Anzahl schwerer Hypoglykämien,
besonders in der Nacht, signifikant abnimmt.
Trotz dieser Vorteile sind die Analoga nicht automatisch für jeden
Patienten die bessere Alternative. Aufgrund des kürzeren Wirkprofils
können Zwischenmahlzeiten nicht bei der Insulininjektion zur Hauptmahlzeit
mit eingeplant werden, sondern müssen immer direkt abgedeckt werden. Des
weiteren kann es notwendig werden die Basalabdeckung zu verändern, um
Insulinlücken z.B. in den Abendstunden zu überbrücken. Auch ist die Bedeutung
der postprandialen Blutzuckerwerte in Bezug auf die Entstehung bzw. Entwicklung
von Folgeschäden noch in der Expertendiskussion, da es gegenwärtig an
eindeutigen Befunden diesbezüglich mangelt. Vergleicht man den HbA1c-
Wert unter Gabe von Normalinsulin und Insulinanaloga, kam es in den bisher
durchgeführten Studien. zu einer leichten Absenkung des HbA1c-
Wertes. Für den klinischen Alltag stellt dieser Unterschied jedoch nur
eine geringfügige Verbesserung dar.
Verzögerungsinsulin so langsam wie möglich
Um die basale Insulinsekretion des Stoffwechselgesunden zu ersetzen,
wurden Ende der 30er Jahre langwirksame Insuline entwickelt, welche umgangssprachlich
als Verzögerungs- oder Basalinsuline bezeichnet werden. Auch hier
gibt es mittlerweile herkömmliche und Designerlangzeitinsuline. Um eine
verzögerte Absorption des gespritzten Insulins aus dem Unterhautfettgewebe
zu erreichen, werden den herkömmlichen Insulinpräparationen bestimmte
Substanzen bzw. Salze zugesetzt die zu einer "Ausfällung" des Insulins
führen. Bei dieser Ausfällung bilden sich schwer lösliche Komplexe, welche
vor ihrer Aufnahme in den Blutkreislauf wieder aufgelöst werden müssen
und dadurch eine längere Wirkdauer zur Folge haben.
Die heute am häufigsten verwendeten Verzögerungsinsuline sind NPH-Insuline,
denen das Neutrale Protamin Hagedorn (NPH) zugesetzt wird. Bei längerwirkenden
Insulinenpräparationen liegt das Insulin, mit Ausnahme der klargelösten
Surfeninsuline, als Suspension vor und muss vor Gebrauch gründlich durchmischt
werden. Die Wirkung von NPH-Insulinen setzt bei subkutaner Gabe nach 30-60
min ein. Je nach injizierter Menge liegt das Wirkmaximum zwischen 4 und
8 h und die durchschnittliche Wirkdauer wird von den Herstellern mit 12-18
h angegeben. Die Erfahrung in der klinischen Praxis zeigt jedoch, dass
die meisten Verzögerungsinsuline nach 8-12 h ihre Wirkung verlieren, so
dass der Blutzuckeranstieg am Nachmittag, bei 2-maliger Basalinjektion,
für viele Patienten problematisch ist. Ein weiterer Schwachpunkt herkömmlicher
Verzögerungsinsuline ist die stark ausgeprägte Insulinwirkung 4-6 h nach
Injektion. Dies kann insbesondere in der Nacht ein Problem darstellen,
weil der maximale Wirkungspeak des Verzögerungsinsulins zwischen 2 und
4 Uhr zu einem Zeitpunkt eintritt, wenn die Zellen sehr insulinempfindlich
sind. Als Folge des Zusammentreffens dieser Faktoren kann es zu einer
erhöhten Unterzuckerungsneigung in der Nacht bei gleichzeitig hohen bzw.
schwankenden Morgenwerten kommen.
Besonders schwierig bekommt man dieses Problem bei Patienten mit Morgendämmerungsphänomen
(Dawn-Phänomen) in den Griff, die aufgrund ihrer Neigung zu einem starken
Anstieg des Blutzuckerspiegels in den frühen Morgenstunden eine hohe Dosis
von abendlichem NPH-Insulin benötigen. In diesen Fällen kann ein Versuch
mit dem Insulin Semilente, welches in die Gruppe der zinkverzögerten
Insuline gehört, eine Problemlösung bieten. Semilente weist von seiner
Absorptionskinetik im Gewebe gegenüber den NPH-Insulinen eine Besonderheit
auf, die für Patienten mit Dawn-Phänomen Vorteile bietet, weil es langsamer
und länger wirkt als NPH-Insulin und kein so stark ausgeprägtes Wirkmaximum
hat. Die anderen zinkverzögerten Insuline wie z.B. Monotard, Ultratard
oder Insulin Novo Lente finden heute in der Praxis kaum noch eine Anwendung.
Darüber hinaus gibt es Insuline, deren Eigenschaften durch die Zugabe
von Aminoquinurid (Handelsname Surfen) verändert werden. Allerdings
wurden bei längerer Anwendung surfenhaltiger Insulinpräparationen im Vergleich
mit NPH-Insulin häufiger allergische Reaktionen und Hautveränderungen
beobachtet, weshalb sie nur noch bei wenigen Patienten eingesetzt werden.
Von einem idealen Insulinpräparat zur Abdeckung des basalen Insulinbedarf
wünscht man sich also ein möglichst flaches und gleichmäßiges Wirkprofil.
Aus diesem Grund gibt es seitens der insulinproduzierenden Industrie vielfältige
und langjährige Bemühungen, solche Präparate zu entwickeln. Bisher ist
es nur der Firma Aventis (früher Hoechst) gelungen, ein Basalinsulinanalogon
bis zur Markteinführung zu entwickeln. Seit Juni 2000 ist das Insulin
Glargin (Studienname HOE901) unter dem Handelsnamen Lantus
auf dem deutschen Markt erhältlich. Bei diesem Insulin wurden gentechnologisch
2 Veränderungen vorgenommen. Zum einen wurde die B-Kette des Insulins
an der Position 30 um 2 Arginin-Aminosäuren verlängert, und zum anderen
wurde in der A-Kette die Aminosäure Asparaginsäure durch den Baustein
Glycin ersetzt (Abb.4). Als Folge dieser Veränderungen kommt es unter
physiologischen Bedingungen bei einem pH-Wert von 7,36 zur Ausfällung
des Insulins in Form von Polyhexamerkristallen. Diese Polyhexamere werden
dann zu Hexa,- D- bzw. Monomeren aufgespalten und gelangen als solche
letztendlich in den Blutkreislauf. Der Wirkbeginn von Insulin Lantus ist
nach ca. 3-4 h nachweisbar. Die mittlere Wirkdauer liegt bei 24 h und
die Wirkung verläuft nach Erreichen des Insulinspiegels (ca. 4 h nach
Injektion) relativ gleichmäßig, d.h. ein Wirkmaximum ist nicht zu identifizieren.
In klinischen Studien bei Patienten mit Ty-1 Diabetes konnten das Risiko
schwerer und v.a. nächtlicher Unterzuckerungen signifikant vermindert
werden, während es gleichzeitig zu einer Verbesserung der Nüchternblutzuckerwerte
kam. Weitere Vorteile in der Praxis sind, dass durch den Wegfall der morgendlichen
Insulininjektion eine "Spritze" eingespart werden kann und der Betroffene
gleichzeitig mehr Flexibilität z.B. in Bezug auf das Ausschlafen am Wochenende
erhält. Darüber hinaus ist Lantus eine neue Option für Patienten, die
durch die hohen Nüchternblutzuckerwerte infolge des Dawn-Phänomens schwer
einstellbar sind. Obwohl Lantus eine interessante Alternative zu
den herkömmlichen Langzeitinsulinen darstellt, ist es nicht
automatisch für jeden Patienten die bessere Lösung. Bei sehr insulinempfindlichen
Patienten, die weniger als 10 Einheiten Basalinsulin pro Tag benötigen,
muss auch Lantus meist auf eine abendliche und morgendliche Injektion
verteilt werden, weil das 24 h Wirkprofil bei kleinen Insulinmengen nicht
erreicht wird. Ebenso gelingt es nicht bei jedem Patienten, die Problematik
des Dawn-Phänomens mit Lantus in den Griff zubekommen. Da das Insulin
erst seit kurzer Zeit zugelassen und auf dem Markt erhältlich ist, muss
auch der Einsatz bei Risikopatienten wie Kindern, Schwangeren sowie Tumorpatienten
zwischen Arzt und Betroffenen sorgfältig abgewogen werden. Die klinischen
Erfahrungen nach einem Jahr Lantus sind vielversprechend, aber letztendlich
wird erst die Erfahrung im Alltag der kommenden Jahre zeigen, inwieweit
Lantus die hohen Erwartungen tatsächlich erfüllen kann, die es auf den
ersten Blick verspricht.
Mit dem Insulin Detemir (Levemir ®) ist ein weiteres Verzögerungsinsulin mit verbesserten Eigenschaften
auf den Markt kommen. Im Vergleich zum Humaninsulin fehlt beim Insulin
Detemir an der B-Kette die Aminosäure Threonin in der Position 30. Zusätzlich
wurde an der Aminosäure Lysin in Position 29 eine Fettsäure angelagert
(Abb.5).
Abb. 5
Als Folge dieser Veränderung des Insulinaufbaus kommt es zu einer Bindung
von Detemir an Körpereiweiß (Albumin). Diese Verbindung wird langsam wieder
aufgelöst und das Insulin gelangt auf diesem Wege "verzögert" in den Blutkreislauf.
In klinischen Studien konnten auch beim Insulin Detemir die Vorteile
einer längeren Wirkung sowie eines geringeren und später auftretenden
Wirkmaximums beobachtet werden. Insulin Detemir zeigt eine gleichmäßigere und besser vorhersagbare Wirkung als die herkömmlichen Insuline, so dass ihr Einsatz sich besonders bei den Patienten lohnt, bei denen der Blutzucker häufig stark und unerklärlich schwankt.
Im Gegensatz zu den Verzögerungsinsulinen liegen die Analoga in klarer
Lösung vor, so dass die Notwendigkeit der Durchmischung vor der Injektion
entfällt. Zusammenfassend bietet der "moderne" Insulinmarkt also auch
für sogenannte Problemfälle ein umfassendes Instrumentarium. Mit Hilfe
der gentechnologischen Möglichkeiten, werden die Insuline immer besser
auf die physiologischen Bedürfnisse abgestimmt, so dass es zunehmend
möglich wird, auch schwierige Stoffwechseleinstellungen in den Griff zu
bekommen. Wichtig ist es, auftretende Probleme der Einstellung gemeinsam
mit dem Arzt zu identifizieren und mit Hilfe der aktuellen Möglichkeiten
der Insulintherapie gezielte Lösungsstrategien zu erarbeiten und
auszuprobieren.
Dipl. oec. troph. Kerstin Bayer-Pörsch; Heiko
Feßler; Prof. Dr. med. Thomas Haak; alle Diabetes Zentrum Mergentheim
Dieser Beitrag wurde inhaltlich zuletzt im Januar 2005 aktualisiert
|