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Ernährung in der Schwangerschaft

Für schwangere Diabetikerinnen und in der Stillzeit ist es sehr wichtig, sich gesund zu ernähren. Mutter und Kind sollen mit allen erforderlichen Nahrungsstoffen versorgt sein.



Waltraud Schumacher, Ernährungsmedizinische Beraterin DGE/Diabetesberaterin DDG, Diätassistentin, Ernährungsmed. Beraterin, Deutsches Diabetes-Forschungsinstitut Düsseldorf

Waltraud Schumacher, Ernährungsmedizinische Beraterin DGE/Diabetesberaterin DDG, Diätassistentin, Ernährungsmed. Beraterin, Deutsches Diabetes-Forschungsinstitut Düsseldorf
Hier eine Übersicht über diesen Artikel:

-Die Energiemenge
-Sparsam salzen
-Sorgfältige Nahrungsmittelauswahl
-Getränke und Trinkmenge
-Übelkeit und Erbrechen
-Verteilung der Mahlzeiten

 


Die Schwangerschaft ist für jede Diabetikerin eine Zeit, in der sie besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich guter Stoffwechselwerte benötigt. Blutzuckerwerte zwischen 60 und 120 mg/dl sollen mit Hilfe der intensivierten Insulintherapie angestrebt werden. Eine gesunde Ernährung spielt jetzt eine wichtige Rolle. Sie soll Mutter und Kind mit allen nötigen Nahrungsstoffen versorgen und helfen, die Stoffwechselstörung auszugleichen. Schwangere, bei denen sich erst während der Schwangerschaft eine Störung des Kohlenhydrat-Stoffwechsels durch zu hohe Blutzuckerwerte bemerkbar macht (Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes), können häufig ihre erhöhten Blutzuckerwerte allein durch eine angepaßte Ernährung normalisieren. Gelingt dies nicht, wird auch hier eine zusätzliche Behandlung mit Insulin notwendig.

Die Energiemenge

Eine ausgewogene Ernährung beginnt bei der richtigen Energiemenge (Tab.1).

Tabelle 1.
Übersicht der Stoffe, die besonders in der Schwangerschaft und Sfillzeit zu beachten sind bzw. bei denen ein Mehrbedarf besteht (pro Tag)*
 
  1. - 3. Monat der Schwangerschaft ab 4. Monat der Stillzeit Schwangerschaft Stillzeit
Protein (pro kg Körpergewicht) 0,8 g 1 g 2 g zusätzlich je 100 ml Milch
Kalzium 1,2 g = 1,3 g
Eisen 30 mg = 20 mg
Jod 230µg = 260 µg
Zink 12 mg 15 mg 22 mg
Vitamin A 0,8 mg RÄ 1,1 mg RÄ 1,8 mg RÄ
Vitamin D 5 µg 10 µg =
Vitamin E 12 mg TÄ 14 mg TÄ 17 mg TÄ
Vitamin B1 1,1 mg 1,5 mg 1,7 mg
Vitamin B2 1,5 mg 1,8 mg

2,3 mg

Niacin 15 mg NÄ 17 mg NÄ 20 mg NÄ
Vitamin B6 1,6 mg 2,6 mg 2,2 mg
Folsäure 600 µg = 450 mg
Vitamin B12 3,5 µg = 4 µg
Vitamin C 75 mg 100 mg 125 mg
*Energie individuell, 25 bis 40 Kalorien pro kg Körpersollgewicht; jedoch nicht weniger als 1.500 Kalorien pro Tag. In der Stillzeit pro 100 ml Milch zusätzlich 100 Kalorien. (siehe auch: Deutsche Gesellschaft für Ernährung'Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr 1991 RÄ= Retinol-Äquivalent, TÄ = Tocopherol-Äquivalent, NÄ = Niacin-Äquivalent

Bei normalem Körpergewicht zu Beginn der Schwangerschaft kann die gewohnte Energiemenge für die ersten drei Monate beibehalten werden. Die benötigte Kalorienmenge beträgt, abhängig von der körperlichen Aktivität, 25 -35 Kalorien pro kg Sollgewicht. Zum Beispiel: Eine Frau mit einer Größe von 170 cm und einem Körpergewicht von 65 kg, die eine leichte körperliche Tätigkeit ausführt, benötigt etwa 2.000 Kalorien pro Tag (65 kg x 30 Kalorien).

Vom 4. bis 7. Schwangerschaftsmonat ist eine Gewichtszunahme von 5 bis 6 kg zu erwarten und im letzten Drittel der Schwangerschaft von weiteren 4 bis 6 kg. Der zusätzliche Energiebedarf erhöht sich in dieser Zeit um ungefähr 200 bis 350 Kalorien täglich. Wenn zu Beginn der Schwangerschaft ein Übergewicht besteht, sollte nach Absprache mit dem Arzt die tägliche Kalorienmenge verringert werden; jedoch sollte sie nicht unter 1.500 Kalorien liegen. Schwangere Diabetikerinnen sollten sich im Laufe der Schwangerschaft einmal wöchentlich wiegen, damit sie ihr Körpergewicht im Blick behalten und ihnen nicht entgeht, wenn sie unerwünscht zuoder abnehmen. Bei der Beurteilung des Körpergewichts ist zu bedenken, daß Wassereinlagerungen (Ödeme) in der Schwangerschaft zu einer Gewichtszunahme führen können. Dagegen wird der Arzt notwendige Behandlungsmaßnahmen einleiten bzw. besprechen.

Sparsam salzen

Wenn es zu Wassereinlagerungen und/ oder erhöhtem Blutdruckinder Schwangerschaft kommt, heißt das für die Ernährung: sparsam mit Kochsalz umgehen! Ersetzen kann man Kochsalz durch eine reichhaltige Auswahl an Küchenkräutern und Gewürzen sowie durch günstige Barmethoden.Zum Beispiel indem man Gemüse und Fleisch in wenig oder ganz ohne Wasser gart. Es ist Nahrungsmittel wie etwa Räucherwaren, Gemüse- und Fleischkonserven zu verzichten. In dieser Situation wird in der Regel auch die Trinkmenge auf bis zu zwei Liter täglich begrenzt.

Sorgfältige Nahrungsmittelauswahl

Das Essen und die Getränke während der Schwangerschaft und Stillzeit sollten besonders sorgfältig ausge wählt werden, damit Mutter und Kind ausreichend mit allen wichtigen Nähr stoffen versorgt werden. Der tägliche Essensplan sollte Nahrungsmittel und Speisen enthalten, mit denen ausrei chend Vitamine und Mineralstoffe aufgenommen werden können (Tab. 2).

Tabelle 2.
Vorschläge für gesunde Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten Frühstück
Frühstück
•Vollkornbrot mit Hüttenkäse, Tomate, Schnittlauch und Kresse
•Müsli mit Frischobst und Joghurt
•Vollkornbrötchen mit Diätmargarine, Kochschinken, Gurke und Paprika
•Leinsamenbrot mit Schichtkäse und Konfitüre
Zwischenmahlzeit vormittags
•Obstsalat mit kernigen Flocken
•Apfeljoghurt mit Zimt
• Vierkornbrot mit Diätmargarine und Schnittkäse, eingelegte Gurke
• Frischobst
Mittagessen
• Schollenfilet auf Blattspinat, Pellkartoffeln, Buttermilchgelee
• Leber 'Berliner Art', Kartoffelpüree, Feldsalat
• Bunte Gemüsesuppe (Vollkornreis, Fleisch), Schokocreme
•Grüne Nudeln mit Lachs, Blattsalat, Obstsalat
• Pellkartoffeln mit Frühlingsquark, gemischter Salat, GrießAammeri mit Früchten
Zwischenmahlzeit nachmittags
• Vollkornkekse
• Milchreis mit Früchten
• Hefegebäck mit Apfel
• Frischobst
Abendessen
• Tomaten mit Mozzarella, Olivenöl, Basilikum, Röstbrot
• Weizenmischbrot, Forellenfilet, Feldsalat mit Champignons
• Schinken-Spargel-Toast, Vanillecreme mit Kirschen
• Nudelsalat
Zwischenmahlzeit abends
• Kompott
• Nußbrot mit Schnittkäse
• Joghurt mit Früchten
• Roggenknäcke mit Streichkäse und Apfel

Bei einigen Stoffen, deren Bedarf in der Schwangerschaft und Stillzeit erhöht ist, ist es nicht einfach, auf die täglich erforderliche Menge zu kommen: Dies trifft besonders auf die Mineralstoffe Kalzium, Eisen und Jod sowie die Vitamine B1, B6, B12 und Folsäure zu. In der Tabelle 3 sind Nahrungsmittel angegeben, die vor allem den Bedarf an diesen Mineralstoffen und Vitaminen decken. Ob in der Schwangerschaft zusätzlich Vitamine und Mineralstoffe in medikamentöser Form erfolgen aufgenommen werden sollen, ist jeweils mit dem Arzt zu besprechen und zu entscheiden.

Tabelle 3.
Nahrungsmittel, die helfen, den täglichen Bedarf an wichtigen Mineralstoffen und Vitaminen zu decken
Kalzium
Milch, Milchprodukte, Käse
Eisen
Eisen Fleisch und Fleischprodukte, Fisch, Leber, Vollkornerzeugnisse, Gemüse
Jod
Seefische, Jod-Speisesalz
Vitamin B1, (Thiamin)
Fleisch (bes. Schweinefleisch), Leber, Fisch (bes. Lachs), Rotbarsch, Scholle, Vollkornprodukte
Vitamin B6 (Pyridoxin)
Fleisch, Fisch, Vollkornprodukte, Kartoffeln
Folsäure
Leber, Ei, Weizenkeime, Vollkorn produkte, Gemüse (bes. Blattsalate), Kohl, Spinat
Vitamin B12
Fleisch, Fisch, Eier, Milch, Käse

Die tägliche empfehlenswerte Eiweiß-(Protein-)menge wird in der Regel sowohl während der Schwangerschaft als auch in der Stillzeit erreicht, da eiweißreiche tierische Nahrungsmittel wie Milch und Milchprodukte, Käse, Fleisch, Fisch und Eier von den meisten Menschen regelmäßig und täglich in üblichen Portionen verzehrt werden (Tab. 4).

Tabelle 4.
Beispiele für den Gehalt an Eiweiß in verschiedenen Nahrungsmittelportionen
1 Portion Fleisch (120 g Rohgewicht)
ca. 25 g Eiweiß
1 Portion Fisch (150 g Rohgewicht) ca. 27 g Eiweiß
1/4 l Milch ca. 8 g Eiweiß
1 Becher Joghurt (150 g) ca. 5 g Eiweiß
4 Eßlöffel Quark (120 g) ca. 16 g Eiweiß
1 Scheibe Käse (30 g) ca. 9 g Eiweiß
1 kleine Scheibe Aufschnitt (20 g) ca. 4 g Eiweiß
1 Ei ca. 7 g Eiweiß

Bei der Auswahl der eiweißreichen Nahrungsmittel sollten vorzugsweise fettarme Sorten verzehrt werden. Fett ist auch in der Schwangerschaft und Stillzeit sparsam zu verwenden. Zu beachten sind vor allem die versteckten Fette. Als Zubereitungsfette eignen sich insbesondere Öle (Olivenöl, Maiskeimöl o. ä.), als Streichfett Diätmargarine oder kleine Mengen an Butter.
Wer die Inhaltsstoffe (Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe) und den Kaloriengehalt der Nahrungsmittel und Speisen genauer kennenlernen möchte, kann sich in Nährwert- und Kalorientabellen informieren. Diese sind in Buchhandlungen erhältlich, z. B. "Die kleine Nährwert-Tabelle" (Umschau-Verlag), die" Große Nährwert-Tabelle" (Verlag Gräfe und Unzer), "Kalorien mundgerecht" (Umschau Verlag).

Getränke und Trinkmenge

In der Schwangerschaft sollten Frauen viel trinken: Mindestens zwei Liter sollten es sein, wenn keine Gründe für eine Begrenzung vorliegen - auf diese würde der Arzt hinweisen.
Besonders geeignet sind Mineralwasser, Kräuter- und Früchtetee, Gemüsesaft und entcoffeinierter Kaffee. Coffeinhaltigen Kaffee und Schwarzen Tee verträgt nicht jeder, und in der Regel sollten nur wenige Tassen pro Tag getrunken werden. Bei Süßstofflimonaden sollte man jene wählen, die mit dem Süßstoff Aspartame gesüßt sind. Zuviel an künstlichem Süßstoff sollte in der Schwangerschaft nicht genommen werden verwenden Sie eher etwas weniger als sonst. Alkohol ist während der Schwangerschaft und in der Stillzeit nicht zu empfehlen. Dagegen sollte möglichst täglich bis zu einem halben Liter Milch, Joghurt, Kefir oder Buttermilch (Kohlenhydratportionen berücksichtigen!) getrunken bzw. verzehrt werden. In der Stillzeit sollte die Menge an Milch - dem wichtigen Lieferanten für Kalzium und Eiweiß noch größer sein.

Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit und Erbrechen am Morgen sind häufige Beschwerden in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft. Kleine, leicht verträgliche Mahlzeiten wie Toastbrot, Zwieback, Haferflocken und Fruchtsaft können dieses Übel oft lindern. Die Insulindosis muß wie immer auf die Kohlenhydratportionen abgestimmt werden. Engmaschige Blutzuckerselbstkontrollen geben auch in der Schwangerschaft Absicherung. Unterzuckerungen und zu hohe Blutzuckerwerte gilt es rasch zu erkennen und zu behandeln. Wichtig ist, daß durch Anpassung der Insulindosis bzw. der Kohlenhydratzufuhr rechtzeitig reagiert wird. Manchmal kommt es am Ende der Schwangerschaft zu Unwohlsein, begleitet von Völlegefühl und Sodbrennen. Auch hierbei sind kleine, dafür häufigere Mahlzeiten oft hilfreich. Dagegen sollten Sie scharf gebratene und gewürzte Speisen meiden. Auch alle Nahrungsmittel mit viel Säure, z. B. säuerliche Obstsorten, sauer eingelegte Gemüse, Sauerbrotsorten, werden dann meist nicht gut vertragen und sollten gemieden werden.

Verteilung der Mahlzeiten

Meist ist es günstig, die einzelnen kohlenhydrathaltigen Mahlzeiten ausgewogen über den Tag zu verteilen. Die Zeitabstände zwischen den Mahlzeiten sollten nicht allzu groß sein. Für viele ist auch eine kleine Mahlzeit am späten Abend - vor dem Schlafen - wichtig, um ausgeglichenere Blutzuckerwerte zu erreichen. Mahlzeiten mit stärkehaltigen und ballaststoffreicheren Nahrungsmitteln sind hier am besten.
Ketonausscheidung (Azeton im Urin), bedingt durch Kohlenhydratmangel ("Fasten-Ketonurie"), sollte vermieden werden: Das bedeutet, daß Sie nicht zu sparsam mit den Kohlenhydraten umgehen sollten. Die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr sind weitgehend denen ähnlich, die Diabetikern auch außerhalb der Schwangerschaft gegeben werden: etwa 20 % der täglichen Kalorien als Eiweiß, 30 bis 35 % als Fett unter Bevorzugung von einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren und der Rest der täglichen Energie als komplexe Kohlenhydrate.
Die richtige Ernährung und individuelle Besonderheiten in der Schwangerschaft und Stillzeit sollten Diabetikerinnen mit Diätassistentin und Arzt besprechen - sowohl zu Beginn als auch im Laufe der Schwangerschaft und Stillzeit. Tägliche Blutzuckerselbstkontrollen, wöchentliches Wiegen und das Testen auf Keton im Urin helfen, den Diabetes in der Schwangerschaft zu kontrollieren. Die HbA- Werte, die beim Arzt gemessen werden, zeigen zusätzlich, ob die Nahrungsauswahl und Menge geeignet ist.

Waltraud Schumacher, Diätassistentin, Ernährungsmed. Beraterin, Diabetesberaterin DDG, Deutsches Diabetes-Forschungsinstitut Düsseldorf



Redaktion: Dr. med. M. Stapperfend, Prof. Dr. med. W. Scherbaum

Dieser Beitrag wurde inhaltlich zuletzt im August 2001 aktualisiert
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