Newsletter  |  Freitag, 18. August 2017, 23:52 Uhr
Startseite

Diabetes-News

Über Diabetes
Fachthemen
Ernährung
Patientenfragen

Praktische Hilfe
Diabetes und Vorsorge
Klinische Studien
Diabetes-Kalender

Selbsthilfe-Suche
Arzt-/Klinik-Suche

 
 
 
gefördert durch:
 
Wissenschaftliche Studien und Maßnahmen zur Verhinderung des Typ 2 Diabetes

Im folgenden Abschnitt werden Maßnahmen vorgestellt, welche die Entstehung eines Typ 2 Diabetes mellitus verhindern sollen. Es werden nur diejenigen Maßnahmen vorgestellt, die wissenschaftlich ausreichend untersucht wurden.

Wie werden die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien in dieser Information dargestellt?

In der Darstellung der Studienergebnisse wird jeweils angegeben, wie sich die Blutzuckerwerte mit den Behandlungen verändern. Zudem wird angegeben, wie viele Personen mit erhöhten Blutzuckerwerten behandelt werden müssten, damit 1 Person keinen Typ 2 Diabetes mellitus bekommt. Manchmal sind das wenige, manchmal aber auch recht viele Personen. An der Darstellung kann auch abgelesen werden, wie viele Personen behandelt werden, ohne tatsächlich davon zu profitieren. Im ersten Beispiel sind es 13 Personen, die behandelt werden müssen, damit 1 Person nicht die Diagnose Typ 2 Diabetes mellitus erhält.

Studienergebnisse unterliegen immer Zufallsschwankungen. Auch diese sollen hier angegeben werden. Wenn die wissenschaftlichen Studien sehr viele Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer eingeschlossen hatten, sind die Schwankungen gering. Kleine Studien weisen jedoch große Schwankungen auf. Diese Schwankungen werden als Vertrauensbereich bezeichnet.

An der Darstellung kann man erkennen, dass der Vertrauensbereich zwischen 5 und 10 Personen liegen kann. Es kann also sein, dass nur 5 Personen behandelt werden müssen, damit 1 Person profitiert. Es kann aber auch sein, dass 10 Personen behandelt werden müssen, damit 1 Person von der Behandlung profitiert.

Die Darstellung beinhaltet auch die Information darüber, wie lange die Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer in der Studie behandelt wurden. Im Beispiel waren es 3 Jahre. Aus diesen Angaben kann somit nicht auf Langzeitergebnisse geschlossen werden.

 

Welche nicht-medikamentöse Maßnahmen gibt es?

Änderungen des Lebensstils

Veränderung einzelner Lebensumstände

Medikamentöse Maßnahmen

Studie Biguanide

Studie Alphaglukosidase-Hemmer

 


Welche nicht-medikamentöse Maßnahmen gibt es?

Änderungen des Lebensstils

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Veränderungen des Lebensstils, wie Ernährungsumstellungen, sportliche Aktivitäten oder Reduktion des Körpergewichtes sich positiv auf erhöhte Blutzuckerwerte auswirken können. Inwieweit bestimmte Programme einen Nutzen haben, wird im Folgenden dargestellt.

Beispiel 1:

Dieses Beispiel zeigt die Ergebnisse eines Programms, das folgende Komponenten umfasst:

  • Ernährungsberatung durch eine Diätassistentin (7 Beratungen im 1. Jahr, dann 1 Beratung alle 3 Monate)
  • angestrebte Gewichtsabnahme um mindestens 5% des Ausgangsgewichtes
  • Steigerung der sportlichen Aktivität um mindestens 30 Minuten pro Tag

Studienergebnisse:

Wenn 13 Personen mit erhöhten Blutzuckerwerten über zwei Jahre an diesem Programm teilnehmen, wird eine Person keine Diagnose Typ 2 Diabetes mellitus erhalten.


Testergebnis

Nach 2 Jahren profitiert 1 Person

Wer diejenige Person ist, ist nicht bekannt

Wird nun der Vorteil des Lebensstil-Programms als Veränderung des Nüchternblutzuckers dargestellt, ergibt sich Folgendes:
Nach zwei Jahren liegt der Nüchternblutzucker in der Lebensstil-Programm-Gruppe bei 107 mg/dl (6,0 mmol/l) und bei der unbehandelten Gruppe bei 113 mg/dl (6,3 mmol/l).

Wird der Vorteil des Lebensstil-Programms als Veränderung des Blutzuckerwertes zwei Stunden nach Trinken einer Zuckerlösung („Zwei-Stunden-Wert“) dargestellt, ergibt sich Folgendes:
Nach zwei Jahren liegt der Zwei-Stunden-Wert in der Lebensstil-Programm-Gruppe bei 145 mg/dl (8,1 mmol/l) und bei der unbehandelten Gruppe unverändert bei 159 (8,9 mmol/l).

Der Vertrauensbereich um die Studienergebnisse ist in der Veröffentlichung nicht angegeben und kann somit hier nicht präsentiert werden. Kürzlich wurden die Daten nach einer Beobachtungszeit von elf Jahren vorgelegt. In den beiden Studiengruppen waren Herzinfarkte, Schlaganfälle und Sterbefälle gleich häufig. Allerdings waren verhältnismäßig wenig Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer verstorben. Die Daten wurden mit finnischen Bürgerinnen und Bürgern verglichen, die ebenfalls eine gestörte Glukosetoleranz haben, jedoch nicht an der Studie teilgenommen haben. Hier waren deutlich mehr Menschen im gleichen Zeitraum gestorben. Die Bevölkerung außerhalb der Studie ist offensichtlich kränker und nicht vergleichbar mit den Studienteilnehmern.

Quelle: Tuomilehto et al., Mühlhauser et al., Uusitupa et al.

 

Beispiel 2:

Lebensstil-Programm bestehend aus:

  1. Einzelunterricht (insgesamt 16 Stunden) zu den Themen Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderung
  2. angestrebte Gewichtsabnahme um 7% Kohlenhydrat- und Fett-reduzierte Ernährung
  3. Steigerung der sportlichen Aktivität auf mindestens 150 Min. pro Woche

Mehr als die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren weiße Amerikaner, 20% Amerikaner mit afrikanischem Hintergrund und 16% mit lateinamerikanischer Herkunft. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse kann insofern eingeschränkt sein.

Studienergebnisse:

Wenn sieben Personen mit erhöhten Blutzuckerwerten über drei Jahre an diesem Programm teilnehmen, wird eine Person keine Diagnose Typ 2 Diabetes mellitus erhalten. Es könnten aber auch nur fünf oder aber auch 1zehn sein, die teilnehmen müssten.


int v1


int v2


int v3

Nach 3 Jahren profitiert 1 Person

Wer diejenige Person ist, ist nicht bekannt.

Wird nun der Vorteil des Lebensstil-Programms als Veränderung des Nüchternblutzuckers dargestellt, ergibt sich Folgendes:
Nach drei Jahren liegt der Nüchternblutzucker in der Lebensstil-Programm Gruppe bei 106,3 mg/dl (5,9 mmol/l)und bei der unbehandelten Gruppe bei 111,7 mg/dl (6,2 mmol/l).

Quelle: Diabetes Prevention Program Research Group (DPP); Mühlhauser

nach oben

 

Veränderung einzelner Lebensumstände

Der Nutzen populärer Einzelmaßnahmen und Programme wird im Folgenden dargestellt

Studie 1:

Diäten

Ein positiver Einfluss von Diäten auf die Blutzuckerwerte konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Änderung der Ernährung

Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ist ohne Zweifel ein positives Ziel. Für die Einhaltung von Diäten konnte kein Vorteil nachgewiesen werden.

Studienergebnisse:

Für die folgende Ernährung konnte ein Vorteil nicht nachgewiesen werden:

  • verminderte Aufnahme von Kohlenhydraten
  • Ernährungsumstellung und Vitamintabletten
Quelle: Gillies et al.; Priebe et al

Die folgenden Ernährungsstrategien wurden bisher nicht untersucht:

  • Steigerung des Vollkornanteils in der Nahrung
  • verstärkter Verzehr von Obst, Gemüse und Vitamintabletten
  • Ernährungsberatung
Quelle: Gillies et al.; Priebe et al

 

Studie 2:

Sport

Ein positiver Einfluss von sportlicher Betätigung (allein oder auch in Kombination mit einer Ernährungsumstellung ohne Anleitung) auf die Blutzuckerwerte konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Steigerung der sportlichen Betätigung

Zu den Effekten der Steigerung sportlicher Aktivitäten allein gibt es wenige Untersuchungen. Zumeist wurden sportliche Aktivitäten im Zusammenhang mit anderen Maßnahmen wie Diäten oder umfassenden Lebensstil-Änderungen untersucht. Andere Untersuchungen sind in fernen Kulturkreisen durchgeführt und können nicht auf Westeuropa übertragen werden.

Studienergebnisse:

Für die folgenden Maßnahmen kein Vorteil nachgewiesen werden:

  • sportliche Betätigung allein
  • sportliche Betätigung kombiniert mit Ernährungsumstellung ohne Anleitung zu umfassenden Lebensstiländerungen
Quelle: Norris et al.

nach oben

 

Medikamentöse Maßnahmen

Einige Medikamente zur Behandlung des Typ 2 Diabetes mellitus wurden auch in Studien zur Behandlung von erhöhten Blutzuckerwerten eingesetzt. Ziel dieser Medikamente ist es, die Diagnose Typ 2 Diabetes mellitus zu verhindern. Die verschiedenen Medikamente können nach Wirkstoffgruppen unterschieden werden, die unterschiedliche Wirkweisen haben, unterschiedlich wirksam sind und sich auch in den Nebenwirkungen unterscheiden.

Im Folgenden sind die Gruppen und Wirkstoffe aufgeführt, die für die Behandlung von erhöhten Blutzuckerwerten untersucht wurden:

Übersicht der Medikamente zur Behandlung erhöhter Blutzuckerwerte:

Medikamentengruppe Wirkstoff
Biguanide Metformin
Sulfonylharnstoffe Glipizid, Glibenclamid
Alpha Glukosidasehemmer Acarbose
Glitazone Rosiglitazon, Pioglitazon
ACE Hemmer(Blutdrucksenker) Ramipril

nach oben

 

Studie Biguanide

Wie wirken die Biguanide?

Biguanide hemmen die Glukosebildung in der Leber und unterstützen die Aufnahme von Glukose in die Muskelzellen. Die Aufnahme von Glukose aus dem Darm wird zudem verzögert. Biguanide wirken Appetit hemmend.

Biguanide

Biguanide hemmen die Glukosebildung in der Leber und unterstützen die Aufnahme von Glukose in die Muskelzellen. Die Aufnahme von Glukose aus dem Darm wird zudem verzögert. Biguanide wirken Appetit hemmend. Ziel ist die Senkung des Blutzuckerspiegels.

Studienergebnisse:

Wie wirksam können Biguanide die Entstehung eines Typ 2 Diabetes mellitus verhindern?

Wenn 14 Personen mit erhöhten Blutzuckerwerten über drei Jahre mit Biguaniden (2 x täglich 850 mg) behandelt werden, würde eine Person nicht die Diagnose Typ 2 Diabetes mellitus erhalten. Es könnten aber auch nur neun oder aber auch 34 sein, die behandelt werden müssten.


medv1


medv2


medv3

Nach 3 Jahren hat 1 Person einen Nutzen

Wer diejenige Person ist, die einen Nutzen hat, ist nicht bekannt.

Wird nun der Vorteil der Biguanide als Veränderung des Nüchternblutzuckers dargestellt, ergibt sich Folgendes:
Nach drei Jahren liegt der Nüchternblutzucker in der Gruppe, die mit Biguaniden behandelt wird bei 106,3 mg/dl (5,9 mmol/l) und in der unbehandelten Gruppe bei 111,7 (6,2 mmol/l).

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Sehr häufig (bei mehr als 10 von 100 Personen): (vor allem zu Therapiebeginn) Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle.
Häufig (bei 1-10 von 100 Personen): Störungen des Geschmackssinns, Blähungen.

Wer sollte keine Biguanide nehmen?

Wegen der Gefahr der Übersäuerung des Körpers durch Milchsäure muss die Nierenfunktion regelmäßig überwacht werden. Bei Harnwegentzündungen und bei Operationen, die eine Narkose erfordern, sind Biguanide vorübergehend abzusetzen.

Quelle: Diabetes Prevention Program Research Group (DPP); Mühlhauser

nach oben

 

Studie Alphaglukosidase-Hemmer

Alphaglukosidase-Hemmer

Das Wirkprinzip dieser Medikamentengruppe ist umstritten. Acarbose vermindert die Verdauung der Kohlenhydrate im Dünndarm, wo sie normalerweise stattfindet. Dadurch fallen im Dickdarm Spaltprodukte an, die Durchfall oder Blähungen auslösen können.

Alphaglukosidase-Hemmer

Die Alphaglukosidase-Hemmer haben die Senkung des Blutzuckerspiegels zum Ziel. Dies erreichen diese Medikamente, indem sie die Verdauung der Kohlenhydrate im Dünndarm vermindern, wo sie normalerweise stattfindet. Dadurch fallen im Dickdarm Spaltprodukte an, die Durchfall oder Blähungen auslösen können.

Wirksamkeit Alphaglukosidase-Hemmer

Wie wirksam können Alphaglukosidase-Hemmer die Entstehung eines Typ 2 Diabetes mellitus verhindern?
Wenn zehn Personen mit erhöhten Blutzuckerwerten über drei Jahre mit Alphaglukosidase-Hemmern behandelt werden, würde eine Person nicht die Diagnose Typ 2 Diabetes mellitus erhalten. Es könnten aber auch nur sieben oder aber auch 25 sein, die behandelt werden müssten.


meda1


meda2


meda3

Nach 3 Jahren hat 1 Person einen Nutzen

Wer diejenige Person ist, die einen Nutzen hat, ist nicht bekannt.

Wird nun der Vorteil der Alphaglukosidase-Hemmer als Veränderung des Nüchtern-Blutzuckerwertes dargestellt, ergibt sich Folgendes:

  • Nach drei Jahren liegt der Nüchternblutzucker in der Gruppe, die mit Alphaglukosidase-Hemmern behandelt wird, bei 102,7 mg/dl (5,7 mmol/l) und bei der unbehandelten Gruppe bei 113,5 mg/dl (6,3 mmol/l).
  • Nach drei Jahren liegt der Zwei-Stunden-Wert in der Gruppe, die mit Alphaglukosidase-Hemmern behandelt wird, bei 126,1 mg/dl (7,0 mmol/l) und bei der unbehandelten Gruppe bei 171,1 mg/dl (9,5 mmol/l).

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Sehr häufig (bei mehr als 10 von 100 Personen): Blähungen (bei mehr als 80 von 100 Personen), Bauchschmerzen (bei 21 von 100 Personen), Durchfall (bei 33 von 100 Personen), Anstieg der Leberwerte.
Häufig (bei 1-10 von 100) kommt es zu einer Gewichtsabnahme.

 

Zweifelhafte Ergebnisse

Es ist umstritten, ob mit diesem Medikament tatsächlich Typ 2 Diabetes mellitus verhindert werden kann oder ob der Diabetes nur verdeckt oder hinausgezögert wird. Wird die Einnahme des Medikamentes nach mehrjähriger Dauer beendet, steigt das Risiko und ist vergleichbar mit dem Diabetesrisiko von Personen, die keine Alphaglukosidase-Hemmer genommen haben. Außerdem ist die Behandlung mit ausgeprägten Nebenwirkungen verbunden.

Quelle: Van de Laar et al.

nach oben

Darstellung zum Ausdrucken